Kontemporärer Trash – THE ASYLUM (9)
ALIEN CONVERGENCE
(ALIEN CONVERGENCE)
Rob Pallatina, USA 2017
Und damit zu einem weiteren Film aus der kalifornischen Ramschbude „The Asylum“. Dort hat man mit dieser Produktion wieder einmal den zentralen Aspekt der Firmenstrategie verfolgt, denn Alien Convergence ist ein sortenreiner Mockbuster – konkret zu Ridley Scotts Großprojekt Alien: Covenant, dessen Premiere etwa fünf Wochen vor dem Erscheinen des hier betrachteten Asylum-Streifens in London gefeiert wurde. Dass Rob Pallatinas Billignachbau inhaltlich rein gar nichts mit seinem „Vorbild“ zu tun hat, gehört dabei zum Geschäft – Hauptsache, der Titel lädt zum Verwechseln ein.
Gaira Observatory, Crestline, California: Der an den Rollstuhl gefesselte Astronom Ben Robbins entdeckt gemeinsam mit seinem einzigen Mitarbeiter drei Meteoriten (beziehungsweise zunächst einmal Meteoroiden), die sich physikalisch nicht ganz korrekt verhalten und Kurs auf Nordamerika nehmen. Der erste von ihnen schlägt kurz darauf in einem Elektrizitätswerk ein, der zweite in einem Kernkraftwerk und der dritte in eine Ölraffinerie. Das kann nun wirklich kein Zufall sein ...
Anderenorts, etwas genauer gesagt irgendwo in der Wüste bei Victorville, California, ist derweil unsere Heldin Emma Harper bei der Arbeit. Die durch einen Absturz traumatisierte Ex-Superpilotin der Army hat eine Neuro-Steuerung für Fluggeräte entwickelt, dank derer man Letztere allein durch Geisteskraft steuern kann, und testet nun mit einem Team körperlich gehandicapter Mitstreiter ihre Erfindung. Als es zu einem totalen Stromausfall kommt, sorgt sie sich um ihren Vater und macht sich mit dem Jeep auf den Weg zu seiner Arbeitsstätte. Nach einigen Problemen trifft sie schließlich bei ihm ein – und wir dürfen darüber staunen, dass es ... Ben Robbins in seinem Observatorium ist! Kaum aber haben sie sich begrüßt, da sind Emma und Ben auch schon in allerfeinste Vater-Tochter-Zwistigkeiten verwickelt, deren Fortführung nach einer ganzen Weile verschoben werden muss, da die Tochter zurück zu ihrem untätig in der Wüste ausharrenden Team möchte. Und so trennen sich die familiären Wege vorerst wieder.
Kurz darauf lässt das Skript dann auch die Katze oder besser gesagt drei außerirdische Drachen aus dem Sack – die nämlich hatten sich in den Meteoriten versteckt (wie einstmals King Ghidorah bei der Tōhō ...) und machen sich jetzt Feuer speiend über Kalifornien her, um hernach, so darf vermutet werden, ihren Vernichtungsfeldzug über den ganzen Erdball fortzusetzen. Das Rätsel ihrer Herkunft löst erstaunlicherweise Ben, der nicht nur Astronom, sondern scheinbar auch Exobiologe ist und nach einem beiläufigen Blick durch ein kleines Schulmikroskop erklärt, dass er in einer Materialprobe aus dem Einschlagskrater „elementare und isotopische Bestandteile marsianischen Ursprungs“ gesehen habe (!) ... Als einer der Marsdrachen in der Nähe von Emma und ihrem Team in einen Kampf mit zwei Düsenjägern verwickelt wird, stellt man weiterhin fest, dass sich der Außerirdische überschnell bewegen kann und damit bei Menschen Schwindel und Kopfschmerzen auslöst. Durch den Helm der Neuro-Steuerung betrachtet, ist er jedoch in Normalgeschwindigkeit zu sehen und somit besser beziehungsweise überhaupt erst einmal bekämpfbar. Davon ausgehend fühlt sich Emma selbstredend zur Weltrettung berufen und düst mit ihren Leuten zum nächsten Army-Stützpunkt, um dem dortigen Befehlshaber klarzumachen, wie von nun an der Alien-Bekämpfungs-Hase zu laufen hat. Schön wäre es nur, wenn man noch einen begabten Piloten hätte ... aber halt: Es gibt doch Ben Robbins, und der ist nicht nur familienstressgeplagter Vater, Astronom und Exobiologe, sondern auch ein erfahrener und hoch dekorierter Ex-Pilot! Und so beeilt sich Emma, ihn um Hilfe zu bitten und damit sowohl das Ende des marsianischen Drachenpacks als auch ihrer innerfamiliären Differenzen einzuläuten ...
Es gibt eine Sequenz, die diesen Streifen und seine Schlampigkeit sehr schön beschreibt: Ben macht sich nach dem erwähnten Treffen mit Emma allein auf den Weg zur Einschlagstelle des ersten Meteoriten und eiert nach einem harten Cut mit seinem Rollstuhl mitten in der Wüste herum (wie mag er wohl dorthin gekommen sein?), wo er auf den nicht allzu großen Krater stößt. Der Einschlag fand allerdings, wie eingangs zu sehen war, mitnichten in der Wüste statt, sondern vielmehr in einem dicht bebauten Industriegebiet (das erwähnte Elektrizitätswerk, laut Einblendung in Palmdale, California!). Nicht minder befremdend (beziehungsweise erheiternd) ist ferner der Umstand, dass der Krater nicht etwa vom Militär abgeschirmt und von Wissenschaftlern, Reportern und Schaulustigen belagert wird, sondern unter dem Schutz eines einsamen Polizisten steht – außer ihm gibt es weit und breit keinen einzigen Menschen. Sehr schön, wirklich.
Darüber hinaus ist hier allerdings nur noch vereinzelt irgendetwas schön. Alien Convergence zeichnet sich durch ein erhebliches Missverhältnis zwischen „Action“- und Dialogszenen aus und gerät dadurch phasenweise arg langatmig – wenn nicht gar ärgerlich: Kaum schaut einmal ein Marsdrache kurz um die Ecke, sind auch schon wieder Vater und Tochter zur Stelle und werfen der Handlung Knüppel zwischen die Beine, indem sie aufreizend ausführlich ihre verkorkste Beziehung aufarbeiten. An der jedoch (und das musste auch Skriptautor Marc Gottlieb wissen) hat niemand, der sich in einen Film wie Alien Convergence verirrt, auch nur für einen Cent Interesse. Dass mit einer solchen Zeitschinderei Geld und Mühe eingespart werden sollen, ist natürlich klar und nicht nur im gegebenen Preissegment gebräuchlich, aber hier ist das Ausmaß des vorwiegend sinnfreien und lästigen Geredes doch sehr augenfällig – selbst im Vergleich mit anderen Asylum-Produktionen, von denen die Mehrheit über ein hohes (und gern sogar zu hohes) Tempo verfügt und auf taktisches Zeitspiel verzichten kann.
Im Fall von Alien Convergence kommt erschwerend hinzu, dass viele der Dialoge unter einem unangenehm militärischen Tonfall leiden – in diesem Punkt (und ehrlich gesagt auch in den meisten anderen) hat mich der Streifen sehr stark an seinen Asylum-Bruder Atlantic Rim erinnert, in dem ein ähnlich abstoßendes verbales Posing betrieben wird. Mit anderen Worten: Es ist über weite Strecken kein Vergnügen, hier dabei zu sein und dem Treiben einer Horde wenig einnehmender Weltretter beizuwohnen. Nicht einmal die Möglichkeit, eine Lanze für gehandicapte Menschen zu brechen, greift das Skript auf – aber gut, das wäre dann von einer Asylum-Gurke doch etwas zu viel verlangt. Gnade kann Alien Convergence demnach nur noch aus dem Blickwinkel ausgewiesener Schundliebhaber finden, die sich an allerlei inhaltlichem Unfug und einigen lächerlichen Trickeffekten erfreuen dürfen – obgleich die Freude über Letztere nie länger als ein paar Sekunden währt.
Damit sind wir bereits bei der Optik – Alien Convergence kommt im üblichen TV-Format und mit einer grundsätzlich tadellosen Bildqualität daher, geht jedoch im tricktechnischen Bereich erwartungsgemäß in die Knie. Die Meteoriteneinschläge beziehungsweise generell Flammen und Explosionen bewegen sich dabei noch auf dem gewohnten Asylum-Niveau (sind also einfach nur mies), aber die Mars-Drachen wirken regelrecht hingemurkst: Abgesehen von ihrem einfallslosen Design (schließlich sollte Alien Convergence doch Alien-Science-Fiction und keine Mittelalter-Fantasy sein!) und einem teilweise seltsam metallischen Aussehen zeichnen sie sich vor allem dadurch aus, dass sie stocksteif durch die Luft fliegen – außer ihren Flügeln bewegt sich nichts (meine Güte, wie oft habe ich das auch schon zu den alten Tōhō-Monstern geschrieben ...). Dass sie damit für so manchen Lacher gut sind, versteht sich von selbst.
Angesichts der Darsteller vergeht einem das Lachen allerdings recht schnell wieder, wobei die Verantwortung vorrangig in den Händen von Stephen Brown als Bob und Caroline Ivari als Emma liegt. Beim Erstgenannten bereiten vor allem die Sympathiewerte Probleme: Er macht durchweg einen überaus mürrischen Eindruck und zieht so immer wieder die Stimmung in den Keller – dass er mit dieser Vorstellung in gewisser Weise den Erfordernissen seiner Rolle entspricht, soll unbestritten sein, aber er wirkt, als könne er auch über alle beruflichen Erfordernisse hinaus nie etwas anderes sein als mürrisch, und das ist unangenehm. Caroline Ivari ist ihrerseits keineswegs unangenehm, hat allerdings das Pech, in einer für sie reichlich ungeeigneten und generell latent nervenden Rolle gefangen zu sein – sie gibt sich Mühe, aber die obercoole Superheldin will man ihr nie abnehmen, wozu in der vorliegenden deutschen Sprachfassung auch eine etwas zu piepsige Synchronstimme beiträgt.
Die übrigen Mitwirkenden bewegen sich derweil allesamt in einem Bereich, den man nur noch mit viel Wohlwollen als Mittelmaß bezeichnen kann – ich will das an dieser Stelle einmal tun, da sie’s nicht böse meinen. Den Score verdanken wir zu guter Letzt den Asylum-Stammkomponisten Chris Ridenhour und Chris Cano, wobei ihre gelegentlichen Mitstreiter Mikel Shane Prather und Eliza Swenson für etwas „Additional Music“ verantwortlich sind (so differenziert‘s der Abspann) und somit die ganze Bande vereint ist. Was letztlich dabei auf die Beine gestellt wurde, ist durchaus beachtlich – zumindest gibt es eine Reihe angenehm ruhiger Elektronik-Passagen, die sich sehr deutlich vom mitunter allzu monotonen und uninspirierten hauseigenen Dauergedudel unterscheiden.
Den Film als Ganzes kann dies aber nur noch höchst bedingt aufwerten – Alien Convergence ist selbst im Kontext seiner Leistungsklasse ein schwacher, erstaunlich öder und schludriger Billig-Sci-Fi-Monsterheuler, der nicht die geringsten Anstalten macht, ebendies wenigstens hier und dort zu verbergen. Zu allem Übel erschien er mir infolge seiner soldatischen Attitüde auch noch relativ unsympathisch, und das ist für einen Asylum-Streifen, der ja gewissermaßen schon genetisch bedingt einen Haufen anderer Probleme mit sich herumschleppt, verheerend. Zum Glück sorgt etwas unfreiwillige Komik für den einen oder anderen Lacher – die hat dieser Streifen freilich auch bitter nötig, um selbst aus der Sicht des Trash-Fans überhaupt noch als akzeptabel durchzugehen. Auch bei mir war’s knapp – ich denke, ohne ein paar hirnverbrannte Highlights wie die Blitz-Identifizierung von „Bestandteilen marsianischen Ursprungs“ wäre Alien Convergence in der Rubrik Zeitverschwendung gelandet. So aber sei diesem Plunder der Gefallen getan, ihn ohne weiteren Kommentar zu verabschieden.
(09/21)
Objektiv 3 von 10 Punkten.