Wenn man sich auf die Qualitäten eines Regisseurs verlassen kann, darf dieser auch mal auf eine simple Geschichte zurückgreifen. „Midnight Meat Train“ und „No One Lives“ stellten bereits unter Beweis, dass Ryûhei Kitamura sein Fach beherrscht und dabei oftmals recht zynisch zu Werke geht. Boshafte Spitzen konnte er sich auch hier nicht verkneifen.
Zunächst glauben die sechs jungen Menschen an einen stinknormalen Platten, als sie auf einer Landstraße im Nirgendwo stranden. Doch noch während des Reifenwechsels fallen Schüsse und man muss sich rasch Deckung suchen, um nicht ebenfalls Opfer des Scharfschützen zu werden…
Die Erzählung steigt direkt mit der Autopanne ein, woraufhin den Figuren keine Zeit zur Entfaltung bleibt. Eine kennt sich ein wenig mit Waffen und Jagdtaktiken aus, der Rest bleibt sehr oberflächlich gezeichnet, andere werden noch nicht einmal beim Namen genannt.
Die Motivation des Scharfschützen bleibt derweil ungeklärt, - er muss zumindest sehr viel Zeit haben, da an genau dieser Landstraße eher selten Fahrzeuge vorbeikommen.
So einfach die Geschichte auch ist, so effektiv generiert sie Spannung durch die latente Unberechenbarkeit der Ausgangssituation. Denn sobald ein Schuss zu hören ist, muss man von einem Treffer ausgehen, zumal der Schütze mit seinen Opfern spielt und nicht grundlegend jede Gelegenheit nutzt, um die Gruppe zu dezimieren.
Von jener erwartet man eigentlich eine Reihe irrationaler Verhaltensweisen, doch erfreulicherweise nutzen die jungen Leute die wenigen Möglichkeiten, um etwa den Sniper abzulenken, einen Werkzeugkoffer optimal zu nutzen oder die Position des Schützen zu bestimmen. Ferner wird die Zahl der potenziellen Opfer durch zwei weitere Fahrzeuge erweitert, was mit einigen dynamisch in Szene gesetzten Stunts einhergeht, wobei eine Abfolge durchaus brachial ist.
Ohnehin macht Kitamura keine Gefangenen und setzt auf hochwertige Effekte. Es gibt zahlreiche Einschusslöcher, auch mal in Nahaufnahme, da werden Köpfe überrollt oder abgetrennt, jemand brennt und ein Schädel wird eingeschlagen. Bei alledem liefert die versierte Kamera einige ungewöhnliche Perspektiven und bleibt nah bei den Figuren, während die Mimen mindestens solide abliefern.
Ein Scharfschütze und seine Opfer, - aus dieser simplen Prämisse generiert der Survival-Thriller latent Spannung und erlaubt sich beinahe keine Atempause. Als Schwächen offenbaren sich die schwachen Figurenzeichnungen und der nicht gegebene Background, was Kitamura mit audio-visueller Dynamik, einigen Splattereffekten und einer garstigen Grundatmosphäre ordentlich zu kaschieren vermag.
7 von 10