kurz angerissen*
Schon dem ersten Teil konnte man an der hoch stehenden Nase ablesen, dass ein etwaiger Nachfolger wohl kaum mehr Substanz bieten würde, dafür aber noch bunter, noch spektakulärer und noch übertriebener sein würde. Und als habe man es kommen sehen: Wenn es 2017 eine Fortsetzung gab, die alle Klischees über Fortsetzungen hundertprozentig zuverlässig in sich vereinte, dann war es wohl "Kingsman 2: The Golden Circle".
Nicht nur bewegt sich die Handlung weit weg von den in harten Kontrasten abgebildeten britischen Klassenunterschieden zwischen Königshaus und Sozialbau, die maßgeblich waren für die hohe Dynamik, sie bewegt sich überhaupt weg vom Britischen und kollidiert unweigerlich mit Platzhirsch Amerika, so als könne der amerikanische Stolz es nicht ertragen, eine Filmreihe ganz ohne durchs Bild hüpfende Cowboys fortschreiten zu sehen. Der "Whiskey" droht den "Whisky" zu verdrängen, das "Yee-Haw" das "Yes" und der neue Feind (voll drauf: Julianne Moore) lebt das "American Graffiti" in all seinen Pink- und Türkistönen. Auch "Kingsmen" bemühte eine globale Perspektive, diesmal jedoch wird die Amerikanisierung des Britischen zum Gag-Prinzip erklärt - mit mäßigem Ergebnis.
Hatte "Kingsman" wenigstens noch ein paar ungewohnte Härten und überraschende Wendungen zu bieten, werden diese für "The Golden Circle" in bunten Plastikkugeln versiegelt und achtlos in ein Bällebad geworfen. Nicht, dass der Ton deswegen possierlicher geworden wäre. Das Drehbuch schreckt nicht einmal vor aufgezwungenem Kannibalismus zurück, doch es presst solche für den Mainstream bisweilen grenzwertigen Themen in wohlbehütete Schemata, die bereits bis zur Ermüdung in jeder vorstellbaren Weise durchdekliniert wurden. Gut, Elton John in Kampfpose zu erleben, das ist ungefähr so obskur wie eine Eule bei Mondschein mit dem Kopf nach unten auf einem Ast hocken zu sehen, es bleibt aber beim platten Gag für die Massen. Da kann man - gerade mit Blick auf Mark Strong als Nebendarsteller - genauso gut auf "Der Spion und sein Bruder" zurückgreifen, der zumindest noch einen Hauch richtiger Anarchie in sich trug, etwas, das "The Golden Circle" nur noch behauptet und nicht mehr verkörpert.
Wo ursprünglich durch die Plattenbau-Umgebung noch ein gewisser Zugang vorhanden war, da hat die Ironie inzwischen Distanz zu allem geschaffen. Taron Egerton und auch der zurückgekehrte Colin Firth sind nahtlos versiegelte Wachspuppen, die sich durch surreale Best-Of-Charlie's-Angels-Martial-Arts-Szenen seilen. Deren Over-The-Top-Faktor soll im Sinne von "Bigger, Better" suggerieren, dass die Fortsetzung besser ist als das Original. Versteht sich von selbst, dass das nur Wunschdenken bleibt.
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