Riefenstahls enormes künstlerisches Potential wird auch in ihrer ersten Arbeit im Auftrage des Führers zu jeder Sekunde überdeutlich, schon bei der toll gefilmten Eröffnungssequenz mit einmaligen Aufnahmen vom wunderschönen Nürnberg, unterlegt mit der passenden Musik von Herbert Windt. Einfach herrlich...
Rein handwerklich zählt Riefenstahl ohne Frage zu den ganz Großen. Leider hatte sie sich den Nazis verschrien, aus welchen Gründen auch immer. Sei es tatsächlich aufgrund dem von ihr stets beteuerten Intresse an der Kunst oder doch aus wirklicher Überzeugung. Der Inhalt des Gezeigten ist in jedem Falle fragwürdig, im Vergleich zu anderen antisemitischen Vorbehaltsfilmen wie "Der ewige Jude" oder dem berühmt berüchtigten "Jud Süß" aber noch erträglich.
Hervorragend dokumentiert wird ebenso wie im Nachfolger "Triumph des Willens" ein Reichsparteitag der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, kurz NSDAP, in diesem Fall der fünfte vom 30. August bis zum 3. September 1933. Mit nur etwa der halben Laufzeit dessen vorbelastet umfängt er nur eine gute Stunde, ist kurzweilig und genau deshalb wesentlich einfacher bis zum Ende zu konsumieren als "Triumph des Willens", der vor allem in der zweiten Hälfte wegen der immer wiederkehrenden Aufmärsche usw extreme Längen aufwies. Auf jene wurde auch hier bei weitem nicht verzichtet muss ich leider feststellen, wobei das vermutlich nicht unbedingt auf Riefenstahls Konto geht.
Trotz der hier sichtlich begrenzteren Mittel als bei "Triumph des Willens" ist Riefenstahl mit "Der Sieg des Glaubens" ein mit stets umwerfender Kamera ausgestattetes Stück Zelluloid gelungen, Nostalgie in Reinform und für Cineasten hochinteressant.
Bei soviel Geschwärme für die hübschen Bilder darf nicht vergessen werden das es sich hierbei um eindeutige Propaganda handelt. Diese kann mit dem nötigen Hintergrundwissen und aus den richtigen Beweggründen ohne weiteres genossen werden, kann sogar dabei helfen Ursachen besser nachzuvollziehen. Es ist schier unglaublich mit welch raffinierten Mitteln Hitler und seine Genossen das ahnungslose Volk nach Schritt und Tritt manipulierten. Wenn man von einem Film wie "Der Sieg des Glaubens" aufgrund der grandiosen Aufmachung angetan ist, und das ist beigott nicht schwierig, wird schlagartig deutlich wie damals soviele Leute so hingerissen sein konnten von diesen furchtbaren Verbrechern.
"Der Sieg des Glaubens" ist ohne Frage eine zwiespältige Angelegenheit...