Zwischen „Street Trash“ und „The Blob“ quellen noch weitere undefinierbare Flüssigkeiten durchs Heimkino des geneigten Trashfans.
Autor und Regisseur Larry Cohen wollte die Herkunft seiner US-Bürger bedrohenden Masse erst gar nicht länger erläutern, weshalb sie schlicht den Begriff „The Stuff“ erhielt.
Leider zeichnet der Streifen weniger die Wirkung des Stoffes, als den Kampf eines Industriespions gegen die Hersteller. Humorige Kritik an Konsumzwang und Massenabhängigkeit aber glücklicherweise inbegriffen.
Bereits während der ersten Szenen fällt die straffe Inszenierung auf, die nichts ausschmückt und ohne Umschweife auf den Punkt kommt.
Zwei alte Minenarbeiter entdecken eine blubbernde Masse im Schnee und naschen daran (wer macht denn sowas?), kurz darauf ist „der Stoff“ der absolute Renner unter den Konsumenten, ein Dessert mit Suchtpotential.
Danach entdeckt Bengel Jason, dass sich die weiße Masse im Becher eigenständig bewegt, doch niemand glaubt ihm, weshalb er kurz darauf sämtliche Stuff-Becher im Supermarkt demoliert.
Eine Szene später beobachten wir Hauptfigur David Rutherford, den Spionagesaboteur und ehemaligen FBI-Agenten, wie er auf einer Yacht seinen Auftraggebern gegenüber eine smarte Vorstellung abliefert und sich bereit zeigt, das Geheimnis des Stoffes herauszufinden.
Doch David wird recht schnell die Seiten wechseln, als er zu spüren bekommt, welche Gefahr von dem in hohen Mengen konsumierten „Stuff“ ausgeht.
Nachfolgend werden David, Junge Jason und die Werbefrau Nicole gegen die Hersteller vorgehen. Man schleust sich in die Fabrik ein, nimmt Verfolgungsfahrten in Kauf, während die Konsumenten zu zombieähnlichen Kreaturen werden, die sich willenlos der Wirkung des Stoffes unterordnen.
Genaueres erfährt man jedoch nicht über den Ursprung. Das Zeug kommt aus dem Boden, macht süchtig, aber nicht dick, verstärkt Intelligenz und Physis, macht aber auch doof in der Birne. Über Zusammensetzung, Herkunft und Absichten erfährt man allerdings überhaupt nichts.
Gelungen sind demgegenüber jedoch einige naive Werbespots, die der Konsumgesellschaft in kitschig grellem Ambiente den Spiegel vor Augen halten.
Auf den Punkt bringt dies eine Szene, in der Jason von seiner Familie dazu genötigt wird, das problematische Dessert zu essen. Da stehen alle um ihn herum und demonstrieren familiären Zusammenhalt, fast wie in einem Anti-Werbespot für heile Familien.
Ansonsten bietet sich leider weniger Horror, denn ein Wirtschaftsthriller auf Trash Ebene.
Der undefinierbare Stoff macht sich in nur wenigen Szenen selbstständig, dringt vielleicht in die Kehle des ein oder anderen Dorfbewohners ein/aus, läuft auch mal flächendeckend eine Wand hinunter und bewirkt bei den Konsumenten ein merkwürdig verändertes Wesen, - wie in einigen 50er Sci-Fi Beiträgen – fremd gesteuert.
Von einer globalen Bedrohung ist da jedoch nichts zu spüren, zumal sich der Stoff zu keiner Zeit ernst nimmt.
Vielmehr sind die Protagonisten damit beschäftigt, die Fabrik, ihre Mitarbeiter und die Drahtzieher stillzulegen.
Dafür wird während der letzten Minuten auch noch ein Colonel einberufen, den man rasch mit der Abneigung gegenüber Kommunisten überzeugt „Wir sind Amerikaner. Wir haben noch nie einen Krieg verloren!“ – „Und Vietnam, Sir?“
Der Kerl darf dann mit seinen Military-Jungs ein bisschen Privatkrieg spielen, um sich gegenüber der nach Rasierschaum und Kuchenteig aussehenden Masse zu behaupten.
Letztlich bietet „The Stuff“ ein recht kurzweiliges Vergnügen mit einigen charmant trashigen Momenten und weniger Blut – als Glibbermasse Effekten, die soweit passabel inszeniert wurden.
Mit einer etwas anderen Gewichtung bezüglich Wirtschaftsinteressen und den dazugehörigen Dialogen wäre die Sache wahrscheinlich noch etwas flockiger über die Bühne gegangen.
Doch wer mit Beiträgen irgendwo zwischen Troma und 50ger Sci-Fi-Trash etwas anfangen kann, könnte in entsprechender Stimmung eine Sichtung wagen.
Knapp
6 von 10