Review

Die meisten Regisseure werden zumeist nur belächelt, wenn sie bei ihrem Erstling mit einem Slasher um die Ecke kommen. Justin Reinsilber, der auch eine Nebenrolle bekleidet, weiß hingegen, wie die Genremechanismen funktionieren, obgleich er ein paar Klischees zuviel in die Runde wirft.

Sechs Teenager um Harold, dessen Vater wegen finanzieller Schwierigkeiten in der Presse herumgereicht wird, treffen sich zu nächtlicher Stunde im Central Park. Nachdem einige Drogen konsumiert werden, verschwindet jemand, was die Freunde zunächst auf die Unverträglichkeit des Eingenommenen zurückführen…

Reinsilber hat sich mit Sicherheit an den Genrevorbildern der 80er orientiert und wahrscheinlich auch „Herrscher des Central Parks“ gesehen, bei dem der starke Soundtrack von Tangerine Dream stammt. Auch hier dominieren pulsierende Bass-Sequenzen mit einigen Flächen, was im Zusammenhang mit der Grünen Lunge für eine zuweilen recht dichte und bedrohliche Atmosphäre sorgt.

Allerdings dauert es etwas zu lang, bis das Treiben endlich in Gang kommt. Es gibt insgesamt drei Handlungsstränge, die erst nach geraumer Zeit zusammengeführt werden: Im Fokus natürlich die Teens, die zwar oberflächlich, jedoch nicht unsympathisch rüberkommen, wobei soziale Missstände lediglich am Rande angerissen werden. Dazu zwei Polizisten auf nächtlicher Streife, die mehr oder minder Good Cop, Bad Cop repräsentieren sollen und ein Lehrer der Schüler, der am Abend der Ereignisse schnell noch eine Runde mit dem Rad durch den Park drehen will, während seiner Frau irgendwann die Sorgenfalten anzusehen sind.

Als das eigentliche Slasher-Treiben einsetzt, bleiben Sätze wie „Oh Gott, wir müssen hier schnell weg!“ natürlich nicht aus, Drogen sind generell unrein und Wildpinkler sind ebenfalls potenzielle Opfer. Dass Mobiltelefone im Central Park keinen Empfang haben, hätte wohl niemand geglaubt, weshalb sie schlichtweg in Panik fallen gelassen werden.
Was den Reiz der Angelegenheit jedoch ausmacht, ist das Ratespiel um den Killer, welches mit einigen Finten und vermeintlichen Wendungen bei Laune hält und erst innerhalb der letzten Szenen eine Klärung liefert.

Bei alledem ist auf handwerklicher Ebene nicht allzu viel anzukreiden: Die Kamera arbeitet solide und liefert einige gelungene Beobachtungsperspektiven, welche fürs Finale relevant sind und auch die Kills sind immerhin handgefertigt, obgleich sie nicht den Härtegrad einer FSK16 überbieten und in Sachen Kreativität eine Schippe hätten drauflegen können.
Selbst die in diesem Genre oftmals miserable Synchro ist nicht anzutreffen, obgleich die Dialoge wahrlich nicht das Highlight eines Slashers sein sollten.

Der Central Park als nächtliche Kulisse eines Slashers ist definitiv auf der Habenseite zu verbuchen, während der Vorlauf recht viel Geduld erfordert, was mit dem nicht genretypischen Finalakt ausgeglichen wird. Insgesamt zumindest ein wenig fernab des üblichen Gemetzels mit einem Hauch Gesellschaftskritik versehen.
6 von 10

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