Was die Tragik und den metaphysischen Plot betrifft weht ein Hauch von 'Ringu' durch den mysteriösen Film. Das mag weit hergeholt wirken. Aber zieht man die drastische Zuspitzung und krassen Schuldzuweisungen, sowie die plakative Beschwörung des 'Bösen per se' ab, sind wir mitten in einem Schicksal, das sich in der Fassungslosigkeit erschöpft und einen Kompromiss mit dem Unwägbaren zu schliessen gezwungen ist.
Thelma (altgriechisch 'Wille') und mit ihr wir, bekommen es da mit Verwerfungen zu tun, mit einer Para-Anomalie für die es letztlich keine rationale Erklärung gibt, die ambivalent ausgelegt wird, erstlich erschreckend, hingegen letztlich an ein Wunder grenzend, das gemeinhin als eine 'Gabe des Heiligen Geistes' gilt. Wir erfahren Fluch und Segen an und mit diesem zarten und doch tapferen Geschöpf (Eli Harboe spielt göttlich!) und werden Zeugen einer reizvollen offenendigen Interpretation der Wirklichkeit in der das Unbewusste bedrohlich Gestalt annimmt. Mehr, als das vererbte Rätsel, kann an sich nicht diagnostiziert werden, was den Reiz des Films nicht mindert. Um den Schluss etwas weniger aufgesetzt (und in seiner Tiefe) voll ausgeschöpft zu gestalten, hätte man sich vielleicht noch etwas mehr Zeit nehmen dürfen. Der christliche Bezug ist insofern auch etwas plakativ geraten, aber es ist wertvoll, ihn (schliesslich) nicht nur auf der moralischen Ebene abgehandelt zu sehen. Wirkt der thematisch verwandte 'Carrie' schrill und plump, malt 'Thema' mit zarten Tönen und düsterer Eleganz um eine viel nachhaltigere Wirkung zu erzielen. Dabei präsentiert er ein dichtes Stil-Geflecht von 'Coming of Age', (lesbischer) Erotik, Psychostudie, Mystery, garniert mit sparsam gesetzten Horrormomenten und eindringlichen Bildern.
Die Sequenz einer Opernaufführung unterlegt mit der Musik von Phillip Glass' 2.Symphonie gehört zu einem der dramatischen Höhepunkte des Films. Ansonsten greift der dezente Soundtrack von Ola Flottem die tragisch-melancholische Grundstimmung der Geschichte geradezu vollendet auf und verleiht diesem Filmjuwel den letzten Schliff.