kurz angerissen*
2001 wurde "Jeepers Creepers" zum Überraschungserfolg und übertrug das Erbe von Stalker-Filmen wie "Duell" oder "The Hitcher" ebenso wie „Joy Ride“ aus dem gleichen Jahr auf die neue Generation. Es handelte sich immer noch Early-Twen-Horror, maßgeschneidert nach amerikanischen Legenden. Man verlagerte ihn jedoch aufs Land, dorthin, wo dich niemand schreien hört. Die potenziellen Opfer wurden über die komplette Laufzeit getrennt von ihrem gewohnten sozialen Kontext begleitet - keine Parties, keine idiotischen Kumpels, einfach nur ein junges Geschwisterpaar auf der staubigen Landstraße und ein geflügelter Dämon, der ihnen an der Klette hängt. Gina Philips und Justin Long wirkten verglichen mit dem Standard-Kanonenfutter regelrecht smart in dieser bedrohlichen Situation. Ausnahmsweise führte die Furcht einmal nicht dazu, dass man die Darsteller wie Hühner ohne Kopf im Kreis flüchten ließ; sie waren diesmal dazu in der Lage, sich gegen den übernatürlichen Gegenspieler mit Einfallsreichtum zur Wehr zu setzen. Dass diese Rezeptur stellenweise sogar im Sequel mit einem Bus voller Footballspieler aufgehen sollte, ist schon ziemlich bemerkenswert.
"Jeepers Creepers 3" trifft nun mit gehöriger Verspätung ein, wenn man nach den Marktregeln argumentiert, oder viel zu früh, wenn man die 23 Jahre zum Maßstab nimmt, die sich das Monster laut Story zwischen seinen Mahlzeiten als Urlaub genehmigt. In jedem Fall aber kommt es nicht zur richtigen Zeit zum richtigen Ort - und das spürt man am zerfahrenen Drehbuch, das verzweifelt nach einem Weg sucht, die nach wie vor äußerst merkwürdige Vampir-Abart in ein neues Handlungsgerüst zu integrieren.
Dabei ist Original-Regisseur Victor Salva sehr darauf bedacht, die Markenzeichen der Reihe zu pflegen, verschenkt die guten Ansätze aber auf vielfältige Weise. Die wildwüchsigen Hügellandschaften Louisianas ergeben ein fotogenes Setting, werden aber beinahe vollständig in Tageslicht getaucht und verzichten damit freiwillig auf spannende Deutungsspiele im Zwielicht, welches leider nur in Übergängen zum Einsatz kommt (und praktisch nie in Anwesenheit des Monsters, das stattdessen bei grellem Tageslicht völlig entmythisiert wird). In Gabrielle Haugh findet Salva einen optischen Ersatz für Philips (die zumindest ein Cameo absolvieren darf), nur dass der noch sehr jungen Darstellerin leider das Ripley-Gen ihrer Vorgängerin fehlt. Am Wichtigsten jedoch: Die Waffen und Fallen der Kreatur mögen effektvoll in der Handlung ausgestreut sein (die Auftaktszene etwa, in der sich argwöhnische Polizisten dem abgehalfterten Fahrzeug von außen nähern, erinnert auf makabre Weise an jene Momente aus der TV-Serie "Knight Rider", in der sich neugierige Passanten dem sprechenden Auto näherten und von ihm eine Lektion erteilt bekamen), was aber fehlt, ist die Essenz des Originals: Ein klar abgestecktes Szenario und das unerbittliche Gefühl von "He's coming for you!".
Immerhin gibt es wieder ein paar ästhetisch gefilmte Zeitlupen-Actionsequenzen und Bildaufteilungen (Wurfstern, Motocross-Flucht, Sprung Richtung ballernde MG) und auch manch seriengetreue Comiceinlage (gequetschter Augapfel). Auch wenn es nur die Oberflächenreize sind, die man als gelungen bezeichnen kann, so verhindern sie immerhin, dass die Reihe in die tiefsten Niederungen absackt.
*weitere Informationen: siehe Profil