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Vorab muss jedem klar sein, welche Art Film er sich in den Player gelegt hat.
Der italienische Exploitation-Film-Regisseur Joe D'Amato versuchte, die Welle der Schmuddelfilm-Ära mit seinem 1977 gedrehten berühmt-berüchtigten Streifen EMANUELLE IN AMERIKA zu "krönen".
Hätte der Streifen nicht einige Besonderheiten, wäre er wohl Mitte der 1970er-Jahre einfach in der Versenkung verschwunden. Dass es sich bei D'Amatos Lieblingsthemen nicht um Anspruch oberhalb der besagten Gürtellinie handelt, ist im Vorfeld klar. So präsentiert der Trash-Maestro die erotische Sensation Laura Gemser als dunkelhäutige One-Woman-Show. Die Story ist genrebedingt nur in wirren Fragmenten vorhanden und dient in erster Linie als Nährboden für diverse und teils perverse Sexszenen. Dies weiß man allerdings, bevor man die DVD aus der Hülle nimmt oder man ist naiv.
Die Grenzen zwischen Softcore und Hardcore sind hier fließend. Ja, und wieder sieht man keinen "richtigen" Spielfilm - vielmehr einen Porno mit Rahmenhandlung. Allerdings hat die Hauptdarstellerin - wie immer - keine direkte explizite Sexszene in dem Film, sondern darf - wie immer - nur gut aussehen.
Wie gesagt, EMANUELLE IN AMERIKA wäre sicherlich schon in Vergessenheit geraten, doch machen einerseits die erotische Präsentation von Laura Gemser und andererseits einige krasse Tabu-Brüche im Gezeigten den Film (negativ) unvergesslich und extrem berüchtigt. Die Sodomie-Szene hat nichts an ihrer unangenehmen Wirkung verloren und hat damals wie heute sicherlich viele Zuschauer empört und verschreckt. Legendär und skandalträchtig sind auch die eingestreuten (natürlich gefälschten) Snuff-Szenen, die gegen Ende der Handlung vorkommen. Regisseur Joe D'Amato musste damals vor Gericht klarstellen, dass diese nicht echt waren. Diese Szenen sehen so realistisch aus, dass es einem schlecht werden kann - auch 2013 noch.
Ob man nun den Schmuddelfilm für einen skandalösen Meilenstein der italienischen Filmhistorie hält, in einfach als langatmigen Porno mit einigen Ekelszenen betrachtet oder als billige Zeitvergeudung ansieht, liegt im Auge des Betrachters. Doch eines ist sicher, D'Amatos Film provoziert und polarisiert noch immer die Meinungen. Diese Lektion hatte der Regisseur so richtig drauf: Schmuddel muss provozieren.
In diesem Sinne: 6 von 10 Tabu-Brechern!

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