Irland kurz nach dem ersten Weltkrieg: Die jungen Geschwister Rachel und Sean bewohnen seit Jahren ganz alleine einen verfallenen Herrschaftssitz auf dem Land abseits einer Kleinstadt. Was sich zunächst wie ein Idyll nach einem Schicksalsschlag (die Eltern der beiden begingen Selbstmord) anhört, ist in Wahrheit das Ergebnis eines jahrhundertealten Fluchs, der den Bewohnern des Hauses strengste Isolation vorschreibt und diese mittels einiger Phänomene dort festhält. Während sich der lethargische Sean in sein Schicksal gefügt hat, entwickelt Rachel Pläne, dieser Vorbestimmung zu entkommen. Als eines Tages ein junger Kriegsheimkehrer Interesse an Rachel zeigt, nimmt das Unheil seinen Lauf...
Zunächst bietet The Lodgers eine geradezu klassische Vorlage für einen spannenden Gruselfilm: Der einsam gelegene Herrensitz inmitten eines großen Parks, beides verlassen und bereits deutlich mit den Spuren des Verfalls gekennzeichnet: Die austreibende Botanik innerhalb der Umzäunung wurde schon lange nicht mehr geschnitten, und das große kastenförmige Gebäude mit den Adlern oben an der Fassade steht zwar noch wie ein herrschaftliches Monument inmitten der wuchernden grünen Oase, dennoch zeigt ein Tag und Nacht geöffnetes Fenster dessen Unbewohntheit an. Ein kleinerer Teich mit Seerosen, an dessen Ufer Rachel ab und zu versonnen in einem Buch liest, runden das gelungene Ensemble im Gothic-Stil ab. Bruder Sean hält sich fast ausschließlich in dem für die beiden viel zu großen Haus auf, und wenn sie sich zum Essen im verwaisten Speisesaal treffen, liegen vertrocknete Blätter und bröckelnder Putz neben den Tellern auf dem Tisch. Das Unheil kommt aus dem Keller, denn eine Luke genau unterhalb der großen Treppe in der Diele scheint manchmal zu überfluten - die Wassergeister haben diesen morbiden Ort fest im Griff. Während Rachel selten einmal ins Dorf gehen und dort notwendige Lebensmittel besorgen darf, vermeidet sie jede Konversation, nimmt nicht am gesellschaftlichen Treiben teil und weist jede Frage, die doch einmal zu ihr durchdringt, mit gestelzten Worten ab.
Leider belässt es der Film bei diesen schauerlichen-schönen Äußerlichkeiten - Rachel verspürt zwar den Wunsch auszubrechen, ist aber der Wassergeister wegen an eine Rückkehr gebunden, da sonst ihr Bruder Sean deren Rache anheimfällt. Außerdem, was sollte sie alleine und mittellos in einer ihr fremden Welt anfangen? Aus diesem Dilemma kommt sie den ganzen Film über nicht heraus, während der psychisch angeschlagen wirkende Sean ein einziges Mal im Film Initiative zeigt, als nämlich ein Anwalt das Anwesen besichtigen will, da die beiden Geschwister seit Jahren ihre wenigen Einkäufe anschreiben lassen und von den Resten eines einstmals stolzen Vermögens zehren, das mittlerweile allerdings aufgebraucht ist. Auch ein junger Kriegheimkehrer, der im Dorf angefeindet wird, da er bei den unbeliebten Briten im Sold stand, bringt wenig Abwechslung in die triste Geschichte. Zwar zeigt Rachel durchaus Interesse an dem jungen Burschen, der seinen Unterschenkel eingebüßt hat, kann sich aber nicht zu einer gemeinsamen Flucht aufraffen. So plätschert The Lodgers langsam und spannungsarm vor sich hin und erzeugt mit fortlaufender Dauer eine stärker werdende Müdigkeit beim Zuseher.
Darstellerisch ist speziell Charlotte Vega als Rachel nichts vorzuwerfen, leider kann weder ihr überzeugendes Spiel noch die fantastische Location des Films etwas am Drehbuch ändern - auch die Wassergeister, die man am Ende des Films, als es dann doch mal die Luke hinab in den nassen Keller geht, in einer Traumsequenz kurz zu sehen bekommt sind genauso sauber getrickst wie die Erscheinung der über das Wasser spazierenden Eltern der beiden Waisen - das alles täuscht jedoch nicht über den ereignislosen Plot hinweg, der ganz zum Schluß noch eine wenig überraschende Wende erfährt. Schade, da war mehr drin. 4 Punkte.