Review

Oh je, Literaturverfilmungen!
Das Sujet von „Die Entdeckung des Himmels“ klingt so verführerisch: der Himmel kündigt den Bund Gottes mit den Menschen auf und will die Gesetzestafeln mit den 10 Geboten zurück, woraufhin ein Engel einen komplizierten Plan ersinnt, um drei Menschen zu Handlangern in diesem kosmischen Ränkespiel zu machen.

Das scheint knackig-frisch zu sein und fängt auch wie der nächste Arthouse-Hit an, denn Stephen Fry und Greg Wise spielen sich die Finger wund und die Einfälle der Story, basierend auf dem abstrusen himmlischen Plan rauschen uns nur so entgegen, so daß man einerseits grinsend im Sessel hockt und andererseits vor Staunen den Mund nicht zubekommt.

Doch mit zunehmendem Filmverlauf versandet der Plot immer mehr in den Fallstricken der Vorlage, die zwar religiös-philosophische Denk- und Kritikansätze im Dutzend pro Viertelstunde losläßt, aber damit noch keinen spannenden Filmplot generiert.

Die Menschen sind hier nur Schachfiguren des Himmels und so fühlen wir uns auch bald in diesem Film. Die Engel arbeiten nämlich recht willkürlich und ziemlich rachsüchtig, so daß zur Einhaltung der richtigen Richtung auch schon mal einer der Darsteller ins Gras beißen muß. Was heißt hier einer, fast alle!

Erklären kann uns nur niemand, was das alles eigentlich soll. So kompliziert und abwechslungsreich, so farbig und visuell aufregend das gelungen ist, kommt doch ständig die Frage auf, was an der Umsetzung des Plans so verdammt kompliziert sein soll. Zur Halbzeit tritt dann auch noch der Erlöser auf, nicht Jesus, sondern der eingeborene (oder eben nicht eingeborene) Sohn zweier Väter, die Mutter geht ins Koma und bleibt dort für den Rest des Films, ein Daddy entdeckt den Himmel und wird vom Meteor erschlagen, der andere erfüllt mit Sohnemann die Prophezeiung. Ende der Story!

Wie jetzt, fragen sie?
Ja, nö, so isses. Das wars. Kein Dreh, kein Plot-Twist, keine Pointe, keine Wendung in letzter Minute. Der Gottessohn löst sich auf, die Tafeln verschwinden, die Menschheit ist gottlos, dem Überlebenden droht ein gewaltsamer Tod, ein Engel ist wütend, wir sind es auch.

Da bemühen die Niederländer hier beachtliche Spezialeffekte und reichlich Religionsmystik (die Bergung der Tafeln aus einer Kirche in Italien ist eine der spannensten Szenen), doch auf den echten Dreh warten wir vergebens, der die Menschen wenigstens einmal die Nase vorn haben läßt. Alles ist vorausberechnet und vielleicht ist das ja der Clou, daß die Bestimmung uns keine Möglichkeit läßt. Dazu wären diese sonst sprühenden 140 Minuten aber nicht nötig gewesen.

So ermüdet der Film mit zunehmender Lauflänge immer mehr, denn man wartet auf eine Überraschung, die niemals kommt, die uns aber mit dem spannenden, verzwickten Aufbau ständig versprochen wird.
Dafür können wir hinter uns die Flossen wunddiskutieren, was mit einzelnen Abschnitten wohl bezweckt worden ist. Also doch ein Erfolg: ein Film, der uns ins Grübeln bringt – dazu sollte man uns vorher aber nicht ärgerlich machen. (5/10)

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