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Aufgrund des eigenen Geschmacks und der Kenntnisnahme dessen, was das Publikum am Ehesten, nämlich die nackte Unterhaltung haben will, und unterstützt durch viel Fleiß und eine ausdauernde Beharrlichkeit, die einmal bewährte Ideen und Rezepturen sich nur immer wiederholen und bloß wenig variieren lässt, hat es Wong Jing seit 35 Jahren an die Spitze der HKer Filmbranche und dort überaus beharrlich den Status haltend geschafft. Ebenso kontinuierlich und dies seit den letzten vielen Jahren auch zu recht sind die negativen Meinungen all der Kritiker da draußen, was den Mann, meist Autor, Produzent und Regisseur in Personalunion allerdings seit Anfangszeiten schon kalt lässt und wozu ihm die finanziellen Einspielergebnisse auch mehr als Recht geben. Neben all den rein kommerziellen, oftmals intellektuell fast schmerzenden und in viel bunter Kinder- und Poplaune erstickenden Erzeugnissen für die (für den Moment auch gerne) Anspruchslosen da draußen, neben all diesen "Schnellschüssen" wird in seltener Regelmäßigkeit auch mal ein Prestigeprojekt gezündet; ein vermeintlich höhergestelltes, anspruchsvolleres und auch so nach außen hin proklamiertes Werk, welches eher für die Kritiker ist, aber natürlich schon wegen der auch oftmals damit einhergehenden aufwändigen Finanzierung den Zuschauer mitnichten ignorieren soll. Ursprünglich als King of Drug Dealers für Nick Cheung und Julian Cheung, wahlweise auch unter der Regie von Wong selber oder von Law Wing-cheong anvisiert:

Zusammen mit seinen Freunden Wil [ Phillip Keung ], Chad [ Yu Kang ] und Wayne [ Wilfred Lau ] strebt der Anfang der Sechziger als illegaler Immigrant aus China nach HK eingewanderte Ng Sek-ho [ Donnie Yen ] eine Karriere als erst Klein- und dann bald Großkrimineller an; unter Beobachtung und gleichzeitig auch unter den Fittichen des Polizisten Lee Rock [ Andy Lau ], der sich mit seiner Mannschaft und dem befreundeten Kollegen Piggy [ Kent Cheng ] auch zumindest vermehrt gegen die Repressalien der britischen Kolonialführung in dem Polizeibereich stört und vorgeht. Beide haben ihre eigenen Feinde in den Reihen, so wird Ng bei einer gewalttätigen Auseinandersetzung im 'Walled City' vom Konkurrenten Chubby [ Ben Ng ] schwer verwundet und bei einer bleibenden Beinverletzung fortan als "Crippled Ho" tituliert. Zudem kommen der korrupte Cop Ernest Hunter [ Bryan Larkin ] und sein kantonesischer Unterstützer Tong [ Kent Tong ], die ihr eigenes Unterweltimperium in Bedrohung sehen.

Zuletzt war es 2012 der The Last Tycoon, eine Heroic Bloodshed Saga mit Kriegsscharmützeln und der Geschichte vom Aufstieg und vom Fall eines erst Kleinkriminellen zum Oberhaupt der Unterwelt und zurück; zuvor konnte man bspw. auch A True Mob Story (1998) dazu nennen. Gangstermärchen also, im Period Piece Wesen, als ausschweifende Biographien, zu denen auch der letzte Vertreter dieser Art, Chasing the Dragon und dies als gleich mehrfache Rückkehr nicht zu den Wurzeln von Wong, sondern zu der Blütezeit des HK-Kinos zählt.

Denn abgesehen von der Besetzung mit Donnie Yen und Andy Lau, zwei Schwergewichte dieser Art von Kintopp und ebenso zwei Leute aus der damaligen Zeit, die allerdings den Sprung in die Chinesischen und damit Modernen Verhältnisse anstandslos geschafft haben und hier gar auch das erste Mal zusammen vor der Kamera zu sehen sind: Abgesehen von diesem Clou und Gimmick in der Paarung zweier Filmstars wird auch eine Geschichte aufgegriffen, die sowohl einzeln als auch zusammen auf jeweils zwei Epen aus der damaligen Epoche Bezug nimmt. Kennen muss man die bereits die Figuren vom Crippled Ho und dem Lee Rock ausgiebig porträtierenden To Be Number One (1991) und den entsprechend betitelten Lee Rock Zweiteiler (1991) nicht unbedingt, um die Geschehnisse hier zu verstehen und den Umstand der Produktion selber zu würdigen, aber es hilft und sind die Arbeiten (dem älteren Publikum) durchaus ein Begriff und wurden in den Jahren der Herstellung auch mit großer Aufmerksamkeit und Anerkennung registriert. [Dass Lau die Rolle nochmal spielt, und der ehedem für Crippled Ho besetzte Ray Lui nicht, der zwar noch aktiv und körperlich fit ist, verdirbt den Marketingtrick natürlich ein bisschen, ist aber sicherlich rein der Zugkraft von Yen geschuldet, der das Budget schon allein mit seinem Namen stemmt.]

Entsprechend dieser Gewichtung auf zwei Schultern und dann noch auf den (theoretisch) gegenüberliegenden Seiten des Gesetzes wird zu Beginn das Geschehen auch vermehrt parallel betrachtet, mit Überschneidungen, in deren sich beider Wege kreuzen, auch wenn der Eine bereits auf der Karriereleiter nach oben ist, während der Andere sich noch beweisen muss und dies vor allem mit Kampfeskünsten und viel Mut macht, und mit Finten und Tricks und gutem Aussehen wie (noch) beim Sergeant Major allein nichts zu machen ist. Grabeskämpfe demnach, erst wilde Schlachtenauftritte gegen die gegnerischen Truppen aus der Kriminalität und der einschreitenden Riot Police, später Flucht- und Hetzjagden durch undurchsichtiges und gleichzeitig zu allen Seiten hin beengtes Terrain, Kloppereien mit allen zur Verfügung stehenden passenden und unpassenden Gegenständen, und todeslustige Hauruckaktionen mit Vehikeln und Schusswaffen, wird ein Stein nach dem anderen beiseite geschafft und das nächste und das folgende Hindernis beräumt. Die Drei-Mann-Regie (neben Wong sind es noch der Director of Photography Jason Kwan und der Co-Director Aman Chang, die das Zepter führen) behält dabei die Übersicht der Lage, zu der anfangs auch noch viel Britenschelte und Anklage an deren Methoden dazu gehören, wobei die Männer von der Queen sich hier auch wie die sprichwörtliche Axt aufführen; ein später Akt der Rache der Filmemacher quasi, die dem früheren Besatzer noch nachträglich eins heimzahlen, während der heutige hier (aus China) gut wegkommt und ihm auch noch etwas der Bauch gepinselt und der Honig um das Maul geschmiert wird.

So richtig ernst und übel nehmen darf man dieser üppigen Kolportage-Unterhaltung hier, diesem Boulevard-Gangsterfilm den Bruch mit der Realität und der Wahrheit demnach ist, sollte man sich lieber an den Kulissen ergötzen, die stattlich, wenn auch natürlich als Kulisse zu erkennen und auch so aufgenommen sind. Manches wie das Kowloon Walled City existiert auch gar nicht mehr, sondern wurde längst eingestampft und ist buchstäblich Geschichte; gelebte Fiktion hier also, die zwischen wehmütig schwankt und zwischen explorativ, explosiv und exploitativ. Ein Traum aus fernen Zeiten, Dekaden her und wie Jahrhunderte zurück, ordentlich Asbach und Kintopp aus der Retorte, dass im Grunde ähnlich wie American Gangster, eher als Sittengemälde und Ausstattungsepos mit überbordenden Finanzrahmen und eingen wenigen ebensolchen Actionszenen funktioniert. [Aufgrund den Erfolges wurde gleich eine Art Trilogie, mit als Zwischenteil Master of Ransom vom gleichen Drehteam hinter der Kamera, und den Darstellern Tony Leung Ka-fai, Louis Koo, Gordon Lam & Simon Yam vor ihr proklamiert.]

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