kurz angerissen*
Es ist wirklich schwer zu akzeptieren, dass ein Sonntagnachmittag-Abenteuer wie diese "Jumanji"-Neuauflage derart erfolgreich läuft. Sie müsste eigentlich bei dem, was sie zu bieten hat, als Flop versanden. Andere Box-Office-Bomben liefern auch keine künstlerischen Argumente für ihren Erfolg, lassen aber zumindest noch erahnen, weshalb die Masse auf sie anspringt. An "Jumanji" hingegen ist wenig sexy; die Vorlage (im Sinne ihrer Attraktivität für die Zielgruppe "Generation 2.0") ebenso wenig wie die Art und Weise ihrer Modernisierung.
Vom Geist des Originals sind nämlich allenfalls noch die Buschtrommeln zu hören. Dasjenige, worauf die Trommeln konditionierten, findet im neuen Film jedoch praktisch keine Entsprechung mehr. Action- und Abenteuerfilme sind generell oft über episodische Highlights strukturiert, die sich nach dem Stop-and-Go-Prinzip einer Achterbahn über die komplette Laufzeit strecken. Der "Jumanji" der 90er Jahre wusste diese Struktur elegant in Spielregeln zu gießen und zum Handlungskonzept zu erklären. Man ahnte: Wenn die Würfel fallen, ist neue Gefahr im Anzug, und sie wird die letzte Gefahr noch einmal steigern. Man wusste nicht, was als nächstes kommt, nur dass es größer sein würde als das Vorherige. Trotz der unvollkommenen Spezialeffekte, das sorgte für Spannung.
"Jumanji 2017" hingegen ist reines What-You-See-Is-What-You-Get. Kaum werden die Römisch-3-Tattoos als Lebensanzeige in die Kamera gehalten, weiß man bereits, wie das Drehbuch diese insgesamt 3x4=12 Leben dramaturgisch nutzen wird: Ein paar werden verschwendet, andere für Mitspieler aufgeopfert, wieder andere für spektakuläre Moves eingesetzt. Von der unheilvollen Androhung unsichtbarer Urkräfte keine Spur. Eine Nashorn-Stampede wird unoriginell kopiert, reichlich fleischfressendes Dschungelgetier stürzt sich ebenfalls hungrig auf das Quartett und natürlich sind auch menschliche Widersacher wieder dabei (Bobby Cannavale spielt leider einen optisch entstellten Standard-Bösewicht und kann mit dem wandelnden Anachronismus, den Jonathan Hyde im Original als Großwildjäger in altmodischen Knickerbockers darstellte, nicht mithalten), aber die Attacken verlaufen wild gemixt und vogelfrei, anstatt hübsch verpackt mit Schleife und gruseliger Verpackung.
Es ist also wohl eher der Bodyswitch-Aspekt, der das Publikum gereizt hat. Na klar, ein It-Girl im Körper von Jack Black, ein schüchterner Junge im Panzer von The Rock, da ist der Slapstick vorprogrammiert. Irgendwann ringt man sich dann auch noch eine Message über Oberflächlichkeiten ab (nach der Selfie-Stick-Nummer vom Anfang wieder eine Entwicklung mit Ansage), aber außer "Avatar" ins Dschungelcamp zu verlagern, ist nicht viel drin bei dieser Videospiel-Adaption eines aus handgeschnitzten Gesellschaftsspiels. Dwayne Johnson beweist immerhin mal wieder seine komödiantischen Qualitäten mit Gesichtsausdrücken, die im völligen Widerspruch zu seinem Körper stehen, Black darf seine weibliche Note ausleben. Bei den anderen beiden Figuren sind die Unterschiede zwischen Spieler und Avatar bewusst dezenter angelegt; vom Comic Relief entfernen sie sich dadurch interessanterweise aber nicht weiter.
Man kann "Jumanji" positiv auslegen, dass er die Idee seiner Vorlage völlig neu interpretiert. In dieser Hinsicht war aber schon "Zathura" erfolgreicher, der sogar als bester Film der Reihe gilt (Einspruch!). Wie man so schön sagt: "leidlich unterhaltsam". Bitte nicht mehr erwarten.
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