Eher überraschend erschien nach dem Ende der Hatchet-Trilogie (2006 - 2013) dann doch noch mal ein weiterer, vierter Teil, diesmal schlicht nach der Hauptfigur Victor Crowley benannt. Ein weiteres Franchise des Splatter&Gore-Klamauks nach bekanntem Muster, der sich "Old School American Horror" auf die Fahnen geschrieben hat? Mitnichten, denn Regisseur Adam Green hat sich durchaus Gedanken gemacht: Obwohl der halbe Film wieder im bekannten Honey-Island-Sumpf spielt, heißt der heimliche Hauptdarsteller diesmal Andrew Yong, mit dessen Rolle diesmal vor allem die Medienlandschaft inklusive Vermarktungsmechanismen aufs Korn genommen werden...
Andrew Yong (Parry Shen, der in allen drei vorherigen Teilen mitspielte) ist - so will es das Drehbuch - also der Einzige, der Crowleys Massaker überlebt hat. 10 Jahre danach will der zurückhaltende Asiate dieses Kapitel seines Lebens allerdings als abgeschlossen betrachten, wäre da nicht seine außergewöhnlich geschäftstüchtige Agentin, die über die Geschehnisse von einst per Ghostwriter ein Buch hat schreiben lassen, das Yong nun am zehnten Jahrestag in einer Talkshow präsentieren soll - einer typischen Klatsch&Tratsch-Talkshow, die zu allem Überfluss von seiner früheren Frau Sabrina (Krystal Joy Brown) moderiert wird. Sabrina, die wie alle Talkshow-Moderatorinnen der Quote hinterherhechelt, nutzt die Gelegenheit, ihren Ex nach Strich und Faden zu verarschen und zu diskreditieren - denn die öffentliche Meinung in den Staaten ist keineswegs von der Existenz eines Victor Crowley überzeugt und manche halten Yong für den eigentlichen Mörder. Dies bekommt der Buchautor wider Willen auch in der anschließenden öffentlichen Signierstunde zu spüren, die seine Agentin arrangiert hat: Es grenzt schon an Realsatire, wie diese Agentin auftritt und vor allem, wer & was da alles zur Autogrammstunde kommt und welche Körperteile Yong signieren soll...
Schwer genervt beschliesst Yong, dem ganzen Trubel den Rücken zu kehren - was er jedoch nicht durchhält, als ihm seine Agentin ein (selbstverständlich erstunken und erlogenes) 1-Million-Dollar-Angebot macht: Nochmals für ein Filmprojekt zurückzukehren zum Honey-Island-Sumpf - der inzwischen übrigens von geschäftstüchtigen Leuten zu einer touristischen Attraktion umgewandelt wurde, inklusive größenwahnsinniger Z-Promis und eines gerade angereisten white-trash-Filmteam-Trios, das weder einen Plan und noch weniger Kohle hat, sich aber mit Yong als Zugpferd Sponsorengelder sichern will. Im Privatjet am Weg zum Sumpf ist auch seine Ex-Frau Sabrina inklusive Entourage und weiter geht das muntere Spielchen mit gegenseitigen Vorwürfen. Da der Jet jedoch abstürzt (dreimal darf man raten, wo) müssen sich die Überlebenden retten, und jetzt, ja erst jetzt kommt unser titelgebender Held Victor Crowley wieder ins Spiel und darf seine Metzelshow abziehen und einen nach dem anderen aus dem havarierten Flugzeugrumpf holen. Die deutlich sparsamer gesäten Splatter-Effekte sind auch diesmal wie gewohnt derb und "old school" handgemacht (die Pfählung mit eigenem Arm und Handy dabei sogar etwas Neues), und wenn es am Schluß dann doch gelingt, Meister Crowley unschädlich zu machen, ist immer noch kein Ende abzusehen, denn wie wir alle wissen, ist er ja ein Wiedergänger - Fortsetzung also (wie üblich) nicht ausgeschlossen...
Aufgrund der Tatsache, daß in diesem vierten Teil wesentlich mehr Wert auf ausgefeilte(re) Dialoge gelegt wurde und das für die ersten drei Teile stilbildende Metzeln sich nur auf eine Szene am Anfang und dann erst wieder gegen Ende und Schluß des Films beschränkt, werden die Freunde des Sumpfmonsters mit dieser 2017er Ausgabe vermutlich nicht sonderlich zufrieden sein, stellt diese doch in der Tat ein vollkommen anderes Film-"Konzept" dar als in den bisherigen Teilen gewohnt und nimmt sich mittlerweile schon selbst an überhaupt keiner Stelle mehr ernst. Gerade dieser Aspekt dieses vierten Teils, der wohl eher als Medien-Persiflage mit vereinzelten Splatter-Einlagen zu bezeichnen ist, weiß auf seine Weise jedoch sehr gut zu unterhalten. 7 Punkte.