Die junge Norwegerin Thelma (beeindruckend: Eili Harboe) löst sich endlich von ihren gebildeten, aber konservativ-strengen und sehr gläubigen Eltern und zieht aus einem kleinen Dorf nach Oslo, um Biologie zu studieren. Der Kontakt mit Gleichaltrigen, die neue Umgebung und die Entfaltungsmöglichkeiten in der Großstadt lösen einen Befreiungsprozess aus, der aber auch übersinnliche (?) Kräfte in der jungen Frau aktiviert, die diese nicht umfassend kontrollieren kann. Thelma erleidet epilepsieartige Anfälle und es kommt zu mysteriösen Situationen, am Ende verschwinden gar Menschen.
Regisseur Joachim Trier wirft uns mit einer Eröffnungssequenz, bei der einem schier der Atem stockt, mitten hinein in ein Szenario, das in düster-hypnotischen Bildern einen Sog erzeugt, der einen dennoch nicht verschlingt, sondern dem Zuschauer eine gewisse analytische Distanz zu den Geschehnissen um die androgyn-zerbrechlich wirkende Hauptfigur einräumt. Bildgestaltung und Ästhetik sind von erlesener Kunstfertigkeit. Für mich ist nder visuelle Aspekt in einem Film ohnehin wichtiger als die Handlung. Dennoch sind mir auf anderen Ebenen einige Kritikpunkte aufgefallen, die mich dazu bewegen, hier keine Höchstnoten zu vergeben.
Der Plot ist nicht wirklich originell. Jugendliche Person, die aus strengem Elternhaus in liberale Umgebung gerät, dieses Thema wurde schon unzählige Male verfilmt. Die Inszenierung verheddert sich auch schnell in Klischees: lesbischer Sex, Zigaretten, Alkohol, Rauschdrogen .... business as usual.
Der Film weist gerade im Mittelteil einige Längen auf, verzettelt sich in Nebensächlichkeiten.
Die Spezialeffekte sind nicht immer überzeugend (z.B. als der Vater Feuer fängt). Dies gibt dem Film zu viel Drive in Richtung eines oberflächlichen Horrorfilms. Das hätte man noch mehr im Uneindeutigen belassen, den Film als reines Psychodrama inszenieren sollen.
Nicht zuletzt finde ich, dass mit Handlung und Figurenzeichnung der aktuell herrschende Zeitgeist bedient wird. Ich bezweifle, dass der Film dermaßen viel Beifall aus dem bürgerlichen Feuilleton erhalten hätte, wenn die Hauptperson männlich und heterosexuell gewesen wäre.
In Abwägung aller Aspekte komme ich letztlich zu ...
6/10