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iHaveCNit: Don´t Worry, weglaufen geht nicht (2018)

Gus van Sant ist ein von mir eher stiefmütterlich behandelter Regisseur, aber Filme wie „To Die For“, „Good Will Hunting“ und „The Sea of Trees“ habe ich von ihm gesehen. Als jedoch vor einiger Zeit der Trailer zu „Don´t Worry, he won´t get far on foot“ durch Zufall unter meine Augen gekommen ist und Schauspieler wie Joaquin Phoenix, Jonah Hill, Jack Black und Rooney Mara mitwirken, war klar dass dieser dann auch auf meiner Liste seinen Platz findet. Das Biopic über den querschnittsgelähmten, anonymen Alkoholiker und Cartoonist John Callahan bietet ein hochkomplexes Thema, kann aber das Potential nicht entfalten.

John Callahan ist relativ ziel- und planlos. Er säuft und feiert sich durchs Leben. In einer folgenschweren durchzechten Nacht jedoch wird er nach einem Autounfall querschnittsgelähmt. Trotz dieser misslischen Lage kann er dem Alkohol nicht abschwören, bis er eine Gruppe der anomymen Alkoholiker um den charismatischen Donnie kennenlernt und damit dem Alkohol entsagt und seinem Leben endlich einen Sinn gibt.

Der Charakter des John Callahan ist recht interessant und der Kampf gegen den Alkohol und mit der Querschnittslähmung bietet sehr viel an thematischer Grundlage für den Film. Das Problem jedoch ist, dass das Biopic diese Themen nicht ganz ausbalancieren und mit entsprechendem Tiefgang behandeln kann. Auch wirkt das Biopic hin und wieder zu sprunghaft und zu hektisch. Auch die überlappenden Montagen diverser Ebenen ist etwas verwirrend, weil man anfangs nicht wirklich den Überblick hat, wie man das nun zeitlich einordnen kann. Aber darüber hinweg ist der Film sehr toll besetzt. Jack Black und Rooney Mara funktionieren prima. Vor allem Mara hat hier ja zum dritten Mal nach „Her“ und „Maria Magdalena“ wieder mit Phoenix zusammengearbeitet und beide funktionieren auf der Leinwand sehr gut. Jonah Hill spielt seinen Charakter auch sehr gut und sticht aus dem Ensemble nochmal besonders hervor. Für mich entwickelt sich Joaquin Phoenix immer mehr in meine Top-Liga, denn in seiner Filmografie schafft er es immer wieder, sich nie auf eine bestimmte Rolle festzulegen. In diesem Jahr war einmal Jesus, dann mal ein traumatisierter Rächer und nun ein an den Rollstuhl gefesselter Alkoholiker und Cartoonist auf der Suche nach Erlösung. Phoenix ist immer eine Wucht und auch hier geht er wieder vollkommen auf. Im Grunde geht es für ihn hier um seine Erlösung und man orientiert sich am recht philosophischen und auch religiösen 12-Punkte-Plan der anonymen Alkoholiker. Die Frage für mich bleibt jedoch, ob die tonale Ausrichtung des Films - auch bedingt durch den etwas unangepassten kontroversen Unterton der von Callahan gezeichneten Karikaturen – und die Erlösung am Ende – dann doch die Schwere des Themas mit Humor und Leichtigkeit überlagert und verharmlost wird. Aber auch wenn der Film selbst etwas vor sich hin plätschert, so hat er mir auf jeden Fall einen unterhaltsamen Kinobesuch beschert.

„Don´t Worry, weglaufen geht nicht“ - My First Look – 7/10 Punkte.

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