’Why are you doing this?’
‘You killed my family.’
Wer die anhaltende, wenn nicht sogar zu neuen Höhenflügen (Ehrenoscar für das Lebenswerk, Kassenrekorde im prosperienden Filmland China) erstrebende Karriere von Jackie Chan in den letzten Jahren verfolgt hat, wird eine eigentlich erstaunliche und erstaunlich vielfältige Mischung aus Neu und Alt, aus der Weiterführung von kommerziell zugkräftigen Originalen in Form von Neuaufgüssen und Sequels, und eben auch aus normalerweise frischen Wegen erkennen. Ebenso wie eine Mixtur aus bis dato unbekannten oder neu mit ihm zusammen arbeitenden gestandenen Regisseuren und der Übernahme vom 'Chef' selber, wobei aus theoretisch vielversprechend klingenden Projekten und der Verantwortung von erfahrenen Filmemacher bisher eigentlich immer nur eins als Endergebnis herausgekommen ist: Nämlich eine Enttäuschung, und eine weitere Kerbe in der fast schon fest stehenden Behauptung, dass mit Chan (nunmehr schon über 60) heutzutage nichts mehr anzufangen ist; zumindest von der Qualität her, der Kommerz selber funktioniert dafür blendend.
Versucht und die Zähne ausgebissen an der Paarung des kleinen Mannes mit der großen Nase und dem markanten, auch charakteristischen Profil, der tatsächlich Neues bisher immer scheute und sich selber als abenteuerlustiger Kinderonkel nur in anderen Setting spielt, haben sich bis dato u.a. Ding Sheng und Renny Harlin, Daniel Lee und Stanley Tong, wobei die Meisten davon sicherlich im Auftrag angeheuert wurden und entsprechend auch nur die Auftragsregisseure, die Marionetten, die Handwerker für den bekannten Namen sind. Die Produktion von The Foreigner selber ist erstmalig aus der Komfortzone hinaus, ist nicht nur ein britisch(-chinesisch)er Actionthriller alter Schule, sondern auch ein modernes Rachestück über den gestandenen Recken, der es notgedrungen und trotz rüstigen Alters und schmerzender Knochen noch einmal wissen muss und aus Vergeltung heraus es auch noch einmal wissen will und wie es (vermeintlich) Taken vorexerziert hat und seitdem vermehrt mit eher der älteren männlichen Generation kurz vor dem Renteneintritt ausprobiert wird.
Als Fan [ Katie Leung ], die Teenagertochter vom früheren Vietnam War Special Forces Operator und jetzigen Restaurantbesitzer Ngoc Minh Quan [ im Buch Nguyen Ngoc Minh genannt: Jackie Chan ] während eines Bombenanschlags inmitten von London getötet wird, verliert dieser den letzten Rest seiner Familie und den Halt im Leben. Der die Hintergründe ermittelnde Commander Richard Bromley, Leiter des Counter Terrorism Command kann dem trauernden und nach Antworten suchenden Mann keine weiteren Informationen und somit etwas Erlösung bieten, da er außer der Reklamierung des Attentates per Telefon durch die so genannte "Authentic UDI" selber nichts weiß. Quan wendet sich deswegen an Liam Hennessy [ Pierce Brosnan ], einen ehemaligen IRA Mitglied und jetzigen Irish Deputy Minister, der ihn allerdings ebenso abweist und tatsächlich auch auf der Suche nach den wahren Tätern ist, da das verwendete Semtex aus den Beständen der IRA stammt und somit die Spur direkt zu ihm führt. Während Quan ungerührt von seiner Umwelt und den Beteuerungen weiter Hennessy zusetzt und langsam, aber sicher zu rabiaten Mitteln greift, aktiviert dieser im Gegenzug seinen Neffen und besten Mann Sean Morrison [ Rory Fleck-Byrne ], der früher bei der Royal Irish Rangers und den UK Special Forces war.
’By the time he’d finished reading the file he was shaking his head in amazement. The man was a bloody war hero, a trained assassin and an expert in jungle warfare. He went back through the papers, filling his notebook with dates and copying down quotes from the reports. God, it was good stuff. Amazing. The story in the file was award-winning copy in itself. If Nguyen really was after the IRA, it would be dynamite.’
Basieren tun der Film auf dem bereits 1992 erschienenen, insgesamt vierten Roman "The Chinaman" von Stephen Leather, einem bis dahin als Journalisten für u.a. die Times, den Daily Mail und die South China Morning Post Tätigen, der seitdem ganze Reihen um Experten auf ihrem Gebiet und Kampfaktionen urban und global in der großen weiten Welt verfasst hat, und von dem bislang auch u.a. als Fernsehfilm The Bombmaker (2001) und Ideen für die Serie The Knock (1994–2000) aufgegriffen und verfilmt worden sind. Soweit, so gut, und noch besser wurde es mit der Ankündigung der weiteren Teammitglieder, zu denen das Bond - Gespann Pierce Brosnan und Martin Campbell als ausführender Regisseur und damit auch zwei Männer aus der so genannten guten alten Zeit, der besseren Filmära mit weitreichender Erfahrung im bodenständigen, manchmal groben, oft effektvollen Handwerk gehören. (Ursprünglich sollte Nick Cassavetes Regie führen).
Der Roman als der eigentlich 1te Band der dreiteiligen sogenannten "Mike Cramer" - Reihe (vor "The Double Tap" und "The Long Shot"), in der die Titelfigur des SAS Sergeant Cramer allerdings erst recht spät in die 320 Seiten Handlung einsteigt (und im Film gar nicht vorhanden ist), bietet sich von der Geschichte trotz der zeitlichen Einordnung auch Anfang der Neunziger dennoch für die Verfilmung auf jeden Fall an. So ist die IRA-Problematik im Buch zwar mit entscheidendes Umfeld und auch die traumatischen Vorerfahrungen des 'Chinaman' aus den Erlebnissen des Vietnamkrieges und dort als Spielball der Mächte ist im Text ausführlicher behandelt und entsprechend erörtert, kann aber natürlich auf die heutigen Verhältnisse abgeändert oder gar auch gekürzt werden, ohne das daraus existenzieller Verlust für die (sowieso recht rudimentäre, auf das Notwendige reduzierte) Dramaturgie entsteht. Dass der Titel 'Chinaman' dort deswegen gewählt wurde, da der Vietnamese Nguyen von allen Anderen ständig als Chinese angesehen und so angesprochen wird, erfährt durch die hiesige Besetzung mit dem Chinesen Chan als Vietnamese (bzw. als Chinese mit vom Buch abweichenden vietnamesischen Namen) gar noch zusätzliche Ironie.
Zudem ist im Buch selber die Handlung fast 'komplizierter', ausführlicher und weniger stringent gehandhabt und mit unnötigen oder im Grunde unnötig detailliert beschriebenen Personen und Rückblenden auch angefüllt, was letztlich sowieso weniger interessiert. Und hier zwei, drei flott-effektvollen Nahkämpfen auf engen Raum, u.a. einer rabiaten Rauferei in einem kleinzelligen, fünfetagigen Bed & Breakfast, einer Zwei-Mann-Konfrontation auf einer Waldlichtung und der gleichso erfreulich bodenständigen Aufräumarbeit in einem Londoner Loft, und dies unter Aufsicht eines englisches Stuntteams und ohne viel Schnickschnack und unpassend spielerischen Mätzchen weicht.("...by the time we’d gotten to that sequence, we’d already established who Quan was, what the limitations were. We couldn’t go out and suddenly do backflips.") Ansonsten richtet man sich von den beiden gegenüber stehenden Kontrahenten und die gesamte zeitliche Entwicklung schon an die Vorlage, auch das erste Attentat mit verheerenden zivilen Folgen und ohne Vorwarnung ist direkt übernommen und erweckt das Geschriebene (und die Reminiszenzen an bspw. das Harrods - Attentat) so durchaus stimmig für den Neuling und den Leser gleichermaßen zum Leben. Zudem ist durch die Verzögerung der Produktion die gesellschaftliche Veränderung von dem damalig lokal begrenzten Terror auf die heutigen weitreichen und globalen Angriffe erweitert – das Filmen des explodierenden Doppeldeckerbusses auf der Lambeth Bridge hat die Leute unangenehm an die islamistischen Selbstmordattentate auf den öffentlichen Nahverkehr der Stadt im Juli 2005 erinnert –; demnach ein Plot aus gleichermaßen grauer Vorzeit, nicht immer, sondern wieder aktuell, wobei die momentane Position Großbritanniens innerhalb der Welt und außerhalb der Europäischen Union, wenn auch mittendrin im globalen politischen Schlamassel und mitten in der Phase der Veränderung als Kontext der Narration so durchaus von wachsenden Interesse ist.
Im Grunde ist die jeweilige Ergänzung von den Buchstaben und Sätzen zu den Bildern und vice versa und das Nutzen der vorhandenen Stärken sowie der Erinnerungen von so unterschiedlichen Thriller-Vertretern wie Edge of Darkness (2010), Collateral Damage (2002), und dem B-Picture Search and Destroy (1979) trotz des moderaten Budgets von 35 Mio USD. jeweils perfekt. Darstellerisch ist das Prozedere dabei trotz der Starbesetzung und seiner überaus interessanten (Gimmick)Paarung aufgrund auch ungewöhnlicher Verteilung gegen die Gewohnheiten getreu dessen auch anfangs eher 'schlecht', d.h. durchaus gewöhnungsbedürftig umgesetzt; Chan wird in seinem Leben nicht mehr zum Schauspieler, funktioniert als schweigsamer Rächer aber umso besser, und Brosnan drückt beizeiten recht mit einem ungewohnt eingefärbten Akzent auf, dominiert aber bald jede seiner Szenen. Zudem ist die Wahl der Nebendarsteller mehr als adäquat und werden dort auch einige kleinere Feinheiten gesetzt.