Nacktwanderung
In diesem introvertierten Drama aus Südkorea schlendert eine Frau durch Hamburgs Landschaften (und später durch eine koreanische Kleinstadt), oft an den jeweiligen Stränden, frisch entlassen aus einer Affäre mit einem verheirateten Mann und verloren in Gedanken, Einsamkeit und der Ruhe des Moments. "On The Beach At Night Alone" hat einen der sperrigsten aber irgendwie auch schönsten Titel seit langem. Poster und Hauptdarstellerin sind ebenfalls nett anzusehen, mysteriös und delikat. Doch das war auch schon alles, was an diesem 100-Minuten-Quälgeist hübsch ist. Ich war kurz davor das Kino zu verlassen, so genervt, enttäuscht und gelangweilt war ich. Man möchte sich aus purer Verzweiflung fast die Haut vom Gesicht reißen. Selbst als Fan entschleunigter Arthouse-Dramen kann man hier nur verzweifelt das Handtuch werfen.
Viele asiatische Dramen benötigen Geduld. Sogar deren Horrorfilme. Nur wird diese dann am Ende meist doppelt und dreifach belohnt. "On The Beach At Night Alone" belohnt rein gar nichts, schlägt dir eher noch ins Gesicht. Selten habe ich einen dermaßen verunglückten Film gesehen, der zudem noch vor Selbstverliebtheit fast platzt. Respekt! Selbst die Bilder wirken kaum nach, weder die aus HH noch aus Korea. Hier wird einem meiner Meinung nach kostbare Lebenszeit gestohlen. Themen wie Glück, Liebe und Einsamkeit werden höchstens angeschnitten, dann verliert sich alles wieder in einem nichtssagenden Brei aus Sake, Luxusproblemen und gebratenem Speck. Wer hier einschläft, darf seinem Unterbewusstsein danken und muss keiner Minute nachtrauern. Man hat schlicht 0,0 verpasst. Einen Mini-Punkt gibt es für den Culture Clash im ersten Drittel, wo die zwei koreanischen Damen unserer berühmtesten Hafenstadt mit großen Augen und offenem Herzen begegnen.
Fazit: redseliger Arthouse-Rotz, der auf der Stelle tritt und dessen Sinnlosigkeit nur noch von seiner Langeweile übertroffen wird. Prätentiös und zäh wie Gummi. Ein Wannabe-Ozu. Ganz furchtbar!