Vorschrieben sollte ich, dass ich von dem hier dargebotenen Film wirklich positiv überrascht wurde.
Im Bereich der Historienfilme findet sich leider sehr viel Schund (betrachtet aus den Augen eines Historikers). Einiges von diesem Schund sind dann aber doch (aus dem Auge des Filmfreunds) gelungene Unterhaltungsfilme vor historischer Kulisse oder gar Fantasiefilme, die sich nur historischer Elemente bedienen.
Julius Caesar ist historisch weitgehend akkurat erzählt und hält sich an vieles was uns aus Quellen überliefert ist. Letztendlich kann man als Historiker ohnehin nur den Versuch einer akkuraten Darstellung machen auf Basis dieser Quellen machen. Es war schließlich niemand live dabei und auch die Quellen müssen kritisch gesehen werden.
Vorwerfen würde ich dem Film, dass er etwas braucht um in die Gänge zu kommen; gerade im ersten Drittel gibt es einige Längen. Inhaltlich kommt mir (obwohl ich selbst ein glühender Verehrer von Cäsar bin) Cäsar zu gut weg; er war zweifelsohne ein brilianter Feldherr und muss großes Charisma gehabt haben, da er bei Truppen wie bei dem Volk sehr beliebt war. Aber es gibt etliche Punkte im Film wo ich der Darstellung Cäsars (die sicher auch von Cäsar-Fans extra so postiv angelegt wurde und damit er als Indentifikationsfigur für den Film funktioniert) widersprechen würde; so kommen z.B. gerade seine Liebschaften viel zu gut weg (als wäre er diese nur zum Wohle Roms eingegangen).
Man darf wohl mit Fug und Recht sagen, dass der historische Cäsar ein "Hurenbock" war. Ich bitte diesen Ausdruck zu entschuldigen, aber er trifft es doch ganz gut. Cäsar war sich selbst für eine Affäre mit dem König von Pontus (Cäsar muss offensichtlich bi gewesen sein) nicht zu schade (die ihm viel Macht und Reichtum brachte), die Affäre mit Celopatra (mit der er anders als im Film suggeriert mal eben fast ein Jahr auf Sextour war) war da nur die Spitze des Eisberges. Man verstehe mich nicht falsch; ich kreide diese Dinge Cäsar nicht persönlich an. Er war auch in der Liebe offenkundig ein cleverer Feldherr, der angenehmes mit nützlichem perfekt verbinden konnte. Nur sollte man diese Dinge eben nicht unter den Teppich kehren. Cäsar als liebender Ehemann darzustellen, wie im Film immer mal wieder versucht, funktioniert so nicht.
Gut gefallen hat mir dagegen die Darstellung von Vercingetorix, wenngleich ich mich auch hier mit den Reaktionen Cäsars nicht anfreunden kann. Im Film wird Cäsar so dargestellt als zwinge nur das Volk ihn dazu den Feind im Triumphzug vorzuführen und er selbst bedaure dies. Dies widerspricht meinen Kenntnissen: Cäsar war sehr auf diesen Triumphzug erpischt, da er ihn propagandistisch brauchte und ohne den Anführer der besiegten Feinde wäre es nicht das Selbe gewesen. Cäsar war generell sehr auf seinen Ruhm bedacht und wir können davon ausgehen, dass er es Vercingetorix durchaus übel genommen hatte, dass er ihn partiell militärisch in Bedrängnis gebracht hat und somit seine politischen Ambitionen auch für kurze Zeit gefährdet hatte. Also selbst wenn er persönlichen Respekt vor Vercingetorix militärischem Geschick hatte (was ich mir durchaus vorstellen kann), so glaube ich nicht, dass der echte Cäsar Tränen über ihn vergossen hat oder gar ernsthaft darüber nachgedacht hat seinen eigenen Triumph zu schmälern indem einen Vercingetorix einen Tod durch eigene Hand gewährt. Tatsächlich hat Cäsar ihn buchstäblich im Gefängnis verrotten lassen und dies sicherlich auch etwas aus Rache.
Auch hier wird mir Cäsar zu edel und zu mitfühlend dargestellt. Ich glaube an Hand dem was wir über ihn wissen nicht, dass er so war. Cäsar war ein charismatischer Machtmensch, dem für wenig der Skrupel fehlte. Der Marsch auf Rom war ja nicht nur Reaktion auf seine Feinde sondern auch Ausdruck von Cäsars unbedingtem Willen zur Macht.
Gelungen erscheint mit dagegen die Darstellung des Brutus. Dessen Motivik kommt hier sehr gut heraus und diese habe ich selten so klar gesehen. Brutus erscheint als sehr stolzer, partiell kluger und loyaler Mensch, der aber sehr stark beeinflussbar ist und sich auch von Gefühlen schnell leiten lässt. Eine tolle Darstellung und auch vom Drehbuch her sehr schön angelegt.
Kritisieren kann man sicherlich die Darstellung des Sullas, der zweifelsohne ein gewisser Wegbereiter Cäsars war indem er die Republik weiter ausgehöhlt hat. Fakt ist aber, dass Sulla nie so weit ging wie Cäsar. Ihn wie im Film geschehen als totalen Tyrannen darzustellen geht weit über das hinaus, was uns über Sulla überliefert ist. Somit gehört gerade die Darstellung des Sullas leider zu den ahistorischeren Teilen des Filmes, die mehr dem Spielfilmcharakter Rechnung tragen
Grundsätzlich sind viele Dialoge in diesem sehr langen, aber guten Film, gut und durchdacht, was dann auch die langen Passagen zwischen der Aktion sehenswert macht.
Natürlich sind hier Schwerpunkte gelegt und man wird sicher über vieles streiten können. Schon an meinen oben ausgeführten (eigentlich kleinen Kretikpunkten) kann man sehen über was man alles in diesem Film diskutieren könnte.
Man muss den Film aber als großes Gesamtwerk sehen, als ein Versuch Cäsars Biografie sinnvoll und einigermaßen historisch in einen Spielfilm zu gießen und dieser Versuch ist meines Erachtens gelungen.
Voraussetzung ist, dass man sich eben auf diese 3 Stunden einlässt und nicht erwartet hier Hollywoodaktionblabla aller Gladiator (ein sehr schlechter Historienfilm, aber ein sehr unterhaltsamer Spielfilm) zu bekommen. Diesen überragt er zum Glück um Lichtjahre was den (historischen) Anspruch angeht.
Julius Cäsar liefert neben vielen brauchbaren Darstellern auch gute Schauwerte und öfter auch einen schönen Soundtrack und kann somit auch in diesen Bereichen punkten.
Historien- und speziell Romfreunden kann ich den Film guten Gewissens ans Herz legen und vergebe gute 7,5 Punkte.