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Wer aufgrund der neuen Ernsthaftigkeit und Düsternis der 007-Reihe die albernen over-the-top-Bonds der Roger Moore-Ära vermisst, der darf im zweiten KINGSMAN-Abenteuer voll und ganz seiner Retro-Sehnsucht fröhnen. Es ist alles dabei: Ebenso unsinnige wie ideenreiche High-Tech-Gadgets, ein perfider Bösewicht (m/w) mit tödlichen Haustieren, sexy Ladies (und die wohl am wenigsten subtilste Platzierung eines Peilsenders ever), unnötig verschwenderisch ausgestattete Sets sowie dynamische Fightchoreographien und verrückte Verfolgungsjagden, die neue Actionmaßstäbe setzen – sogar ein Seilbahnstunt inklusive Fallschirmpointe ist vorhanden.

Schade nur, dass es zwischen all dem höchst beeindruckend inszenierten Krawall und Schauwert nichts zu erleben gibt: KINGSMAN – THE GOLDEN CIRCLE ist mehr noch als sein Vorgängerfilm eine leere, emotionslose Hülle ohne Story, Emotion, Charme, ja ohne wirklichen Spaß. Darüber können auch die geradezu obszön verheizten Gaststars nicht hinwegtäuschen. Man kann als Schauspieler noch so gut und charismatisch sein – wenn man kein ordentliches Drehbuch und keinen echten Charakter hat, bleibt alles eine Pose.

So bleiben tatsächlich nur die knalligen Actionszenen in Erinnerung, die mit ihren einfallsreichen Choreographien wirklich begeistern können, darunter der Kampf im fahrenden Auto während einer Highspeed-Verfolgungsjagd gleich zu Beginn, die 007-Hommage am Mont Blanc sowie der ausgedehnte Finalkampf mit einem erstaunlich lustigen Elton John, der sichtlich Freude daran hatte, auf seine alten Tagen nochmal die Sau rauszulassen und der rasante Showdown zur Word up-Version von The BossHoss (!).

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