Und wieder eifern die Russen einem westlichen Aushängeschild moderner Horrorfilme nach, indem Regiedebütant Sergey Ginzburg auf Bram Stokers Blutfürsten setzt und das Ganze mit kitschigen Märchenanleihen versieht.
Irgendwo in den Weiten russischer Gebirgslandschaften sucht Andrej im 18.Jahrhundert den Priester Lavr auf, um ihn zurück an den Hof des Zaren zu geleiten. Doch dieser denkt gar nicht daran und beschützt stattdessen die Bewohner des Dorfes vor dem Vampirbaron, welcher sich im Schloss in der Nähe niedergelassen hat. Auch die schöne Schäferin Milena soll sein Opfer werden, doch Andrej und Lavr haben etwas dagegen…
Für diese schablonenhaft erzählte Geschichte zeichnen sich gar fünf Autoren verantwortlich, was angesichts der zahlreichen Oberflächlichkeiten unfassbar erscheint. Es gibt einen jungen Helden, die Schöne, den standhaften Gläubigen und natürlich den Bösewicht in Form des titelgebenden Fürsten. Nur kann man diesen nicht ernst nehmen, wenn dessen Erscheinung unweigerlich an den Chemielehrer der Unterstufe aus der Gesamtschule erinnert.
Ansonsten vermögen die rauen Landschaften durchaus in eine fremde Welt entführen und auch Klosterruine und Schloss am Berg sind angemessen stimmungsvoll in Szene gesetzt.
Der voluminöse Score eifert derweil dem Original von Kilar nach, während die Dorfbewohner hinsichtlich ihres Aberglaubens nur zögerlich mit der Wahrheit über die Vampire herausrücken, welche ein größtenteils hingeklatschtes Make-up mit sich herumtragen, wobei einige Skinheads mit aufgemalten Adern so rein gar nicht in die Kulisse passen.
So wird an einem Abend nahezu eine ganze Familie durch Blutsauger ausgelöscht, Andrejs Begleiter, der sich entweder Paramon, Padermon, Pokemon oder auch Paderborn schimpft, entpuppt sich als latenter Angsthase, der Schmierenbaron trägt tatsächlich den Namen Bi-Steffi (oder so ähnlich) und die große Schlacht ist final gar nicht einmal übel inszeniert, mal abgesehen von der schwachen Choreo eines Schwertkampfes und einigen unterirdischen CGI.
Vielleicht steckt der russische Vampirfilm noch in den noch viel zu großen Kinderschuhen, kann auch sein, dass wenig originellen Plagiaten schlichtweg die eigene Handschrift fehlt und spannende Momente weitgehend auf der Strecke bleiben. Ein paar trashige Momente kann man mitnehmen, für einen ernst zu nehmenden Blockbuster langt es allerdings vorne und hinten nicht.
Knapp
4 von 10