Dieser Propagandafilm hat fataler Weise ganz besondere Qualitäten. Die Dramaturgie, die Ausstattung und das überzeugende Spiel der Darsteller machen diesen Film zu einem gekonnten Melodram mit den typischen Stilelementen Harlans. Der Antisemitismus spielt in seinem Film eine wichtige, aber keine aufgezwungen oder konstruiert wirkende Rolle. Der eigentliche Urheber des Unrechts, Heinrich George als Württembergischer Herzog, stirbt einen theatralischen aber unspektakulären Herztod, während Ferdinand Marian durch seine intensive Darstellung des Juden Oppenheimer und durch die Vergewaltigung Dorothea Sturms (Kristina Söderbaum) als negative Hauptfigur erscheint. Geschickt lenkt Harlan so das Publikum gegen diesen. Werner Krauß hat die Aufgabe mit seiner stets übertriebenen Spielweise die Unsympathien gegen das Judentum an sich zu richten. Dramaturgisch geschickt setzt das Drehbuch diverse Gemeinheiten gegen die Bevölkerung ein, um dann zum Höhepunkt zu kommen: Die Einwanderung der Juden in Stuttgart. Parallel dazu wird Kristina Söderbaum in den Selbstmord getrieben. Die Verurteilung Oppenheimers und die Schlussrede werden als ein Art Erlösung in Szene gesetzt. Harlans Film gilt gerade wegen seiner hervorragenden Qualitäten als umstrittenster Propagandafilm, während man andere - teilweise sogar aufwendigere - Filme dieser Art vergessen hat. Nur ein Beispiel, dass die - in diesem Fall unmenschliche - Aussage eines Films wenig mit dessen künstlerischer Qualität zu tun haben muss.
(Quelle: Jan-Eric Loebe / http://www.deutscher-tonfilm.de/js1.html)