Dem Tod neues Leben einzuhauchen ist innerhalb des Zombiegenres beinahe unmöglich und rein strukturell folgt Autor und Regisseur Robin Aubert dem gängigen Überlebenskampf. Doch Tendenzen in Richtung Arthouse bieten auf audiovisueller Ebene Abwechslung im Einheitsbrei der Untotenwerke.
In einer kanadischen Provinz ist eine Epidemie ausgebrochen, die wenigen Überlebenden wie Bonin und Tania versuchen sich zu einem Schutzbunker durchzukämpfen. Sie treffen auf das Waisenkind Zoé und weitere Menschen auf der Flucht…
Aubert steigt mittendrin ein, spart Informationen über das seit wann und wodurch aus und folgt den Individuen mittels parallel angelegter Handlungsstränge, welche irgendwann zusammengeführt werden. Allerdings dauert es eine Weile, eine Bindung zu den Figuren aufzubauen, da Dialoge rar gesät sind, einige Figuren erst gar nicht beim Namen genannt werden und Hintergründe auch hier nur spärlich durchleuchtet werden.
Auf atmosphärischer Ebene packt der Stoff indes sofort, zumal die einsamen Wald - und Wiesenlandschaften von einer überaus versierten Kamera eingefangen werden, welche mal im morgendlichem Nebel erscheinen, dann sonnendurchflutet beinahe romantisch daherkommen.
So kommt es auch außerhalb von Angriffen zu markanten Szenen, etwa als zwei Untote innerhalb einer Schneise zwischen den Bäumen erspäht werden oder sich eine Reihe auf einer Anhöhe bildet.
Der zurückhaltende Score schafft Raum für die Umgebungsgeräusche, die hier eine sehr bedeutende Rolle spielen. Oftmals verharren die Protagonisten, zuweilen ist aus der Ferne ein Zombieschrei zu hören, aber auch ein Knacken im Unterholz treibt mitunter die Spannung nach oben. Allerdings verhalten sich die Infizierten nicht unbedingt einheitlich, denn manchmal reagieren sie gar nicht, meistens folgen sie Geräuschen, in einem Fall erahnen sie die Anwesenheit der Überlebenden, was nicht immer logisch erscheint.
Ins Surreale driftet derweil der Hang zu hohen Türmen etwa aus Stühlen oder Spielzeug ab, um die sich die Beißer regelmäßig scharren.
Bei einer geschätzten Höhe von acht Metern scheint es ein wenig abwegig, dass die Untoten derartige Gebilde zustande bekommen, zumal sich bis zuletzt nicht der Sinn des ganzen erschließt. Erst recht nicht mit einem Papagei drauf.
Was eigentlich nicht zur beklemmenden Grundstimmung passt sind kleine Humoreinlagen, wie das Erzählen blöder Arztwitze oder der Running Gag eines Soldaten auf Wanderschaft.
In ihrer Form sind sie jedoch so herrlich skurril, dass sie einen weiteren Pluspunkt bilden.
Ebenfalls positiv ist das Erscheinungsbild der Überlebensgruppe, welches fernab von Hollywoodkatalogen den glaubwürdigen Querschnitt einer Landbevölkerung präsentiert ohne irgendwelche Klischees zu bemühen.
Wer reine Überlebensaction sucht, ist hier definitiv fehl am Platz, obgleich damit einige Gewalteinlagen wie Bisswunden oder zerschossene Köpfe einhergehen. Der Stoff wird überwiegend ruhig vorgetragen, er punktet mit starken Einzelmomenten, einer dichten Atmosphäre und soliden Darstellern, während Logik und rationale Verhaltensweisen ein wenig vernachlässigt werden. Dennoch zu keiner Zeit langweilig, da man eben nie weiß, welche Merkwürdigkeit als nächstes präsentiert wird.
7 von 10