Review
von Leimbacher-Mario
Kaiserhit
Arthouse und Splatter - zwei Gegensätze, die sich kaum vereinen lassen? Denkste! „Baby Blood“ aus Frankreich packt diese ungewöhnliche Kombo geschickt in den Mixer - und heraus kommt ein feministisches Porträt einer Dame in... Gedärmen?! Erzählt wird von einer jungen Frau und Wuchtbrumme (dargestellt von der extrem attraktiven, körperlichen Emmanuelle Escourrou), in die ein mysteriöser, mörderischer, glitschiger „Wurmfortsatz“ rutscht. Und das ist wortwörtlich zu verstehen! Denn dieser intrigante Eindringling lässt die sinnliche Maid nun nicht nur schwanger und oft etwas angeturnt erscheinen - er befiehlt ihr auch etliche Männer zu ermorden, bis er ausgewachsen „schlüpfen“ und zurück ins Meer will...
Ein Parasit auf Abwegen. „Baby Blood“ erinnert manchmal an eine Mischung aus „Inside“ und „Santa Sangre“. Ein bizarrer Wandler zwischen den Welten. Schlachtplatte mit Voice Over, Tentakeldebakel. Exotisch und europäisch. Obskures, metaphorisches Horrorkino zwischen Vagina und Verzweiflung, zwischen Uterus und Bluterguss, zwischen G-Punkt und Wahnsinn, zwischen Lovecraft und der Kunst der Liebe. Ein Plazentabeben der intimeren Art. Besser im französischen O-Ton als der englischen Sprachausgabe gucken. Ein Symbiose des Todes. Kaiserschnitt gone wrong. Die Stimme aus der Mitte. Ein ozeanischer Unruhestifter. Nicht immer klar und deutlich - aber in sich geschlossen und unverdrossen.
Fazit: eine bizarre, künstlerisch überlegene Mischung aus „Prevenge“, „Brain Damage“ und einer französischen Ausstellung über offene Muttermünder und Entbindungen in Großaufnahme. Sehr seltsam, sehr anstrengend, sehr fies, sehr sehenswert. Kopfkinoexzellenz. Zumindest mit den richtigen Erwartungen.