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Ass im Designermini

"Molly's Game" hat Sequenzen und Wortgefechte, die sogar "The Wolf of Wall Street" und "The Big Short" locker an die Wand spielen. Nichts Anderes hätte man erwartet, wenn Aaron Sorkin nun neben dem Drehbuch auch zum ersten Mal die Regie übernimmt. Doch hinter dem hyperschnellen Wortstakkato steckt in dieser unglaublichen Geschichte über die selbstgemachte "Pokerprinzessin" und Amerikas Unterbau der Reichen und Schönen genug, um für diese spektakuläre Sorkin-Show beinahe beide Daumen nach oben zu drehen. "Molly's Game" füllt seine ambitionierte, minimal zu lange Laufzeit meist spektakulär - mit überhöhtem Tempo, Stil und der Faszination des Verbotenem. Aber vor allem mit einer starken, mysteriösen Frau, die ein unfassbares halbes Leben hinter sich hat und die immer wieder aufzustehen vermag.

Sorkin ist noch am Anfang seines regietechnischen Könnens. Das merkt man ein ums andere Mal, trotz insgesamt starkem Einstand. Wie man seine hochgesteckte und ultracoole Sprachwelt ideal in Szene setzt, weiß er aber schon jetzt sehenswert am besten. Er lässt seinem furiosen Erzählstil freien Lauf, womit man erstmal klar kommen muss, was Stärke und Schwäche zugleich ist. Vor allem wenn es um Gefühle geht, z.B. in einer Szene spät im Film auf einer Bank im Central Park mit Molly und ihrem strengen Vater, versagt mir der Zugang nahezu total. Alles andere ist große Kunst, die ihm keiner nachmachen kann. Er hat ein Alleinstellungsmerkmal, das ihn zur Legende machen könnte. Über seine Scripts hinaus. "Molly's Game" ist dafür ein rasend-guter Grundstein. Jessica Chastain beweist mal wieder ihre Extraklasse und kommt mit den berauschten Monologen ihres Chefs gnadenlos gut zurecht. Der Rest des Casts spielt ebenfalls entfesselt und die Geschichte an sich ist besser, als man sie sich hätte ausdenken können. Erst recht wenn man ungefähr weiß, welche Spieler und Stars an den Tischen saßen...

Fazit: den Sorkin-Touch kann man nicht nachmachen oder beschreiben. Man muss die Wortsalven einfach auf sich einprasseln lassen. In seinem Regiedebüt mehr denn je. Entweder es klickt oder nicht. Über Macht, Poker und die Kunst des Wiederaufstehens. Eine gemein unterhaltsame Hand und ein feiner Einstand für den Meisterschreiber auf dem Chefsessel. Nicht nur für Pokerpros.

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