Abbitte habe Brian Yuzna nach seiner Arbeit an „Welcome to Hell“ leisten wollen. Schließlich hatte er den besinnlichen „Silent Night, Deadly Night“-Grundgedanken mit dem vierten Teil bis zur Unkenntlichkeit verfremdet. Diese Zerstörung von Festtagsfreude geschah zwar mutwillig, aber wenn man anschließend die enttäuschten Schnuten verheulter Kindergesichter ertragen muss, kann man eben auch mal seine Meinung ändern. Schwupps, schon hat man sich als Produzent und Drehbuchautor von Teil 5 verpflichtet und ein tolles Weihnachtsgeschenk fürs kommende Jahr in Aussicht gestellt, obwohl man eigentlich schon beim vierten Teil nicht so recht wusste, was für eine Art Geschenk man da überhaupt überreichen will. Darf’s diesmal vielleicht mal wieder klassisches Spielzeug sein?
Bei „Toys – Tödliches Spielzeug“ von einer Rückkehr zu den Wurzeln zu sprechen, wäre dann doch vermessen. Sicher, es klingen wieder die Glöckchen, die Weihnachtskugeln reflektieren das Kaminfeuer, der Score von Matthew Morse zitiert fröhlich Tschaikowskys „Nussknacker“ und der Plot zirkuliert endlich wieder um weihnachtliche Elemente. Auch wurde der Regiestuhl neu besetzt; Martin Kitrossers erste relevante Amtshandlung war die Vorlage des Drehbuchs von „Und wieder ist Freitag der 13.“ (1984), gefolgt von zwei weiteren Freitag-Sequels. Camp Crystal ist zwar saisonal betrachtet eher sommerlich angehaucht, aber hey, wer im Sommer mit Macheten hantiert, wird wohl auch im Winter mit Äxten umzugehen wissen.
Von einem glatten Schnitt zum ganz und gar unfestlichen Vorgänger kann aber schon deswegen nicht die Rede sein, weil gegen jede Logik ein Großteil der alten Legosteine wieder zum Einsatz kommt, um die neue Burg zu bauen, selbst wenn Farbe und Form der alten Steine nicht zur Anleitung passen. Wir sehen da zum Beispiel Neith Hunter in einer Nebenrolle, die als Hauptdarstellerin des vierten Teils noch durch die Hölle gehen musste, hier aber plötzlich als fürsorgliche, leicht naive Nachbarin auftritt und keinerlei Anzeichen psychischer Folgen der erlebten Traumata aufweist, obwohl sie den gleichen Rollennamen trägt.
Dafür kann man sich natürlich mehrere Erklärungen aus den Fingern ziehen: Wir könnten uns in einem Prequel befinden, in dem sie ihren eigenen Horror noch vor sich hat, oder vielleicht sogar in einem alternativen Universum. Womöglich waren auch die Men in Black da und haben alles geblitzdingst, was nicht bei Drei auf den Tannenbäumen war. Wahrscheinlicher ist aber wohl, dass Yuzna seinem Zielpublikum einfach nicht zutraute, dass es sich für gut geschriebene Figurenentwicklung interessieren könnte, weshalb er auch nicht weiter Energie in diese aufwändige Autorenaufgabe zu stecken gedachte und seiner Darstellerin lieber einen Gefallen in Form einer würdevollen, stressfreien Rolle tun wollte, als Ausgleich für ihre Tour de Force beim letzten Mal.
Das erklärt dann wohl auch den erneuten Auftritt von Clint Howard, dessen Figur Ricky eigentlich längst ins Gras gebissen hat, der hier aber trotzdem für einen sekundenlangen Cameo im Santa-Kostüm reaktiviert wird, als sollte die Kontinuität bewusst zugunsten eines Floating-Timeline-Ansatzes aufgebrochen werden. Sogar Yuznas Sohn Conan feiert ein Comeback und darf auf frisch geklauten Rollschuhen im wahrsten Sinne des Wortes die Funken auf dem Asphalt sprühen lassen. Man fühlt sich ein wenig wie bei „American Horror Story“ oder „The Twilight Zone“, wenn sich Szenario und Figuren ändern, aber teilnehmende Gesichter und konzeptionelle Ausrichtung unverändert bleiben.
Das frisch aufgetragene Lametta und die stolz präsentierten Ugly Christmas Sweater darf man also als reines Lippenbekenntnis verstehen. Schon weil die Beteiligten weitgehend die gleichen wie beim letzten Versuch sind, ist man den Wurzeln des Originals von 1984 kaum einen Schritt nähergekommen. Vielmehr sind „Toys – Tödliches Spielzeug“ und „Welcome to Hell“ in etwa die gleiche Sorte Film, lediglich mit unterschiedlichen inhaltlichen Ansätzen. Hat man das einmal akzeptiert, kann man aber durchaus einiges an Freude mit dem Abschluss der Hauptreihe haben.
Die vielleicht wichtigste Rückkehr abseits von Brian Yuzna ist wohl die seines Effektmeisters Screaming Mad George, der Teil 4 mit allerhand schleimigem Ekelzeugs garniert hatte. Im Grunde ist er es, dem der Originaltitel-Zusatz „The Toy Maker“ gebührt. Dass sich Georges Arbeitsfeld inzwischen von der Nachbildung organischer Oberflächen allerhand Ungeziefers zu den Plastikverkleidungen von Kinderspielzeug verschoben hat, scheint ihm wenig Probleme zu bereiten. Gleich im Prolog setzt er ein erstes Ausrufezeichen, indem er einen kugelförmigen Weihnachtsmann mit ausfahrbaren Gliedmaßen von der Leine lässt, dessen freundliche Sprengkopf-Visage sich mit einer Drehung effektiv in etwas Bösartiges verwandelt. Womöglich saß er bei Charles Bands und David Schmoellers „Puppet Master“ im Publikum und hat sich ein paar Sachen notiert, fiel das Gimmick der Harlekin-Puppe „Jester“ in der zwei Jahre zuvor veröffentlichten Full-Moon-Produktion doch sehr ähnlich aus.
Im weiteren Verlauf bleibt es in Bezug auf die Effekte durchgehend abwechslungsreich. Wie „Puppet Master“, „Dolls“, „Demonic Toys“ und ähnliche Vertreter der Subsparte „Toy Horror“ kämpft zwar auch „Toys – Tödliches Spielzeug“ spürbar damit, die Untauglichkeit von Kinderspielzeug als tödliche Waffe mit filmischen Mitteln zu kaschieren, aber es ist genug Einfallsreichtum vorhanden, um den Suspension-of-Disbelief-Pegel nicht völlig ausschlagen zu lassen. Eine Sequenz um eine Spielzeugraupe kombiniert actionreich Plastik- mit Gummi-Effekten, nutzt wieder den Schnitt als Verbindungselement und garniert alles noch mit Stunt-Arbeit um ein fahrendes Auto.
Bei der verrückten Konzeption einer Bettszene werden die Effekte sogar zum Gehilfen des derben Humors. Die berühmte Kind-erwischt-Erwachsene-beim-Sex-Situation wird mit einem schrägen Twist versehen, an dem insbesondere eine mechanische Gummihand nicht ganz unbeteiligt ist, die recht unverfroren mitten in das Getümmel kriecht und nebenbei das doch sehr unterschiedliche Verständnis auf den Prüfstand stellt, das Männer und Frauen beim Sex in Horrorfilmen an den Tag legen. Es ist übrigens nicht der einzige Auftritt einer selbstständig agierenden Hand im Filmjahr 1991; schließlich war da noch Barry Sonnenfeld und seine „Addams Family“…
Während die Filmcrew mit ihren Spielzeugen beschäftigt ist, versucht sich das Drehbuch an einem Whodunit zum Thema „Draußen geht ein Hundehasser umher und legt vergiftete Köder aus“, nur dass die Hunde hier Menschen sind und die Köder Weihnachtsgeschenke. Die Suche nach dem Missetäter gestaltet sich teilweise verwirrend und wird oftmals unfokussiert erzählt. Den Kinderdarsteller William Thorne kann man wohl in gewisser Weise als Hauptdarsteller identifizieren, er steht aber nicht ebenso bedingungslos im Zentrum der Handlung wie Neith Hunter im Vorgänger, zumal Jane Higginson als seine Mutter Sarah und Tracy Fraim die eigentlichen Aktivposten im Skript sind. Auf der anderen Seite haben wir einen äußerst charismatischen Mickey Rooney sowie einen leicht verpeilt wirkenden Brian Bremer als Rooneys Filmsohn. Wann immer die Beiden auf der Bildfläche erscheinen, wird es überaus schräg, und das wohl nicht immer im gewollten Sinne.
Dem Finale kommt das jedenfalls zugute, denn hier wird es wirklich abgefahren. Die Pinocchio-Parallelen, auf die sich der originale Filmtitel eigentlich bezieht, pervertieren da zu einer Farce, die in einer durchaus abgründigen Szene zwischen Brian Bremer und Jane Higginson gipfelt, welche dann doch irgendwo wieder eine Brücke schlägt zur tragischen Hauptfigur des ersten Films der Reihe. Auch Screaming Mad George hat sich seinen Joker für ganz zuletzt aufbewahrt, um den Irrsinn im Geppetto-Keller noch einmal zu unterstreichen, bei dem man sich nicht so ganz darauf einigen kann, ob er gemessen an einer Low-Budget-Produktion für den heimischen TV nun brillant oder einfach nur hirnrissig geraten ist.
In der Gesamtbetrachtung sind die Stärken und Schwächen von „Toys – Tödliches Spielzeug“ aber ähnliche wie bei „Welcome to Hell“. Die Effekte bleiben auf einem mehr als zufriedenstellenden Niveau. Die Schauspieler bringen einige beachtliche Leistungen zustande (diesmal vor allem Mickey Rooney, auf seine spezielle Weise aber auch Brian Bremer), wobei Teil 4 den noch besseren Cast hatte; dafür gibt es diesmal mehr Atmosphäre. Um über Einzelmomente hinaus ernsthaft mit der tragischen Komponente des Originals mithalten zu können, hätte man schlichtweg mehr Mühe ins Drehbuch investieren müssen. Als eine Art „From the World of Silent Night, Deadly Night“-Ableger taugen Brian Yuznas Beiträge aber allemal, auch wenn er wahrscheinlich bis heute nicht herausgefunden hat, warum er sie in seinen Lebenslauf aufgenommen hat.