Als anno 1995 ein Brettspiel lebendig wurde und mit ihm Affen, Moskitos, Löwen und Elefanten per Computer auf die Leinwand strömten, war das eine geballte Ladung an Schauwerten. Mit Entwicklung der Technik verändern sich natürlich auch Sehgewohnheiten und so muss für die indirekte Fortsetzung ein paar Jahrzehnte später ein wenig mehr aufgefahren werden, was Regisseur Jake Kasdan nur bedingt gelingt.
Vier Schüler um Spencer müssen nachsitzen und werden zum Entrümpeln im Keller verdonnert, als sie auf das veraltete Konsolenspiel Jumanji stoßen. Kurzerhand werden sie in den Dschungel teleportiert und erhalten die zuvor ausgewählten Avatare: Spencer (Dwayne Johnson), Fridge (Kevin Hart), Martha (Karen Gillan) und Bethanny (Jack Black) müssen einen Juwel zum Bestimmungsort zurückbefördern und sich zahlreichen Gefahren des Dschungels stellen…
Aus dem Brettspiel wird ein Konsolenspiel, aus Schülern werden Erwachsene, die sich erst einmal im neuen Körper oder wie im Fall von Bethany mit neuem Geschlecht zurechtfinden müssen, was für einige Situationskomik sorgt, obgleich diese oft unterhalb der Gürtellinie angesiedelt ist. Aufgrund der gut miteinander harmonierenden Mimen funktioniert das über weite Teile recht gut, denn mit viel Augenzwinkern zeigt The Rock einigen Körpereinsatz und Gillan schlüpft in die Kluft einer Lara Croft. Weil beide im Geiste noch unerfahrene Teenager sind, gerät etwa der Versuch eines Kusses zur Gesichtsakrobatik.
Den Überraschungseffekt des Originals bleibt die vermeintliche Neuauflage indes schuldig.
Nipferde, Pumas oder ein recht groß geratener Elefant sind zwar sauber in die Landschaft geworfen, doch bis auf eben jene malerischen Kulissen Hawaiis bleiben die ganz großen Schauwerte aus. Im Gegenteil. Einigen Szenen wie bei einem Helikopter-Manöver oder einem steilen Motorrad-Aufstieg ist der Greenscreen deutlich anzusehen und auch die Bösewichte in Form wild ballernder Motorradfahrer bleibt holzschnittartiges Beiwerk, während der fiese Obermotz zwar sämtliche Tiere von Jumanji steuert, dafür jedoch nur zwei, drei mal in Erscheinung tritt.
Immerhin ist das Erzähltempo enorm flott, stets ist Teamgeist gefragt und diverse Anlehnungen an Konsolenspiele (Anzahl der Leben als Tattoo, Stärken und Schwächen der Avatare werden aufgelistet) lockern die Angelegenheit zusätzlich auf. Der Verweis auf die Figur des Alan Parrish beschränkt sich leider auf eine Lokalität und obgleich das Ertönen der Urwaldtrommeln ans Original erinnert, liefern die Ereignisse im Dschungel auf Dauer nicht so viel Abwechslung wie der Streifen von 1995.
So präsentiert Jake Kasdan einen soliden Abenteuer-Actioner, der vom sympathischen Zusammenspiel der Figuren lebt und ein flottes Tempo mit viel Bewegung vorlegt. Trotz Themen wie Coming-of-Age, Zusammenhalt und Loyalität ist bei alledem kein Tiefgang zu erwarten, zur kurzweiligen Berieselung langt es jedoch allemal.
6,5 von 10