„Stephen Kings Es“ ist eine für eine TV-Produktion sehr gut gelungen, aber es gibt doch bessere Verfilmungen seiner Werke.
Derry ist an sich eine sehr beschauliche Kleinstadt in den USA. Doch als ein kleines Mädchen vom Spielen heimkommt, trifft es auf den bösen Clown Pennywise (Tim Curry) – die Mutter findet nur noch den Leichnam der Tochter. Der Bibliothekar Michael Hanlon (Tim Reid) ist verstört, als er ein altes Foto eines vor 30 Jahren ermordeten Kindes findet. Damit beginnt der Film recht gruselig, wobei Pennywise hier überraschend aggressiv vorgeht, wenn sich den Rest des Films anschaut.
Mike informiert nach und nach seine alten Freunde, dass Es wieder da ist: Den Architekten Ben Hanscom (John Ritter), den Romanautor und Drehbuchschreiber Bill Denbrough (Richard Thomas), den schüchternen Chauffeur Eddie Kaspbrak (Dennis Christopher), die Designerin Berverly Marsh (Annette O'Toole), den Entertainer Richard 'Richie' Tozier (Harry Anderson) und den Anwalt Stanley Uris (Richard Masur). „Es“ nimmt sich viel Zeit für seine Charaktere, sodass die Einführung zwischen einem Drittel und der Hälfte dieser 180-Minuten-Verfilmung einnimmt – doch derartige Aufmerksamkeit für die Charaktere ist ja ein bekanntes Stilmittel bei Stephen King.
Die sieben Leute verbindet nämlich etwas: Sie sind alle gemeinsam in Derry aufgewachsen und waren Freunde. Doch vor 30 Jahren hatten sie bereits eine Konfrontation mit Pennywise und müssen nun zurück, um einen Schwur von damals einzulösen: Gemeinsam den bösen Clown endgültig besiegen…
Eine wirklich außergewöhnliche Sache bei „Es“ ist die sehr gute Charakterzeichnung, denn dies ist auch ein typisches Merkmal, das die Romane Stephen Kings so beliebt macht. So werden die Charaktere so ausführlich wie es geht eingeführt und gewinnen recht viel Profil. Zudem kann man weder anhand der Besetzung noch anhand der Art, wie man die Charaktere zu Beginn kennen lernt, direkt sagen, wie groß die Überlebenschancen der einzelnen Figuren sind. So ist der Einführungspart schon sehr fesselnd und übertrifft sogar den Horrorpart – ähnliches war ja auch bei der letzten King-Verfilmung „Dreamcatcher“ zu beobachten.
Die Geschichte an sich ist aber auch nicht schlecht und weist ein paar interessante Ideen auf (z.B. die Parallelen in den Begegnungen mit Pennywise in der Kanalisation), ist aber etwas formelhaft. Vor allem die Einführung läuft immer nach ähnlichem Schema ab: Figur als Erwachsener, Rückblende: erst Einführung der Figur in jungen Jahren und dann eine Begegnung des Kindes mit Pennywise. Doch dies ist nicht schlecht, denn die Geschichte wird konsequent weitererzählt und kleinere Logikfehler sind auch zu verzeihen (warum z.B. hinterlässt Pennywise ein Bild des getöteten Georgie, wo er seine Bezwinger von damals doch von Derry fernhalten will?). Ein paar Erklärungen wären auch ganz nett, denn innerhalb des Plots vom absolut Bösen, das eine Kleinstadt alle Jubeljahre heimsucht, gibt es viele Storys, aber es gibt keinen speziellen Grund für die Gräueltaten, sondern Es ist einfach böse und mordlustig.
Die Übergriffe von Pennywise sind relativ spannend gestaltet, müssen sich aber auch etwas Kritik vorhalten lassen. Zum einen erinnern viele seiner surrealen Angriffe doch sehr an die „Nightmare on Elm Street“-Filme, zum anderen wirkt er nicht immer so bedrohlich. Das erste Opfer wird fast auf offener Straße gemacht, das zweite muss schon arg überredet werden, damit es in die Falle geht und die Kiddie-Hauptfiguren können ohne große Anstrengung den Fallen des Clowns entgehen. Auch die Tatsache, dass es sich um eine TV-Produktion handelt, geht auf Kosten des Nervenkitzels: Die Schockeffekte sind nett, aber nicht allzu aufwühlend und jedes Mal, wenn Pennywise ein Opfer kriegt, wird so früh weggeblendet, dass es nicht so recht gruselig sein mag. Doch ansonsten ist das Ganze handwerklich ordentlich gemacht: Die Atmosphäre ist schön gruselig und schummerig, die Locations (Kanalisation, Schulkeller usw.) sind stimmungsvoll, Pennywise ist vom Make-Up her gut zurecht gemacht und auch die sonstigen Effekte (z.B. das Skelett aus dem Wasser) können sich sehen lassen.
Die Darsteller sind für eine TV-Produktion wirklich gut, wobei vor allem Tim Curry sich als Pennywise ordentlich austobt. Die restlichen Darsteller stecken da aber nur geringfügig zurück und keiner den anderen aussticht. Dies liegt auch am Verzicht auf große Namen, lediglich John Ritter und Seth Green dürften etwas bekannter sein (wobei letzterer ja erst später mehr Aufmerksamkeit bekam).
So bleibt ein unterhaltsames Gruselstück mit sehr gut ausgearbeiteten Charakteren, aber zum großen Meisterwerk hapert es doch an der Story und der Nervenkitzel könnte auch höher sein.