Review

"Es" ist quasi so etwas wie ein Aushängeschild für den Horrorautor Stephen King und zählt mit Recht zu seinen besten Romanen. Da man schon mit "Christine, Cujo, Carrie" und auch "Friedhof der Kuscheltiere" horente Erfolge verbuchen konnte, nahm man sich auch den 1200 Seiter "Es" vor. Jedoch nicht in Form eines Kinofilms, sondern einer zweitteiligen TV-Produktion. Lawrence D. Cohen (Carrie - Des Satans jüngste Tochter, Ghost Story) und Regisseur Tommy Lee Wallace (Fright Night II, Halloween III) setzten den verschachtelten Roman in ein Screenplay um, wobei der Leser zu Recht behaupten darf, dass einige Elemente zu kurz kommen. Trotzdem hätte man es im Endeffekt nicht viel besser machen können.

Bill Denbrough (Richard Thomas), Ben Hanscom (John Ritter), Richie Tozier (Harry Anderson), Eddie Kaspbrak (Dennis Christopher), Beverly Marsh (Annette O´Toole) und Mike Hanlon (Tim Reid) treffen sich nach dreissig Jahren wieder. Zusammen mit Stanley Uris (Richard Masur), der jedoch Selbstmord beging, bildeten sie im Jahr 1960 den Club der Verlierer und vernichteten das Böse in Gestalt des Clowns Pennywise (Tim Curry). Nun wird die Kleinstadt Derry wieder von grausamen Kindermorden heimgesucht, daher trommelte Mike seine damaligen Freunde zusammen. Im Kindesalter leisteten alle einen Schwur zurückzukehren nach Derry, sollt das Böse wieder sein Umwesen treiben. Erneut stellen sie sich dem ungleichen Kampf und treffen dabei auch auf ihren damaligen Erzfeind Henry Bowers (Michael Cole).

Bei Stephen King standen neben dem Horror schon immer die Charaktere im Mittelpunkt. Selten hat ein Autor so intensiv herausgearbeitete Figuren zu bieten, "Es" ist da ein Musterbeispiel. Auch die Verfilmung bekommt das wirklich gut gebacken und Wallace muss den Fokus wahrlich nicht auf wenige Figuren richten. Wir lernen den Klub der Verlierer gleich als Erwachsene kennen, jeder erinnert sich an die Geschehnisse im Jahr 1960 und das erste Zusammentreffen mit Pennywise. So setzt sich das damalige Geschehen langsam zusammen und alle Charaktere werden ausführlich durchgearbeitet. Natürlich hat Wallace hier kaum die Chance so ins Detail zu gehen wie King, aber im Endeffekt wird der Großteil abgearbeitet. Nur der Geschichte mit den Unglücken in Derry, welche alle dreissig Jahre passieren, der hätte man mehr Aufmerksamkeit widmen müssen. Dies wird nur am Rande abgewickelt, ist aber dennoch wichtig, obwohl daraus keine plausible Erklärung für das Auftauchen von Pennywise resultiert. Es handelt sich hierbei einfach um das Böse, welches in Clownsgestalt die Kinder von Derry bestialisch ermordet. Doch nur Kinder können "Es" sehen und haben diese furchtbaren Visionen, die "Es" erzeugt. Etwas plump wirkt nur die Platzierung mit dem Foto von Georgi, Bills Bruder der auch von Pennywise ermordet wurde. Eigentlich will "Es" ja den Klub der Verlierer von Derry fernhalten, doch so weiss Mike gleich Bescheid und trommelt alle zusammen.

Wallace erweist sich hier als großartiger Handwerker, das knappe Budget ist nur an einigen Effekten zu sehen. Aber die Spannungsschraube wird kontinuirlich angedreht, die gelungenen Gruseleffekte sind gut platziert. Dabei kommt man stets ohne Goreeinlagen aus, Wallace blendet immer sehr früh weg. Es funktioniert auch ohne literweise Kunstblut, doch ein bisschen mehr Härte hätte "Es" in keinster Weise geschadet. Doch die Grusel- und Ekeleffekte fabrizieren eine Gänsehaut beim Zuschauer, besonders an das Anglitz von Pennywise wird man sich lange Zeit erinnern. Der spielt seinen Widersachern üble Streiche in Form von schrecklichen Visionen und nimmt die Gestalt von dem an, wo man am meisten Angst davor hat. Auch die Kulissen sind Wallace durchweg gelungen, obwohl sich das heutige Derry nicht sonderlich vom damaligen unterscheidet. Doch wie üblich, schlüpft das Grauen durch die Hintertüre und sucht sich eine abgelegene Kleinstadt aus. Besonders die unheimliche Kanalisation kann hier hervorstechen, dank der tollen Musikuntermalung von Richard Bellis hat man eigentlich immer eine Gänsehaut. Und auch wenn die Grenzen des Budgets manchmal deutlich ersichtlich sind, so hat man nicht an glaubwürdigen Darsteller gespart. Mit Annette O´Toole (Nur 48 Stunden, Katzenmenschen), John Ritter (Der Makler, Stay Tuned) und Seth Green (Old Dogs, Trouble ohne Paddel) sind auch bekannte Gesichter an Bord. Unschlagbar ist allerdings Tim Curry (Die Drei Musketiere, Scary Movie 2) als Pennywise.

Durchweg gelungene Verfilmung des genialen Stephen King Romans, auch wenn die Grenzen des Budgets schnell ausgereizt sind. Aber spannend ist das Ganze auf jeden Fall, die Darsteller agieren glaubwürdig und Wallace platziert die Effekte stets richtig. Für eine TV-Produktion erstaunlich gut.

Details
Ähnliche Filme