Review

kurz angerissen*

Der Besetzungsliste nach zu urteilen bloß ein weiterer Klopper der Kategorie B, dessen Drehbuch nichts als ein notwendiges Übel ist, um die Action-Blasen wie Perlen an eine lineare Schnur ketten zu können.

Aber denkste! "Accident Man" ist zweifellos einer der narrativ ambitioniertesten Actioner mit Scott Adkins in der Hauptrolle. Es wird mit bissigen Sprüchen aus dem Off kommentiert, es wird über einen längeren Flashback die Vergangenheit aufgerollt. Unentwegt sucht Jesse Johnson den größeren Kontext und löst sich somit vom omnipräsenten Gegenwartsbezug des Actionfilms für den Videomarkt, der in den meisten Fällen nur die Reaktion auf eine akute Bedrohung kennt: Schießt der Baddie in deine Richtung, dann schieß so schnell wie möglich zurück.

Flapsige Oneliner eines Erzählers wie bei einem Revival von "Snatch", das kann natürlich vollkommen in die Hose gehen, gerade bei einem schauspielerisch eher steifen Darsteller wie Adkins. Doch zur großen Überraschung runden die Kommentare das mit raffinierten Einfällen gewürzte Kommentierte optimal ab und lassen nie eine Nähe zu billiger Post-Gangster-Ware der 00er Jahre zu. Im Gegenteil; wenn die Hauptfigur in der Rückblende als Zeitungsjunge von Schlägertypen verfolgt wird, rückt die Stimmung sogar kurzzeitig in die Nähe von Scorseses Gangster-Epen der 80er und 90er.

Im Kern ist "Accident Man" natürlich trotzdem ein Prügelfilm durch und durch. Gewisse Nebenfiguren, die actiontechnisch völlig passiv agieren, werden ganz gezielt genutzt, um auf der Gegenseite die Physis des Hauptdarstellers und seiner Kontrahenten zu betonen, deren Taktiken bunt gemischt sind wie in einer Comicverfilmung - daher wohl auch die Regenbogenfarben auf dem Cover. Obwohl ein Michael Jai White, es sei dem inzwischen 50-Jährigen gegönnt, ein wenig Winterspeck angesammelt hat, gehören seine Tag-Team-Auftritte gemeinsam mit Ray Park zu den Highlights. Darstellerisch hingegen setzt Ray Stevenson die Glanzpunkte. Der muss im Grunde bloß mit einer Flinte hinter der Bartheke stehen und ist doch die imposanteste Erscheinung des Films. Schade bloß, dass einige interessante Figuren dem breiten Aufgebot zum Opfer fallen (den rattenartigen Giftmischer hätte man bei einer derart schrulligen Einführung einfach besser einbinden müssen).

Abwechslungsreiche Schauplätze, schlagfertige Selbstironie, eine hohe Taktfrequenz in Sachen Action, charismatische Akteure und teilweise ziemlich verrückte Ausschaltmethoden lassen "Accident Man" also zu einem echten Highlight seiner Gattung werden. Ein leider allzu selten gewordenes Vorkommen.

*weitere Informationen: siehe Profil

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