Die Biologie-Expertin Lena (Natalie Portman) doziert an der Uni und kann ihr Glück kaum fassen, als eines Tages ihr seit einem Jahr vermisster Ehemann Kane (Oscar Isaac), ein Berufssoldat, unvermittelt zurückkehrt. Es geht ihm allerdings gesundheitlich so schlecht, daß er per Notarzt ins Krankenhaus muß - auf dem Weg dorthin werden sie von einem Spezialkommando der Regierung abgefangen und in ein militärisches Sperrgebiet gebracht. Kanes Gesundheitszustand rührt daher, daß er dort in einem von einem Kometen verstrahlten Bereich gearbeitet hat - nun wird ein weiteres Team dort hineingeschickt, diesmal mit seiner Frau...
Nach der Vorgeschichte von Annihilation hatte ich eher geringe Erwartungen: Ein mit einigen großen Namen gespickter Kinofilm, der nach negativen Testseher-Urteilen dann doch nicht in der ursprünglichen Fassung fertiggestellt und schlußendlich - nicht zum ersten Mal - an Netflix verkauft wurde. Das muß nicht zwangsläufig etwas Negatives bedeuten, im Fall von Annihilation jedoch war die Entscheidung, ihn nicht in die großen Kinos zu bringen, vermutlich richtig: Dieser seltsame Zwitter aus Sci-Fi und Horror mit seinen gnadenlosen Logiklöchern wäre vermutlich ein Flop geworden. Aber der Reihe nach...
Lena sitzt also im Sperrgebiet und weiß nicht was los ist - eine desinteressiert wirkend Psychiaterin (Jennifer Jason Leigh als Dr.Ventress) erklärt ihr kurz, daß da draußen eine Zone sei, in der Unheimliches vor sich gehe. Seit vor 3 Jahren ein Komet in einen Leuchtturm am dortigen Strand einschlug, verbreite sich langsam aber sicher von dort eine merkwürdige Atmosphäre, die sie the shimmer nennen. Dorthinein seien schon mehrere Male Soldaten geschickt worden, zurückgekehrt ist keiner von ihnen - außer Kane gerade eben. Als nächstes würde ein Team aus Wissenschaftlern dort reingeschickt, und sie - Lena - habe die Ehre, als Biologie-Spezialistin dabeizusein. Das ist die Rahmenhandlung des Films, und Lena, die wie ihr Ehemann als Einzige wieder herauskommt aus der shimmer-Zone, erzählt ab da in Retrospektiven ihre Erlebnisse innerhalb dieser geheimnisvollen Atmosphäre. Bis dahin ein konventioneller Mystery-Thriller, aber nun beginnen die Logiklöcher...
Zunächst bleibt dem verdutzten Zuschauer vollkommen unklar, wieso Lena mitsamt drei anderen Frauen, darunter ebenfalls Geisteswissenschaftlerinnen, unter der Führung der arrogant wirkenden Dr.Ventress überhaupt in diese restricted area marschieren sollten - wo doch darin schon so einige Soldaten umgekommen sind und ihr Ehemann Kane schwerst angeschlagen nebenan auf der Intensivstation liegt. Aber egal, die 5 Frauen, in Militärklamotten, mit Marschgepäck und fetter MP ausgestattet, entern die seltsame bunte, wie eine Glasglocke über der Landschaft liegende Zone. Und Schnitt! Lena erwacht in einem bunten Ein-Mann-Zelt und stellt gemeinsam mit den anderen fest, daß sie sich gar nicht mehr erinnern, wie sie da reingekommen sind. Kollektiver Gedächtnisverlust - aber alle elektronischen Geräte funktionieren, wie sogleich (erstaunlich schnell) festgestellt wird. Leider aber gibts (oh Wunder) keine Verbindung nach draußen. Daß man mit einem Raupenfahrzeug oder zumindest Schutzanzügen dort hineingehen könnte, war der Regie wahrscheinlich zu teuer. Also stolzieren die Geisteswissenschaftlerinnen mit der Waffe im Anschlag immer weiter in den Dschungel. Hier wird Annihilation eine zeitlang zum women-in-army-Streifen, später, als sie mutierte Pflanzen und auch Tiere antreffen, kommen einige Horror-Elemente dazu. Wieder erstaunlich schnell stellen sie fest, daß die shimmer-Atmosphäre nicht nur Licht und Frequenzen bricht, sondern auch die DNS von Mensch und Tier verändert. Statt sich aber durch diese Erkenntnis deutlichst gewarnt endlich in Sicherheit zu bringen, spazieren sie immer weiter in den Dschungel, bis dann eine nach der anderen gefressen wird oder sonstwie umkommt.
Die Vorlage zu Annihilation stammt aus einem Roman, dem ersten einer Trilogie, was für allfällige Sequels Schlimmes befürchten läßt. Wäre dies eine Comic-Adaption, würde man vielleicht etwas mehr Verständnis für das schwierige Umsetzen gezeichneter Phantasien aufbringen können, so aber muß man sich fragen, ob die Regie eventuell unter Drogeneinfluß allüberall psychedelische Farbmuster in den Himmel und die Botanik gesetzt hat. Neben diesen bunten Sequenzen, die den Erzählfluß stark einbremsen, sind dann immer wieder die Frauen zu sehen, die teilweise wie aufgescheuchte Hühner herumballern, freilich ohne etwas zu treffen. Am interessantesten sind die wenigen Horror-Momente, z.B. wenn eine Eisbär-Mutation eine Frauenstimme nachahmt und die herbeigelaufene Geisteswissenschaftlerin(!) dann verspeist - außer Lena und Dr.Ventress benehmen sich letztere übrigens meist wie Raumpflegerinnen mit einem IQ unter Raumtemperatur, es ist schnell klar wer am Ende übrigbleibt. Nach endlosen Passagen mit bunten Pflanzen, Tieren und Himmel kommt Lena schließlich zum Epizentrum und steigt dort (erneut gegen jede Logik) in ein dunkles Loch hinein, das praktischerweise in einen mannshohen Gang mündet (das hat dieser Komet toll gemacht, genau die richtige Höhe getroffen). Furchtlos mit der Waffe voran erkundet sie die Finsternis, der genervte Zuschauer ist auf weitere Lichtblitze und Farbspielereien eingestellt und wird auch nicht enttäuscht. Mit einem müden Finale, das Lena gegen irgendeine bizarre Gestalt gewinnt, selbstverständlich unter Zuhilfenahme nicht von Grips, sondern einer Handgranate, endet dieser cineastische LSD-Trip.
Von Natalie Portman bin ich deutlich bessere Rollen gewohnt, Jennifer Jason Leigh hat nur wenig Screentime und die anderen Darsteller sind so schlecht, daß man deren Schauspielerei besser nicht erwähnt. Oscar Isaac beispielsweise ist ein emotionaler Krüppel und das nicht erst seit seiner Rückkehr aus der shimmer-Zone, auch schon davor, wie man in einigen Retrospektiven sieht. Daß Lena ihn während seiner Abwesenheit mit einem Kollegen betrügt, ist einer der ganz wenigen menschlichen Momente in diesem vollkommen künstlichen, unlogischen Streifen. Es gibt keine Szene, die man hervorheben könnte, selbst die wenigen Horrorszenarien sind deutlich sichtbar getrickst, und das nicht einmal besonders gut. Darüber hinaus transportiert der Film unterschwellig die Botschaft, daß am Ende gewinnt, wer die besseren und stärkeren Waffen hat - das ständige Herumballern und die teilweise militär-fixierte Sichtweise war mir schon während des Anschauens mehrfach negativ aufgefallen.
Nein, bestenfalls Sci-Fi-Enthusiasten sollten da einen Blick riskieren, ansonsten kann ich Annihilation niemandem empfehlen. 2 Punkte.