Der deutsche Verleih stiftet mal wieder ordentlich Verwirrung, indem er auf dem Cover einen Bezug zur Märchenfigur Frau Holle herstellt, welcher storytechnisch rein gar nicht vorhanden ist. Zwar ist die Sagengestalt der Frau Perchta rein funktional der von Frau Holle ähnlich, doch vielmehr geht es um einen Slasher, der in der Vorweihnachtszeit spielt.
Anno 1921 verschwanden in einem ländlichen Gebiet zwölf Kinder zur Weihnachtszeit, 1992 wurden in derselben Gegend fünf Tote Kinder gefunden. Heute zieht es Vanessa und ihre Tochter Amy zu ihren Großvater und schon wieder sind Kinder spurlos verschwunden…
Regieneuling James Klass präsentiert immerhin zwei Hintergrundgeschichten, obgleich diese im Prinzip wenig miteinander gemein haben. Denn einerseits geht es um die Legende einer Hexe, andererseits um Kindsmörder und Lynchjustiz. In der Jetztzeit sorgt der böse Geist der Geächteten für Rache, nur dass dieser leider aussieht wie ein lieblos geschminkter Zombie und allenfalls aus der Distanz ein wenig Grusel verbreitet.
Indes touchen die Figuren nicht sonderlich, was primär an den schwachen Mimen, den teils hölzernen Dialogen und der extrem schlechten Synchro liegt. Weihnachtsstimmung fließt kaum ein, denn das Treiben spielt eher zufällig zu dieser Zeit und könnte ebenso im Hochsommer stattfinden. Was nicht heißt, dass es nicht eine Handvoll atmosphärischer Momente gibt, etwa, als jemand allein vor einer alten Kirche wartet oder Amy eine auffallend hässliche Katze mit sehr kurzem Fell überreicht wird. Und immerhin werden einige Lichterketten ins blutige Treiben eingebunden.
Die Morde fielen allerdings teilweise der Schere zum Opfer. Es gibt zwar einen Kleiderbügel im Kiefer, einen geöffneten Bauch, das Spiel mit Hautfetzen und Innereien, einen Stich im Hals und eine verätzte Gesichtshälfte, doch als jemanden der Rücken filettiert werden soll, ist eindeutig ein derber Schnitt zu erkennen und auch beim Zuschlagen einer Axt werden Details vorenthalten. Die handgemachten Effekte sind ordentlich inszeniert und besser durchdacht als die eigentliche Geschichte.
Zwei, drei kleine Wendungen im letzten Drittel sind zwar willkommen, doch die erste Hintergrundgeschichte ist für den eigentlichen Verlauf komplett ohne Belang, während es zu einigen Szenen kommt, die die mangelnde Erfahrung des Regisseurs untermauern.
Wenn jemand mit einem verpackten Weihnachtsgeschenk eine Gegenwehr startet, dieses jedoch weniger als zwei Kilo wiegt, bleibt ein Schmunzeln nicht aus. Auch eine Versöhnungsszene kommt dermaßen aus der Luft gegriffen und kann aufgrund der aufgesetzten Dialoge nur mit Kopfschütteln quittiert werden.
Was letztlich noch ein wenig rettet, ist der temporeiche Showdown mit allerlei blutigen, wenngleich geschnittenen Einlagen. Das Fixieren mit einer locker umgebundenen Lichterkette mal außen vor, mühen sich die ansonsten lustlos agierenden Mimen ein wenig mehr, das einsam gelegenes Haus des Großvaters schürt ein wenig Stimmung und der Ausgang ist nur konsequent. Weihnachtsmuffel sollten nicht allzu viel Dezember-Stimmung erwarten, Märchenfans nicht auf die Beschreibung der irreführenden DVD-Hülle reinfallen, denn vielmehr als einen in Ansätzen passablen Slasher sollte man keinesfalls erwarten.
4,5 von 10