Vor 30 Jahren wurden sieben Freunde in der Kleinstadt Derry mit dem Bösen in Form des Clowns Pennywise und ihren tiefsten Ängsten konfrontiert und glaubten, diesen Schrecken besiegt zu haben, doch 30 Jahre später ist "Es" zurück und die Freunde stellen sich erneut dem Grauen.
Mit Filmen, die weit über zwei Stunden laufen, habe ich oft so meine Probleme, da sich bei solchen Laufzeiten meist unweigerlich Längen einschleichen. Die Verfilmung zu Stephen Kings Roman "Es" dagegen läuft ganze drei Stunden und ein Gefühl der Langeweile stellt sich bei mir, obwohl ich den Streifen jetzt schon mehrfach gesehen habe, zu keiner Zeit ein, im Gegenteil, von mir aus könnte das Ganze ruhig noch länger gehen.
Die Geschichte läuft auf zwei Zeitebenen ab. Zum einen bekommt man das erste Zusammentreffen der sieben Freunde, deren Erlebnisse und die Begegnung und Bekämpfung von "Es" in den 50er Jahren zu sehen und zum anderen "Es"s Rückkehr 30 Jahre später, woraufhin die nun erwachsenen Kumpels erneut zum Kampf gegen das Böse blasen. Die Erzählstruktur hierbei ist nicht linear und es kommt immer wieder zu geschickten Rückblicken in die Kindheit der Protagonisten, wodurch die Handlungsweisen der Erwachsenen erklärt werden und ein stimmiges Gesamtbild entsteht.
Äußerst gelungen sind die Figuren der sieben Freunde, die besonders großartig von den Kinderdarstellern (u.a. Seth Green und Emily Perkins), aber auch von den erwachsenen Schauspielern (u.a. John Ritter, Tim Reid und Annette O'Toole) zum Besten gegeben werden. Die Vorstellung und die Vertiefung der einzelnen Charaktere ist meiner Meinung nach perfekt, denn die Figuren werden ausführlich und vielschichtig eingeführt. So schließt man sie schnell in sein Herz, man kann ihre Ängste sehr gut nachvollziehen und man fiebert mit den siebenköpfigen Klub der Verlierer regelrecht mit, sei es, wenn sie sich mit den typischen Kindheitsproblemen wie dem prügelnden Vater, der oberstiefmütterlichen Mama, der ersten zaghaften Liebe, dem Verlust von Familienmitgliedern, eigenen körperlichen oder psychischen Auffälligkeiten, der fiesen Rockerbande und Ängsten herumplagen müssen. Alle sieben Kinder sind durchweg sympatisch und kümmern sich rührend umeinander und ich denke, jeder wird unter ihnen mindestens eine Figur entdecken, mit der er sich identifizieren kann und/oder ähliche Dinge in seiner Kindheit erlebt hat.
Mit dem Clown Pennywise, der von Tim Curry verkörpert wird, hat die Horrorfilmwelt einen faszinierenden Bösewicht gewonnen. Clowns an sich haben für viele Menschen eine unheimliche Wirkung und Pennywise spielt die Angst glänzend aus. So zeigt er einerseits seine lustige Seite in Form der farbenfrohen Kleidung, den bunten Luftballons und einigen Späßchen auf den Lippen, aber diese Friedlichkeit schlägt dann schnell ins Böse um und sorgt für viele unheimliche Situationen und Schreckensbilder. Was es genau mit dem Clown auf sich hat, erfährt man im Film nicht und das Ende mit der Riesenspinne ist nicht ganz schlüssig, aber man weiß, dass Pennywise die Ängste der Menschen verkörpert, alle 30 Jahre wieder auftaucht, nur von den "Befallenen" gesehen wird und die gewisse Art der Unwissenheit verleiht der Figur noch mal einen besonderen Reiz. Bei der Verbreitung des Schreckens stehen im scheinbar endlose Möglichkeiten zur Verfügung, denn wie Freddy Krueger in den Alpträumen kann Pennywise nach Belieben sein Äußeres ändern (z.B. Werwolf, Mumie oder alte, blutschlürfende Frau), jederzeit plötzlich Auftauchen und Angst über veränderte Gegenstände (z.B. fiese Überraschungen in Glückskeksen oder blutgefüllte Luftballons) verbreiten.
Bei den Effekten griff man auf Handgemachtes zurück. So gibt es schöne Masken, ein paar Stop-Motions, einige Puppentricks und etwas Kunstblut. Bei den Tötungsszenen hält man sich angenehm zurück. So wird niemals gezeigt wie Pennywise seine Opfer umbringt, denn die Kamera blendet vorher dezent ab, was sich meiner Meinung nach gut macht, denn der Film legt keinen Wert auf Splattereffekte, sondern verbreitet Unbehagen schon allein durch die gruselige Grundstimmung.
Insgesamt ist "Es" ein bestens funktionierender Horrorfilm, der dank seiner sauber gezeichneten Figuren, dem wirklich beeindruckenden Bösewicht und der gelungenen Umsetzung über die gesamte Laufzeit in Form von gruseligen, aber auch schönen Szenen zu unterhalten weiß und es somit mit auf die Liste meiner Lieblingsfilme geschafft hat.