Wilddruden, Rumpelwichte, Dunkeltrolle und Graugnome, - Schwedens Wälder stecken voller Überraschungen und da Astrid Lindgren einst weniger in der nordischen Mythologie herumstocherte, bringt Regisseur David Bruckner den Jötunn ins Spiel.
Das Ergebnis erinnert an eine Mischung aus „Blair Witch Projekt“ (ohne Wackelkamera) und „American Werewolf“ (ohne Werwolf).
Ein halbes Jahr nachdem ihr Kumpel Robert bei einem Raubüberfall getötet wurde, beschließen die Freunde Luke, Phil, Hutch und Dom dessen letzten Wunsch zu befolgen und unternehmen eine gemeinsame Wandertour in Nordschweden. Als sich jemand am Knie verletzt, nehmen die vier eine vermeintliche Abkürzung durch den Wald aus dem es möglicherweise kein Entkommen gibt…
Der britische, fast ausschließlich in Rumänien gedrehte Film versprüht früh eine beklemmende Stimmung, welche bereits beim tödlichen Überfall einsetzt. Während Robert im Laden sogleich ins Visier zweier rücksichtsloser Junkies gerät, versteckt sich Luke hinter Regalen und muss tatenlos zuschauen, wie sein Kumpel erschlagen wird, woraufhin er fortan von Schuldgefühlen geplagt wird. Dieses Trauma trägt Luke latent mit sich herum, was in einigen Szenen gekonnt visualisiert wird, indem sich Wald und Laden auf einer Ebene vermengen.
Trübe Farben, Regennächte, Gewitter und leichte Zwists unter den Figuren sorgen für eine gedrückte Stimmung, was durch den effektiven und zumeist angenehm zurückhaltenden Score sehr zielsicher unterstützt wird. Der Schrecken wird derweil eher subtil angedeutet. Zunächst nur mit Runen an Bäumen, später durch kollektive Alpträume und vermeintliche Visionen.
Zuweilen wähnt man einen Schatten erspäht zu haben und ist im Endeffekt nicht wissender als die vier, die möglicherweise vor dem zurückschrecken, was sie zu hören oder zu sehen glauben.
Allerdings benötigen die vier doch recht lang, um außergewöhnliche Aktivitäten als solche auszumachen. Denn sofern es sich nicht um einen tontechnischen Regiefehler handelt, ist zu keiner Zeit Vogelgezwitscher wahrzunehmen und ein frischer Tierkadaver zwischen Bäumen hängend ist selbst in Schweden nicht unbedingt Brauch.
Interessant ist allerdings die Frage, was infolge von Schuldgefühlen zutage tritt, denn dieser Aspekt durchzieht die Handlung bis zum Schluss.
Im letzten Drittel ist es leider ein wenig dahin mit dem angedeuteten Horror, als die Bedrohung deutlichere Konturen annimmt und weitere Instanzen mitmischen.
Die dazugehörigen Effekte sind jedoch optisch ansprechend in Szene gesetzt und entschädigen ein wenig für die leicht plump anmutende Auflösung.
Darstellerisch ist alles im grünen Bereich, inszenatorisch ebenfalls, nur mangelt es zwischenzeitlich an Ereignissen, die fernab von Vermutungen ein wenig mehr Spannung aufkommen lassen. Im Wald werden einige ausgetretene Pfade beschritten, was phasenweise eher durch das glaubwürdige Zusammenspiel der Figuren Abwechslung erhält.
Dennoch ein ansehnlicher, über weite Teile erfreulich zurückhaltender Horror aus Brexit, dessen Titel durchaus doppeldeutig betrachtet werden kann.
6,5 von 10