Nächtliche Fahrten durch US-amerikanische Metropolen können durchaus inspirierend sein, besonders als Beobachter auf der Rückbank eines Taxis. Schleust sich im vorderen Teil des Wagens hingegen ein Serienkiller ein, hat man grundlegend schlechte Karten, da der Fahrer stets weiß, wohin die Reise geht. Über diese vagen Grundgedanken kam Autor und Debüt-Regisseur Brian Frank Visciglia offenbar kaum hinaus.
Los Angeles: Paul hat soeben einen Mord an einer Frau begangen, noch bevor es in ihrem Domizil ans Eingemachte ging. Kurzerhand nimmt er die Identität eines Taxifahrers an und lässt sich per App zu den nächtlichen Fahrgästen leiten. Für die meisten von ihnen ist es die letzte Fahrt…
Viel wurde bereits über Serienkiller spekuliert. Profile wurden erstellt und man versuchte, Einblicke in die jeweilige Kindheit zu erlangen und auch bei fiktiven Schlächtern ist das Drehbuch meistens gewillt, die Beweggründe des Killers ein wenig zu durchleuchten.
Hier jedoch nicht. Paul ist ein gut aussehender Psychopath und Frauenhasser, der seine sexuelle Befriedigung durch das Töten und nicht durch den Sex an sich erfährt, denn auf diesen verzichtet er in auffälliger Weise.
Nach und nach gabelt er in seinem Schlitten vorzugsweise weibliche Gäste auf, Partygänger, Nachtschwärmer und allesamt recht oberflächlich und überwiegend unsympathisch gezeichnet. Es scheint keinen bevorzugten Opfertyp zu geben, noch favorisiert er eine bestimmte Tatwaffe, da vom Strangulierungsdraht über Messer und Schlagring diverse Hilfswerkzeuge zum Einsatz kommen. Die Kills fallen zwar recht derb, jedoch nicht übermäßig blutig aus, da während dieser Szenen die Kamera auf Paul verharrt und nur einmal aus der Distanz der abgetrennte Kopf eines Opfers zu sehen ist.
Folgerichtig ergibt sich kaum ein roter Faden, eine bestimmte Dramaturgie ist kaum auszumachen, obgleich zwischenzeitlich ein zerstrittenes Paar mehrfach involviert ist und man bereits früh ahnt, dass dieses eventuell für das Finale eine Rolle spielen könnte.
Dennoch gestalten sich die Aufeinandertreffen zwischen Täter und Opfer nie wirklich spannend, zumal die Kräfteverteilung stets eindeutig ist und bei alledem eine gewisse Redundanz nicht ausbleibt.
Gleiches gilt für die Zwischensequenzen, die überwiegend aus dem Fahren bei nächtlicher Kulisse bestehen. Mithilfe des Scores, der phasenweise auf gelungen arrangierte Basssequenzen setzt, entsteht zwar eine stimmige Nachtatmosphäre mit einem Hauch Isolation, doch das allein hält das Gefüge nicht aufrecht. Denn bis zuletzt erfährt man eben nichts über den Hintergrund jener Nacht.
Als sich nach nur 80 Minuten die ersten Credits regen, ist der Spuk, trotz nachgeschobener Szene auch schon wieder vergessen, was nicht zuletzt an einer ausbleibenden Pointe liegt.
Die allenfalls mittelmäßig performenden Mimen können dem genauso wenig entgegen setzen wie das taugliche Handwerk mit einigen nett arrangierten Überblendungen und manchen Fast Forwards im blitzenden Nachtleben. Trotz einiger brachialer Gewaltausbrüche bleibt man da als Fahrgast erschreckend unberührt.
3 von 10