Ein passables Update für die aktuelle Generation
Im Schatten der letzten Jedi hat sich der neue "Jumanji" zum Überraschungshit des Winters gemausert. Ein Popcorn-Abenteuer, welches scheinbar weltweit funktioniert und Leute vieler Altersklassen und Interessen ins Kino lockt. 500 Millionen Dollar sprechen eine überraschend deutliche Sprache, die The Rocks Baywatch-Debakel aus dem letzten Frühjahr fast vergessen macht. Doch was kann die Fortsetzung... äh das Remake... äh Reboot... äh oder Spin Of des Robin Williams-Klassikers? Fans des Originals gehen mit gemischten Gefühlen rein und kommen mit ähnlichen, minimal positiven wieder raus. Es ist ein anstrengender Spagat irgendwo zischen der besten Videospielverfilmung die gar keine ist und dem "Ghostbusters"-Reboot. Im neuen "Jumanji" wird eine Art Wannabe-Breakfast Club 2.0 in das Spiel gesaugt - da dieses erkannt hat, dass Brettspiele out sind und lieber virtuell gezockt wird...
Die lose Fortsetzung der 90er-Nostalgiebombe mit der ich groß geworden bin, hat durchaus seine gelungenen Seiten. Vor allem wenn man das Gehirn an der Kinokassen abgibt und sich berieseln lässt. Allen voran die Darsteller ergänzen sich grandios und liefern einige perfekt sitzende Gags. Wenn The Rock sein Actionstar-Image gehörig auf den Arm nimmt, Jack Black wortwörtlich eine twittergeile Teenagerin in sich hat oder Kevin Hart angetrunken als Rucksack-Sklave durch den Urwald hechelt, dann lacht man eine Menge. Man spürt die Chemie und den Fun der Truppe, das färbt ab. Ohne seine talentierten und vielseitigen Stars wäre Jumanji 2.0 ein Reinfall. So retten sie den Blockbuster fast in den grünen Bereich. Für mich aber nur fast.
Während einige wundervolle Zockergags zünden, fühlt sich das neue Abenteuer einfach nicht nach Jumanji an. Ein anderer Name hätte wahrscheinlich besser gestanden. Trotz der ein oder anderen platten Verbeugung vor dem Original. Die Action hat wenig Spannung geschweige denn Bodenhaftung, die Effekte wirken hingeschludert und manch ein Gag wird derart oft wiederholt oder einem unsubtil um die Ohren gepfeffert, dass einem das Lachen dann doch noch im Hals stecken bleibt. Und noch schlimmer steht es um die gepredigten Messages. "Glaub an dich", "Sei selbstbewusster", "Es kommt auf die inneren Werte an", "Denke nicht nur an dich" - echt jetzt? Alles nett gemeint aber vollkommen berechnet, erzwungen, generisch. Da bietet jeder Lebensweisheiten-Kalender mehr Tiefe. "Jumanji: Willkommen im Dschungel" ist ein Retortenprodukt vom Reißbrett, dass sich bei The Rock und Co. für einen Rest Stolz bedanken darf.
Fazit: nicht vergleichbar mit dem Original, nicht wirklich ein klasse Film und nicht immer so lustig, wie er meint zu sein - und trotzdem hat man bei niedrigen Erwartungen ein nettes Abenteuer und vor allem charismatische Darsteller in Spiellaune und mit funkenschlagender Chemie untereinander. Der Rest ist flach wie der Dschungel grün. Schade, dass die Messlatte der Begeisterung beim aktuellen Mainstream-Publikum derart tief liegt.