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Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Hasses

Mehr Paul Schrader geht nicht: Einzelgänger, Welthass, Zweifel und Destruktivität. „First Reformed“ handelt von einem Priester in einer teuflischen, spirituellen Abwärtsspirale. Travis Bickle goes katholische Kirche, in vielerlei Hinsicht die Kulmination eines legendären Drehbuchschreibers und eines polarisierenden Filmemachers. Ein extrem starkes, mitreißendes und nachhallendes Hardcore-Drama, das manchmal fast eher an einen farblosen und pessimistischen Horrorfilm erinnert. Sicher Schraders bester Film seit Jahren, für mich sogar vielleicht sein bestes Werk überhaupt. Zumindest was die Regie betrifft, denn mit „Raging Bull“ oder „Taxi Driver“ kann er nicht mithalten. Obwohl er vor allem mit Letzterem etliche Gemeinsamkeiten hat und Fans von Scorseses Iro-Träger besonders zusagen sollte.

„First Reformed“ ist glasklar in seiner grauen Vision und gleichzeitig vielseitig interpretierbar. Er hat ein paar wirklich brutale, fiese Auswüchse, kann jedoch auch Hoffnung machen. Er hat eine unfassbar karge, fast apokalyptische Stimmung und Bildsprache, jedoch ebenso einige Shots voller Schönheit und Anmut. Eine Geschichte und ein Werk voller Widersprüche, das erst richtig anfängt zu leben, wenn die Credits gerollt sind. Wie es eben richtig gute Filme machen sollten. Vielleicht ist „First Reformed“ sogar ein richtig großer Film. Einer, der bleibt. Ethan Hawkes grandiose Performance, Schraders Eier und ein bedrückendes und nachdenklich machendes Thema sprechen dafür. Man kann kaum glauben, dass es sich um den gleichen Regisseur handelt, der „Dog Eats Dog“ verbrochen hat. Dazwischen liegen Welten. Vor allem das plötzliche Ende, das behäbige Tempo und die wenige klaren Höhepunkte werden allerdings vielen übel aufstoßen und Langeweile schüren. Da nehme ich mich zum Teil nicht aus. Außerdem hätte man aus dem Score mehr machen sollen, einen anderen wählen müssen oder ihn ganz weg lassen können. Doch es gibt genug an diesem Brecher zu lieben. Oder zumindest zu respektieren und anzuschmachten. Oder zu fürchten. Denn dieses kirchenkritische Ding ist dunkel. Sehr dunkel. Tiefschwarz.

Fazit: Paul Schrader zurück in der Spur oder nur ein bockstarkes Spätwerk? „First Reformed“ wirkt in jedem Fall nach. Heftig, klar, mutig. Aber auch sehr zäh, höhepunktarm, offen. Mit einem beeindruckenden Leading Man in Hochform. 

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