Review

Knapp 25 Mio. Dollar kostete „Julius Caesar“, diese deutsch-internationale Co-Produktion, die die Geschichte des römischen Feldherrn und Herrschers Julius Caesar erzählen und aufleben lassen sollte, und im Kontrast zu vielen anderen TV-Produktionen kann man eines vorweg nehmen:
Hier hat sich die Investition soweit mal gelohnt.

Regie – Routinier Uli Edel ( „Die Nebel von Avalon“, „Body of Evidence“ ) beweist Klasse und Fingerspitzengefühl bei der Inszenierung des Fernsehepos, das sich stark an den Klassikern wie „Quo Vadis“ orientiert und in Sachen Umsetzung qualitativ problemlos mit dem neueren spektakulären Ridely-Scott – Schwachsinn „Gladiator“ mithalten kann.

Komplett auf Malta gedreht, können sich Kulissen, dargestellte Orte und die aus dem Computer gezauberten Menschenmassen in Triumphzügen und Schlachtengetümmel wirklich sehen lassen.

Etwas arg überhastet wirken Handlung und Charakterisierungen, auch eine Lauflänge von 170 Minuten erscheint angesichts der Komplexität des historischen Stoffes wohl zu knapp bemessen; aber dennoch entfaltet der Film durch das Potential der gekonnten Dramaturgie genügend Tiefe.

Während die erste Hälfte dieses ambitionierten Historienstreifens Caesars Vorgeschichte durchhastet, breitet sich die Handlung im zweiten Teil auf epischer Breite aus und zeigt uns, wenn auch hier hin und wieder etwas zu überhastet, die Schlacht gegen die Gallier, den Zug nach Rom gegen Cato und Pompeius, das Bündnis mit Cleopatra und Caesars Tod durch das geplante Attentat der von Cassius und Brutus geführten Senatoren.
Dazu kommen über den ganzen Film verteilt akzeptabel konzipierte und zum Glück nicht nervige Happen Romantik.

Die tatsächliche Historie dient hier zwar als elementare Grundlage, aber nicht selten wird die Geschichtsschreibung ( schon anfangs bei der einseitigen und nicht sehr wertneutralen Darstellung Sullas und dessen Tod, aber öfters auch im folgenden ) den filmischen Erfordernissen angepasst, wenn nötig mit dem bekannten Holzhammer; das stört vielleicht eingefleischte Historiker, dem filmischen Erlebnis tut es aber keinen großen Abbruch, da hier ja auch nichts elementar umgedeutet wird.

Ist man als Zuschauer im ersten Filmteil noch etwas skeptisch aufgrund mancher schnellen Sprünge in Charakterentwicklung und Handlung ( wie gesagt, leider mit eine der bestimmendsten Schwächen des Werks ) und den irgendwie unangebracht-überflüssigen epileptischen Anfällen Caesars, weiß spätestens die großangelegte und professionell getrickste und inszenierte Schlacht um Alesia zu begeistern ( hier kommt für einige Momente so eine Art „Helms Klamm“ – Feeling auf... ), danach überzeugen die episch dargestellte Kapitulation Vercengetorix’, der Feldzug gegen Cato und Pompeius, Catos Freitod unter dem Einfall des Caesarenheeres sowie die gekonnt vorbereitete und umgesetzte „Hinrichtung“ Caesars an den Iden des März ( hm, sollten die Zeitlupen-Tauben über dem Forum-Romanum eine kleine John-Woo-Hommage sein...? ).

Sehr ambivalent gestaltet sich das in einem Projekt wie diesem sehr immanenten Bild der Besetzung:
Hier liegt das wohl größte Manko des Films begraben:
Tragende Rollen wie die des Julius Caesar selbst ( Jeremy Sisto spielt schwach, gewinnt aber gerade im zweiten Teil an Klasse und ist noch der „beste unter den schlechten“ ), Marcus Antonius, Brutus und Cassius ( Tobias Moretti ist überhaupt aber auch einfach ein derbe schlechter und zu überschätzter Darsteller ) sind leider krass fehlbesetzt;
sehr positiv punkten können dagegen exzellente Nebendarsteller wie Chris Noth als Pompeius, Valeria Golino als Calpunia, Christopher Walken als Cato und natürlich Richard Harris in seiner letzten Rolle als Sulla.
Die bei weitem beste schauspielerische Leistung finden wir hier aber bei Heino Ferch, der die Rolle des gallischen Häuptlings Vercengetorix mit lobenswerter Präsenz und großer Klasse verkörpert.

Ein weiteres Lob muss an den sehr hörenswerten Soundtrack gehen, der durch Choräle und orchestrale Töne die Epik des Werks maßgeblich mitträgt, auch wiederum v.a. in der zweiten Hälfte.

Fazit:
„Julius Caesar“ ist ein ambitioniertes und für die Verhältnisse einer TV-Produktion sehr gelungenes Historienepos, das v.a. im zweiten Teil an erzählerischer und inszenatorischer Kraft gewinnt und sich mit einigen Hollywood-Produktionen mühelos messen kann, aber insgesamt sehr unter der gehasteten Gedrungenheit des Stoffes und noch mehr unter einem elementaren Besetzungsmalus einige tragende Rollen betreffend leidet.
Dennoch: Sehr sehenswert!

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