Und täglich grüßt der Nakedei
Dreiste Kopie oder angenehme Frischzellenkur? Das war bei "Naked" die Frage, dem neuesten Netflix-Movie, der sich schonungslos und schamfrei bei "Und täglich grüßt das Murmeltier" bedient und das Szenario auf 1 Stunde und mit weniger Klamotten verdichtet. Ein junger Mann steht kurz vor seiner Hochzeit und durchlebt die letzte Stunde von 11 bis zum Glockenläuten um 12 Uhr immer und immer wieder. Bis er endlich die perfekte Hochzeit und sein Leben auf die Reihe kriegt. Hindernisse sind dabei u.a. die fehlenden Textilien zu Beginn jeder Zeitschleife, eifersüchtige Ex-Partner und ein überstrenger Schwiegervater.
Marlon Wayans hat seine beste Zeit mit den frühen "Scary Movie"-Teilen zwar schon weit hinter sich, ein sympathischer und vor allem körperlich witziger Zeitgenosse ist er allerdings noch immer. Wenn er sich seine Arm betäubt und bricht oder dutzende Male verprügelt wird, ein Tanzbattle startet oder billigst gegen eine Laterne läuft samt Gesichtskirmes, dann kommt man um den ein oder anderen Lacher nicht herum. Egal wie sauer man ist, weil der Film so schamlos und kreativlos kopiert. Wenn man zudem noch in Hochzeitsvorbereitungen steckt, wie das Publikum mit dem ich ihn auf der Couch gucken durfte, dann muss man den flachen Klamauk nicht unbedingt zerreissen und dann genießt er einen Bonus. Einen guten Film, neue Ideen oder tiefe Figuren erwartet denke ich niemand und bekommt man ganz und gar nicht. Nur ein etwas unterbelichtetes, kitschiges Herz am richtigen Fleck. Manchmal.
Fazit: "Naked" ist harmlose Pre-Hochzeits-Unterhaltung für einen ungezwungenen, jugendfreien Netflix-Abend. Oder zum Netflix-und-Chillen. Keine Katastrophe wie Wayans letzten peinliche Ausrutscher ala "Fifty Shades of Black" oder manch ein Adam-Sandler-Netflix-Exklusiv, aber trotzdem sollten gerade "Groundhog Day"-Fans eher Abstand halten und so Wutausbrüche und Kotzanfälle vermeiden.