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Das Wichtigste zuerst. Baobhan Sith, der Titel (und die Hauptfigur) des Filmes, wird wie folgt ausgesprochen: baa'-van shie. Wer hätte das gedacht (Schotten ausgenommen)? Die Baobhan Sith ist eine weibliche Abart der Vampire aus der schottischen Mythologie und Sagenwelt. Die bösartige, meist in Waldgegenden anzutreffende Elfe ernährt sich von Blut, welches sie bevorzugt jungen, durchs Land reisenden Männern abzapft. Dabei öffnet sie die Hälse mit ihren scharfen Krallen, da sie keine spitzen Eckzähne besitzt. Aufgrund der hellen Farbe ihrer Bekleidung, entweder weiß oder grün, ist sie auch als "White Fairy" bzw. "White Woman of the Scottish Highlands" bekannt. Wie ihre Artverwandten scheut sie das Sonnenlicht. Filmemacher David William Hutchison griff nun diese Sagengestalt auf und verhalf ihr zu Leinwandehren (sein Film lief bzw. läuft auf diversen Festivals). Baobhan Sith ist Hutchisons Baby. Er schrieb das Drehbuch, führte Regie, produzierte und schnitt den Film, und arbeitete darüber hinaus noch beim Set Design und an den Spezialeffekten mit. Leider streift Hutchison diese durchaus faszinierende Mythologie nur oberflächlich und nutzt sie bloß als Vorwand für eine immerhin recht unterhaltsame und angenehm exzentrische Horrorkomödie.

Der schräge Plot dreht sich um die Dokumentarfilmerin Senga Sutherland (Janet de Vigne), die zusammen mit ihrer Tochter Freya (Larah Bross) auf eine kleine schottische Insel gelockt wird, wo angeblich eine äußerst seltene Pflanze namens "Bog Bloater" wächst. Das ist zwar nicht gelogen, aber der wahre Grund, weshalb sie wirklich auf der Insel benötigt wird, wurde ihr vom Gutsherrn Jeremiah Clate (Greg Drysdale) verheimlicht. Dessen Frau Belinda (Joanna Kaczynska) wurde nämlich aufgrund eines Fluches, der seit langem auf dem Geschlecht der Clates lastet, in eine Baobhan Sith verwandelt und wird von Jeremiah im Haus gefangen gehalten. Mit durchwachsenem Erfolg, liegt ihre Opferzahl inzwischen doch weit jenseits der Fünfzig. Allerdings sind Jeremiah und sein Sohn Ivor (Daniel Campbell) auf eine Möglichkeit gestoßen, wie man den Fluch brechen kann. Es geht im Prinzip darum, einen bereits begonnenen, amateurhaften Horrorstreifen fertig zu stellen, der eine ganz bestimmte Szene enthalten muß. Wenn ebendiese Szene dann noch von gewissen Leuten gesehen wird, sollte sich alles wieder zum Guten wenden. Also machen sich Senga und Freya an die Arbeit, dürfen sie die Insel doch erst wieder verlassen, wenn ihre Aufgabe erledigt ist.

Beim Schreiben des Drehbuchs ließ sich Hutchison ein klein wenig von der wahren Geschichte des südkoreanischen Regisseurs Shin Sang-ok und dessen Ex-Frau Choi Eun-hee inspirieren, die 1978 nach Nordkorea verschleppt wurden, um für Kim Jong-il Filme zu drehen (der bekannteste davon ist zweifellos der Godzilla-Klon Pulgasari). Diese Grundidee vermengte er dann mit der schottischen Mythologie, reicherte sie großzügig mit Humor an und kurbelte den Film dann über einen Zeitraum von drei Jahren für weniger als zehntausend Pfund on location in Assynt, Fife, Edinburgh und East Lothian runter. Filmemachen ist Hutchisons Leidenschaft, welcher er neben seinem regulären Beruf nachgeht, weshalb man Baobhan Sith eigentlich als Amateurfilm klassifizieren müßte. Das "Problem" ist nur: Der Streifen ist viel zu gut gemacht und wirkt nur in einigen wenigen Momenten amateurhaft. Klar springt dem Zuschauer das kaum vorhandene Budget bisweilen schmerzhaft ins Auge, aber dieser negative Aspekt wird abgefedert, weil Hutchison sein Handwerk durchaus versteht. Ja, der Mann hat Talent, und dieses Talent blitzt im Film immer mal wieder auf. Insbesondere die Verquickung von Horror und Humor funktioniert erstaunlich gut und sorgt für so manchen Schmunzler. Aber auch die unkonventionelle Musikauswahl gefällt.

Weitere Pluspunkte gibt es für die ungewöhnlichen Schauplätze, an denen sich die Story entfaltet. Die schroffe Küstenlandschaft, die mysteriösen Menhire, die alten, pittoresken Gebäude, das sind eindrucksvolle Schauwerte, die den Film gehörig aufwerten. Und wenn man ein Herz für preisgünstig produzierte B-Movies hat, sollte man auch an den drolligen Spezialeffekten Gefallen finden. So verwandeln sich die nett geschminkten Baobhan Siths nach ihrem Tod in schwarze, schattenhafte Rauchwölkchen, die rasch verwehen. Ein besessenes Hühnchen (welches mit einem Vibrator bekämpft wird) sowie ein klein wenig Gore runden den kurzweiligen Spaß ab. Erwähnenswert ist noch, daß der Film-im-Film aufgrund seiner unbekümmerten Beklopptheit die Lachmuskeln reizt, nicht zuletzt dank der schrägen Maske des Monsters, die wohl nicht mal Kleinkinder erschrecken dürfte. Und die Figuren sind allesamt ziemlich kauzig; die haben alle einen leichten Knacks weg. Baobhan Sith ist eine amüsante, ambitionierte und recht originelle Horrorkomödie, der man die Leidenschaft, mit welcher die Macher zu Werke gegangen sind, jederzeit ansieht. Und doch wünscht man sich, Hutchison wäre tiefer in die Mythologie eingetaucht, wäre mutig eigene Wege gegangen und hätte die im Drehbuch steckenden Ideen besser ausgearbeitet. Das Ergebnis mag zwar mehr als zufriedenstellend sein, aber da wäre so einiges mehr drinnen gewesen.

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