Rivalen im Geiste, Freunde im Herzen
Die Weltrangliste der Tennisfilme hat eine neue Nummer 1. Ok, das ist keine große Kunst, gibt es doch kaum Filme über diesen Sport, geschweige denn gute. Aber "Borg / McEnroe" ist weit mehr als der beste in einem Losers Club. Er erzählt die Geschichte zweier großer Sportler, Rivalen, Menschen. Das legendäre Wimbledon Finale von 1980 zwischen Björn Borg und John McEnroe und der Weg der beiden Kontrahenten dorthin. Zwei famose Tennisspieler und nur auf den ersten Blick totale Gegensätze. In vielerlei Hinsicht erinnert mich der dramatische, spannende und sogar rührende Film an "Rush" von 2013, in dem es um Nicki Lauda und James Hunt im Rennsport ging. Und jeder der diesen Film kennt, weiß was das für ein Kompliment für die Rasenrivalität ist. Zwei hochbegabte Gladiatoren, die sich viel näher und sympathischer sind, als man je hätte ahnen können.
Den einzigen Doppelfehler den sich das Tennisdrama leistet, sind die zum Teil etwas seltsam, künstlich und unrund laufenden Tennisszenen bzw. Ballwechsel. Vor allem LaBeouf merkt man deutlich an, dass er gerade mal gelernt hat wie man einen Schläger richtig hält. Doch das macht er mit einer sonstigen Performance wieder gut, die nicht nur in seiner Karriere ihres Gleichen sucht. Wie er den Hitzkopf und das Enfant Terrible des Tennissports darstellt, ist fabelhaft, vielschichtig, herzzerreißend. Das ist wortwörtlich ganz großes Tennis! Aber auch sein auf den ersten Blick eiskalter Konkurrent wird stark gespielt, ihm wird gefühlt sogar noch weit mehr Screentime geschenkt. Der Film hat massive Gänsehautmomente, ist clever und dicht geschrieben und wirkt keine Sekunde langweilig oder konstruiert. Von den Kindheitserinnerungen bis zum Matchball ist das eine runde, glaubhafte und durchdachte Sache. Nicht nur wenn man den Ausgang des Matches nicht weiß, ein echter Krimi mit Herz, Verstand und Seele, der weit über das eigentliche Match, das Turnier, die Sportart und sogar die zwei Legenden hinaus geht.
Fazit: Spiel, Satz, Sieg - "Borg/McEnroe" ist der beste aller Tennisfilme. Und ein sehenswerter Sportfilm obendrauf. Ein Tiebreak der Emotionen. Das waren noch Tenniszeiten!