Eine Herrenpartie auf Abenteuertrip in den schwedischen Wäldern verläuft sich in jenen und wird dabei nach bekanntem Muster dezimiert - so der Plot eines neuen Wald-Horrorstreifens bei netflix. Was sich nach dem typischen Backwood-slasher anhört, entpuppt sich bei näherem Hinsehen aber als ordentlich aufgezogener Grusel, der den Vergleich mit wrong turn und Konsorten nicht scheuen muss.
Die britische Produktion, nach Drehschluss vom Streaming-Riesen eingekauft, baut behutsam einen Spannungsbogen auf, der sich langsam aber sicher steigert und in einem eher überraschenden Finale endet. Eine ordentliche Kameraführung, die auch in den spannendsten Momenten wohltemperiert genau das zeigt, was der Zuseher zu diesem Zeitpunkt sehen soll (und nicht mehr) tragen genauso ein angemessener Score zu einem kurzweiligen Horror-Vergnügen bei.
Die vier Freunde, eigentlich sind es fünf, setzen ihr lange beschlossenes Vorhaben, in Skandinavien zu zelten, in die Tat um. Ihr fünfter Mann, der bei einem Überfall an einer Tankstelle recht unvermittelt sein Leben lassen mußte (zur falschen Zeit am falschen Ort sozusagen) hatte die Location vorgeschlagen - ihm zu Ehren und zum Gedenken macht sich das Quartett also auf. Weil ein Mitglied jedoch unter akuter Laufunlust (angeblich Knieprobleme) leidet, nimmt man eine vermeintliche Abkürzung, mit der allerdings nicht alle einverstanden sind - hier zeigen sich erste Risse in der ansonsten eingeschworenen Gruppe. Die Figurenzeichnung ist ausreichend genau, könnte jedoch noch etwas mehr differenzieren - derjenige, den man zu Beginn am stärksten eingeschätzt hat und dessen Überlebenschancen am besten zu sein schienen, muß schon bald das Zeitliche segnen.
Für die unheimlichen Erlebnisse welche die Gruppe im Wald erfährt, wurden ein paar neue Ideen verwendet - ohne allzuviel verraten zu wollen, handelt es sich erfreulicherweise nicht um irgendwelche Hillbillies, die in den undurchdringlichen Wäldern hausen und nach Schema F die Gruppe dezimieren, stattdessen entwickelt sich The Ritual in Richtung Mythen, Göttersagen und Tier-Horror. Sehr schön graphisch herausgearbeitet auch die Gewissensbisse, die einen der Freunde von Zeit zu Zeit überkommen, wenn er sich in seiner Angst an seine Rolle beim eingangs erwähnten Tankstellenüberfall erinnert.
Leichte Abzüge mag man am Schluß für eine gewisse CGI-Grafik vermerken, auch wird das Verhalten einiger Waldbewohner für meinen Geschmack nicht ausreichend erhellt - interessant wäre es allemal, auch im Hinblick auf deren Existenz, hier nimmt The Ritual einige Anleihen bei The Village – Das Dorf. Dennoch bleibt ein sehr positiver Eindruck eines ohne größere Logiklöcher straight durchgezogenen Horrorstreifens, den man auch ein zweites Mal anschauen kann. 7 Punkte.