Daheim im fremden Land
Wie eine Mischung aus Eastwood, Helmut Berger und Tarzan kommt er ins luxemburgische Dorf,
hier riecht irgendwas muffig und faulig, und es ist ganz sicher nicht nur des Whiskys Torf.
Ideal besetzt, unheimlich gefilmte Sonnenuntergänge, eine geheimnisvoll-verschworene Gemeinschaft von Bauern,
da kann es einem schonmal den Nacken hochkriechen und schauern.
Ein creepy Alptraum aus Vorurteilen, Gülle und Feldern von Mais,
helfen dir hier wirklich Integration und Fleiß?!
Frederick Lau spielt mal wieder intensiv und toll,
stellt er sich entgegen einem schwer zu durchschauenden Groll.
Mit dem aufregendsten Lauf durchs Kornfeld seit dem unsichtbaren Dritten,
es gibt definitiv schlimmere Folter als die von Schlägen und Tritten.
Angst, Misstrauen und Unwissenheit, ein Neo-Noir in grün und vertraut,
da hat sich wohl ganz schön was in unserem Nachbarland zusammengebraut.
Langsam und behäbig, nicht immer mit Drang zum Ziel,
doch für ein Meisterwerk fehlt hier meiner Meinung nach nicht viel.
Irgendwo zwischen Peckinpah und Dolan, zwischen neuer Heimat und Geiselnahme,
spritzt hier dann doch noch einiges an Blut und Schuld auf die rot-weiß-blaue Fahne.
Unterdrückte Gewalt trifft auf gesittetes Gutbürgertum, Blasmusik auf ureigene Instinkte,
da gibt es wohl mehr als nur einen, der zum Abschied verdutzt aus der Güllegrube winkte.
„Gutland“ hat doppelte Böden und ein kontroverses Ende,
nicht nur für ein Regiedebüt fährt er durch anspruchsvolles Gelände.
Fazit: die Landluft tut dir gut... oder auch nicht. Verstörender, sensibler, mysteriöser Slowburn-Thriller in der Tradition von „Wake In Fright“ oder „Straw Dogs“. Keine Werbung für Luxemburg (zumindest auf den ersten Blick). Aber auf jeden Fall für den „deutschsprachigen“ Film. Anders, schleichend und überwiegend klasse!