Review

Stephen Kings „It“ ist in der Erstauflage ein fast 900 Seiten dicker Wälzer. Da stellt sich die Frage, wie soll man so was überhaupt verfilmen? Herausgekommen ist ein Film, den man in zwei große Kapitel unterteilen kann.


1957 in Derry. Ermordet wird der kleine George Denbrough an einem Gully aufgefunden. Nicht der erste Kindermord in der Kleinstadt Derry. Immer wieder, genauer alle 27-28 Jahre scheint es so, als ob eine fremde Macht über Derry hinwegzieht und Kinder umbringt, so auch 1957. Eine Gruppe von „Verlieren“, Bill Denbrough (der Bruder von George), Richie Tozier, Eddie Kaspbrak, Beverly Marsh, Ben Hanscom, Stan Uris und Mike Hanlon, nehmen als Kinder den Kampf gegen „Es“ auf. Was „Es“ ist, kann niemand genau sagen. Oft tritt „Es“ in der Verkleidung des Clowns Pennywise aka Bob Gray (Tim Curry) auf. So treten die sechs gegen „Es“ in der Stadtkanalisation an. Sie besiegen „Es“, doch schwären sie, sie werden wiederkommen, wenn „Es“ jemals wieder auftaucht.
Genau 27-28 Jahre später werden in Derry wieder Kinder brutal ermordet, Mike Hanlon, mittlerweile Bibliothekar, zögert nicht lange und trommelt seine Freunde zusammen. Fast alle kommen und müssen wieder gegen „Es“ antreten. Wieder steigen sie hinab in die Kanalisation...


Unter normalen Umständen kann dieser Film nichts werden, denn dafür ist das Buch von Stephen King einfach zu groß, zu dick, zu viele Inhalte gibt es. Würde man „Es“ nach dem Buch verfilmen, so müsste man ein ebenso großes Epos verfassen, wie es Peter Jackson mit „Herr der Ringe „ geschafft hat. Dieses Buch galt auch als unverfilmbar. Aber wir reden hier von ganz anderen Dimensionen. So ist „Es“ nur ein TV-Film mit einer Länge von knapp drei Stunden, der nur Bruchteile des Buches wiedergeben kann.
Im Buch gibt es Dutzende Zeitsprünge, Einzelerzählungen, Gruppenerzählungen, Zeitungsausschnitte etc. pp. All dies kann man im Film natürlich nicht erwarten, so setzt der Film auch „nur“ auf zwei große Schwerpunkte.

Wirklich gelungen ist der Teil mit den Kindern, die zum ersten Mal auf „Es“ treffen. Hier fühlt man sich wirklich wieder an das Buch erinnert, auch hier gibt es einzelne Zeitsprünge. Die Darsteller der Kinder wurden meiner Meinung nach ausgezeichnet gewählt und passen wirklich sehr gut zu den Charakteren im Buch. Hier hat der TV-Film seine stärkste Phase, wenn wir mit den Kindern unterwegs sind und diese „Es“ jagen.
Leider ändert sich das Bild ein wenig, sobald man auf die erwachsenen Charaktere trifft. Hier flacht die Story schon ein wenig ab und das große Finale wirkt nur noch recht billig und passt sich nicht dem Buch an, was aber Fairerweise gesagt werden muss, dass es einfach nicht möglich ist, dies 1:1 zu übernehmen.
Sehr gut ist jedoch Tim Curry in der Rolle des Clowns Pennywise. Curry, von der Natur aus her mit einem relativ großen Mund und hämischen Grinsen ausgestattet, passt hervorragend in das Clownskostüm und verbreitet so Angst und Schrecken, besonders noch unter den Kindern. Andere bekannte Gesichter gibt es auch, wie z.B. der mittlerweile leider verstorbene John Ritter. Dennoch laufen die Kinderdarsteller den Erwachsenen hier den Rang ab.

Natürlich wurde der Film nicht nur inhaltlich drastisch gekürzt, sondern auch effektmäßig. Explizite Szenen gibt es gar nicht, es wird immer recht früh abgeblendet, um so gar nicht in Versuchung zu kommen, mehr zu zeigen. Wer auch hier das Buch kennt weiß, wie brutal die Romanvorlage doch ist. Während man im film nur noch die Fratze von Pennywise sieht, wenn er sich den jungen George packt, so wird ihm im Roman der komplette Arm abgerissen. Solche Szenen gibt es auch zuhauf, denn viele Personen, die im Buch brutal umgebracht werden, tauchen im Film erst gar nicht auf.

So muss man den Film unter zwei Aspekten sehen. Betrachtet man nur den Film, so bekommt man wirklich 2 Stunden einen wirklich hervorragenden TV-Film geboten, der sich um die Kinder dreht und einen mäßigen Schluss mit den Erwachsenen, den man ungefähr eine Stunde ertragen muss, wenn man es grob überschlägt. VDie größte Abweichung zwischen Film und Buch treten dann natürlich gegen Ende auf. Natürlich stimmt das Ende mit dem des Buches inhaltlich überein, doch im Film glaubt man einfach nur, dem Regisseur wäre nichts anderes eingefallen, als uns Es als eine Art Spinne zu präsentieren. Dies ist natürlich falsch, denn auch im Roman ist Es gegen Ende ein Spinne. Wobei man hier schon wieder aufpassen muss, von welchem Ende man spricht. Um den Spannungsaufbau im Buch zu halten, laufen die Enden von 1958 und 1985 parallel nebeneinander her, im Film ist dies nicht der Fall. Auch unterscheiden sich beide enden im Buch praktisch nicht, natürlich mit einer großen Ausnahme, dass Es nicht tot ist, anno 1958.
Im Film gibt es leider ein anderes Ende mit den Kindern, welches man sich wohl aus welchem Grund auch immer selber ausgedacht hat.
Was aber komplett weggelassen wurde, ist das überaus komplexe Ende der Romanvorlage, das im Film gar nicht vorkommt. Namentlich das Ritual von Chüd. In diesem alten Indianerritual wird dem Gegenüber auf die Zunge gebissen, sich z.B. gegenseitig Witze erzählt. Wer trotzdem unter den großen Schmerzen lacht, hat verloren. In dieser Form (hier aber weitaus phantastischer) läuft auch der finale Kampf. Auch die geheimnisvolle Schildkröte, die das Universum erschaffen hat, taucht hier auf, im Film auch hier keine Spur.
Da erkennt man schon, wie der Film auch vereinfacht wurde, was aber natürlich ist. Wenn man wirklich alle expliziten und wichtigen Stellen verfilmt hätte (jeder weiß, King schwafelt auch gerne ein bisschen, um den Roman vielleicht noch länger zumachen), so hätte der Film wohl eine Laufzeit, die locker an „Herr der Ringe“ rankommen würde. Des weiteren bleibt die Frage, ob man wirklich alles, was in dem Buch hervorkommt, überhaupt verfilmen könnte. Neben den, wie schon gesagt, sehr brutalen und daher auch graphischen Szenen, aber auch im sexuellen Bereich gibt King so einiges preis, ist Es auch eine kleine Phantasiewelt, die erst mal erschaffen werden müsste. Daher wird man wohl für immer dabei bleiben müssen: Wer Es richtig genießen will, kommt an dem Buch nicht vorbei.



Fazit: Sicherlich hat man mit diesem TV-Film alles das gezeigt, was möglich war. An das Buch kommt der Film natürlich nicht im geringsten heran. Daher mein Tipp: Wer den Film schon toll fand, muss unbedingt das Buch lesen, denn nur dort verbreitet „Es“ seinen vollkommenen Schrecken und man erfährt wirklich alles über den Club der Verlierer.

Details
Ähnliche Filme