Review

Bei Geisterhausfilmen ist es ähnlich wie in der Popmusik, denn irgendwann sind alle Geschichten, alle Melodieabfolgen durch und es kommt unweigerlich zu Ähnlichkeiten oder gar Kopien. Da es „The Conjuring“ schon gibt, heißt der Streifen alternativ „The Conjured“ und da „Annabelle“ ebenfalls noch frisch ist, musste „Adaline“ herhalten.

Künstlerin Daniela (Jill Evyn) erbt unverhofft ein abgelegenes Anwesen von ihrer Tante, in welches sie sogleich einzieht. Bei Nachforschungen über die Geschichte des Hauses stößt sie auf das finstere Schicksal dreier Schwestern und es mehren sich Hinweise, dass es eine Verbindung zu Daniela gibt…

Die gebürtige Inderin Bidisha Chowdhury liefert nach einigen Kurzfilmen ihr Langfilmdebüt ab, für das sie das Drehbuch schrieb und an der Kostümgestaltung mitwirkte, was bei einer Rückblende ins Jahr 1900 komplett daneben geht, da hier beliebige Kleidung aus dem Theaterfundus geschnappt wurde und der Szene damit jegliche Glaubwürdigkeit raubt. Der Rest ist auf handwerklicher Ebene nicht so dilettantisch, jedoch über weite Strecken echt boring.

Daniela ist eine sympathische und zurückhaltende Einzelgängerin, die im Verlauf auf den leicht zurückgebliebenen Marvin (Jeremy Walker) trifft, der mit einem Metalldetektor nach einem Schatz sucht, während der schüchterne Nachbar ein potenzielles Love Interest darstellt.
Hinzu kommen nicht so wesentliche Figuren wie die beste Freundin, eine Maklerin und ein Psychiater, ein Exfreund und eben jene drei Schwestern, von denen eine die Titelgebende ist.

Wo andere Filmschaffende zumindest mit kleinen Geisterbahneinlagen Schrecken zu schüren versuchen, kommt man hier auf diverse Laufzeitstrecker und unnütze Einlagen, eine schrecklich uninspirierte Erotikszene und ein erstes Huch nach einer halben Stunde: Es hat jemand ein Pentagramm gemalt, mit Blut. Über schwadronierende Geistergestalten kommt die Gestaltung des Paranormalen nicht hinaus und obgleich das Interieur des alten Gebäudes stilvoll eingefangen wird und die etwas ältere Maklerin (Pamela Finney) äußerlich und von der gekonnten Mimik her an Kathy Bates erinnert, stellt sich bis zum Finale kein Schrecken ein.

Zwischendurch kommt es zu angedeuteten Kehlenschnitten, die eine FSK16 beinahe zu hoch erscheinen lassen, während es zum Showdown eher vorhersehbar zugeht, obgleich das Tempo ein wenig gesteigert wird. Allerdings liefert das Geschehen mehr Fragezeichen als Antworten, denn eine Verbindung zwischen Daniela und Adaline ist bis auf dieselben Buchstaben im Namen nicht wirklich gegeben und mit welchem Ziel der eine oder andere böse Wicht zuwerke geht, leuchtet ebenfalls nicht ein.

Hauptdarstellerin Jill Evyn hält die Chose mit einer angenehmen Präsenz noch einigermaßen beisammen, die Kamera ist zuweilen recht ambitioniert und ein paar Szenen auf dem Dachboden zeugen von Sinn für eine bedrückende Stimmung. Das reicht allerdings beileibe nicht, um aus ein paar vagen Ideen einen über 96 Minuten ansprechenden Gruselthriller zu basteln, sondern böte eher Stoff für einen Kurzfilm.
3,5 von 10

Details
Ähnliche Filme