Central Park (Kurz und schmerzlos Teil 43)
Eine Handvoll Teenager trifft sich zum nächtlichen Chillen im Park. Die Zusammensetzung ist betont divers. Zwei Pärchen, eines davon „gemischt", das andere aus verschiedenen Kulturkreisen, dazu zwei inkompatible Singles, sie die Freundin der beiden Mädchen, er der allseits beliebte Komiker-Nerd. Mit anderen Worten: das klassische Slasher-Tableau ist angerichtet. Denn natürlich wird der Abend anders verlaufen als geplant und ganz sicher werden ihn einige nicht überleben.
„Central Park" heißt dieser vergleichsweise neue Ableger der wesentlich von John Carpenter und Wes Craven abgesteckten Subgattung des Horrorkinos. Der oft gehörte Vorwurf, man könne diesem Genre nun wirklich nichts Neues oder gar Originelles mehr abringen wurde immer wieder mal lässig („You´re next!"), mal ambitioniert („It follows") widerlegt und ist damit der eigentliche kalte Kaffee.
Regienovize Justin Reinsilber arbeitete bis dato als Schauspieler und Autor, was man „Central Park" schnell anmerkt. Die sorgfältig ausgewählten Jungdarsteller wirken sofort natürlich, sympathisch und absolut überzeugend, die Chemie stimmt. Reinsilber lässt dem Zuschauer Zeit, die Clique kennen zu lernen und reißt ganz nebenbei jugend-typische Themen wie Drogenkonsum, elterliche Vernachlässigung oder soziale Spannungen an. Nichts davon wirkt aufgesetzt oder irrelevant, nichts davon bremst oder dehnt die Handlung aus. Als erzählerische Klammer dient der wahre Fall eines New Yorker Finanzbetrügers, den Reinsilber geschickt nutzt um die psychischen Auswirkungen auf Täter wie Opfer zu definieren. So leidet Sohn Harold (Justin A. Davies) gleich mehrfach unter den demütigenden Folgen der Tat und der gesichtslose Killer sinnt als Geschädigter nach Rache.
Was „Central Park" aus der Masse ähnlich angelegter Slasher-Filme heraushebt, ist dieser realitätsnahe Ansatz. Reinsilber drehte erkennbar vor Ort und schafft eine ungemein stimmige New York-Atmosphäre, die jedem, der nur einmal die Stadt besucht hat, sofort vertraut erscheint. Dieselbe unaufgeregte Natürlichkeit verströmt auch das schauspielernde Personal. Dazu kommt ein sehr reduzierter, aber unterschwellig bedrohlicher Score sowie eine beinahe beiläufige Inszenierung der Gewaltszenen, die gänzlich auf selbstzweckhafte Ausreißer verzichtet. Schließlich widersteht Reinsilber auch der gängigen Versuchung eines alles auf den Kopf stellenden Schluss-Twists, sondern ersetzt dieses Stilmittel durch eine Zwischenebene, die ganz nebenbei noch ein wenig Sozialkritik untermischt.
Fazit:
„Central Park" ist zugleich Hommage an New York und dessen berühmteste Grünfläche sowie an den gern als etwas altmodisch belächelten Slasherfilm. Skript, Inszenierung und Darsteller tragen deutlich dieselbe konzentrierte Handschrift und sorgen für eine wohlige Grusel-Atmosphäre die vor allem wegen ihrer Nonchalance durchweg frisch wirkt.