Auf den ersten Blick scheint es trendy, was Regisseur Brian O'Malley drei Jahre nach seinem Debüt „Let Us Prey“ abliefert. Denn Gothic-Grusel ist wieder angesagt und Wassergestalten sind spätestens seit „Shape of Water“ gern gesehene Gäste.
Doch was auf audio-visueller Ebene gelingt, kommt inhaltlich nicht ansatzweise mit.
Ein ländliches Kaff irgendwo in Irland um 1920: Die Zwillinge Rachel und Edward wurden soeben volljährig und hausen in dem heruntergekommenen Sitz ihrer Vorfahren. Um nicht von Geistern heimgesucht zu werden, müssen sie drei Regeln befolgen, von denen eine besagt, niemand Fremdes ins Haus zu lassen. Doch dann buhlt der Kriegsheimkehrer Sean um Rachel…
In den ersten Minuten ist Rachel recht flink auf den Beinen, als sie nachts im Wald erwacht und in Windeseile zum Anwesen fetzt, - eine weitere Regeln besagt, dass man um Mitternacht im Bett sein muss. Doch bereits ab da hat es sich mit Temposzenen, denn der Stoff wird zwar angemessen ruhig, phasenweise jedoch eher behäbig vorgetragen.
O'Malley verzichtet auf Jump Scares und explizit blutige Einlagen, sondern setzt auf die Kompositionen seiner kontrastarmen Bilder, was zwar in Ansätzen Atmosphäre schürt, jedoch nur selten Spannung erzeugt. Zwar wird weitgehend auf CGI verzichtet, doch nach oben tropfendes Wasser oder schwebende Gestalten auf einem See erzeugen kaum einen Gruselfaktor.
Hinzu kommt ein geringer Sympathiewert gegenüber den Zwillingen: Edward ist der komplette Depri und neigt zu Überreaktionen, während Rachel oft pissig reagiert und sich Sean gegenüber nur sehr zögerlich öffnet. Das Familiengeheimnis ist indes rasch entlarvt, da es bereits früh zu tendenziellen Andeutungen kommt und der anberaumte Twist eher ins Leere läuft.
Ein paar surreal anmutende Momente wie eine ausladende Unterwasserszene mit düsteren Gestalten sind nett anzuschauen und auch der Score ist sehr gut auf das Geschehen abgestimmt, während den soliden Darstellern kein Vorwurf zu machen ist.
Vielmehr ist es die dünne Geschichte, die zunächst wenig erklärt und ab Mittelteil unnötig um den heißen Brei herumschwafelt, obgleich die Katze im Grunde aus dem Sack ist.
Die irische Geistergeschichte, die über weite Teile mehr melancholisches Drama denn Grusel ist, dürfte unter Genrefans nur schwer Begeisterungsstürme auslösen.
Knapp
5 von 10