Wer sich schon immer gefragt hat, wie wohl der absolute filmische Bodensatz aussehen mag, sollte sich EMANUELLE IN AMERICA anschauen.
Die jämmerliche Story besteht aus einigen collagehaft aneinandergereihten Episoden, die die Reporterin Emanuelle (gespielt von der ziemlich hübschen Laura Gemser) in die Abgründe abartigen Sexualverhaltens führen: Ob es sich um Millionäre mit privatem Harem, dekandente Adlige, die wilde Orgien feiern oder einflußreiche Politiker mit einer Vorliebe für Snuff handelt, es wird gnadenlos nahezu alles, was irgendwie in den SM-Bereich gehört, ohne jegliches formales Geschick präsentiert.
Nun sollte man wissen, daß italienische Schmuddelfilme meistens in unterschiedlich expliziten Fassungen gedreht wurden, wodurch sich nicht feststellen lässt, welche Wirkung Joe D'Amato eigentlich beim Publikum erzielen wollte; die "Full-Uncut-Fassung" hinterlässt jedoch einen nachhaltig verstörenden Eindruck, werden hier doch tatsächlich in unmittelbarem anschluß an blödsinnige Dialoge Hardcoreszenen präsentiert, die zwischendurch sogar in den Pferdestall führen (was dem Film ein ganz dickes PFUI einbringt!).
Der absolute Gipfel ist aber das eingefügte Snuff-Material: hier werden nicht nur wirklich beispiellos frauenverachtende Sadismen präsentiert, die Szenen sind zusätzlich auch noch verwackelt gefilmt und ruckartig geschnitten, was zusammen mit dem absichtlich verschmutzten und zerkratzten Filmmaterial einen erstaunlich realistischen Eindruck hinterläßt, weshalb der Film gar in ein Verfahren verwickelt wurde, in dessen Verlauf D'Amato beweisen musste, daß die Szenen gestellt waren.
Leider ist das Snuff-Material, das ähnlich erschüttert wie die "authentischen" Szenen in CANNIBAL HOLOCAUST und damit trotz des kontroversen Inhaltes das vorhandene Talent D'Amatos zeigt, einfach nur irgendwie in den restlichen Film hineingeschnippelt und nicht wirklich integriert, wodurch es eher wie ein Fremdkörper wirkt.
Somit ist EMANUELLE IN AMERICA zwar für einige garstige Überaschungen gut, aber eben kein wirklicher Schocker (wie z. B. D'Amatos gelungener BUIO OMEGA), als Erotik-Film fällt er ebenfalls durch, da zwar viel Sex gezeigt wird, das Gewicht aber eindeutig auf Macht- und Unterwerfungsphantasien gelegt wird, die dann dafür (bis auf die Snuff-Szenen) reichlich platt präsentiert werden. Ein wenig mit einer Peitsche herumzuwedeln und dabei blöde Sprüche zu klopfen macht eben noch lange keinen De Sade.