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Mit den guten Vorsätzen fürs neue Jahr ist das so eine Sache, wenn bereits im Februar wieder der übliche Trott gefahren wird. Neujahr kann aber auch so richtig ungünstig starten, etwa, wenn die Silvesterrakete nach hinten losgeht oder ein Filmriss nur noch nebulöse Erinnerungen zulässt. Bei den vier Personen im vorliegenden Thriller offenbart das neue Jahr ebenfalls einige böse Überraschungen.

Als Lindsey (Alex Essoe) und ihr Mann Jeff (Dylan McTee) von einer Silvesterfeier nach Hause fahren, läuft ihnen ein Typ vor die Kühlerhaube. Sie wollen den Schwerverletzten ins Krankenhaus bringen und nehmen ihn erst einmal mit nach Hause. Kurzer Zeit später kehrt Lindseys jüngere Schwester Hannah (Perla Haney-Jardine) ebenfalls heim und bemerkt den Typen. Als tags drauf der zwielichtige Cop Smith (Ward Horton) aufkreuzt, scheint das Chaos perfekt…

Dass mit der Beziehung zwischen Lindsey und Jeff nicht alles optimal läuft, offenbart sich bereits beim Silvestercountdown, den sie bei den Feiernden und er draußen rauchend verbringt. Ihr noch relativ frisch bezogenes Heim gleicht an vielen Stellen einer Baustelle, wobei Geld nicht nur diesbezüglich eine größere Rolle spielt, da Jeff noch Arbeit sucht, während Lindsey allein die Kohle heranschafft. Hannah scheint indes eine unrühmliche Vergangenheit zu haben, wobei lange Zeit mit Andeutungen gespielt wird, was recht riskant für den Storyaufbau ist, - anfangs mag man allenfalls Lindsey, alle anderen könnten das eine oder andere düstere Geheimnis hüten.

Das kammerspielartige Treiben konzentriert sich fast ausschließlich auf diese vier Figuren. Es kommt stets zu neuen Enthüllungen, ungeahnten Reaktionen und kleinen Wendungen, was das Interesse, trotz der eher ruhigen Erzählweise aufrecht erhält. Dabei geht es um Manipulation, Gier, aber auch um Vertrauen, Lügen und Gewissensfragen. Bei einem kleinen Abstecher in Horrorgefilde fließt zwar nicht allzu viel Blut und es gibt eine brachiale Andeutung, die letztlich nur im Off zu hören ist, doch im letzten Drittel wird eine deutlich strammere Gangart eingeschlagen.

Darstellerisch wird insgesamt passable Kost geliefert. Herausstechend ist dabei Ward Horton, der als selbstgefälliger Typ immer ganz dicht am Overacting vorbeischrammt, während Alex Essoe mit Zurückhaltung, aber einer ordentlichen Präsenz punktet. Der Score ist ebenfalls auf der Habenseite zu verbuchen, indem er einerseits die leicht isoliert erscheinende Situation recht stimmungsvoll untermalt und andererseits bei den wenigen Temposzenen ordentlich Gas gibt ohne übers Ziel hinauszuschießen. Ansonsten ist handwerklich wenig anzukreiden, die Inszenierung fällt angenehm schnörkellos und auf den Punkt aus.

Das nicht immer leicht zu durchschauende Spiel bringt den einen oder anderen gelungenen Spannungsmoment und obgleich das Konstrukt insgesamt nicht übermäßig originell daherkommt, sorgen einige Twists und Turns für Kurzweil. Freunde simpel gestrickter Thriller machen mit einer Sichtung nicht viel verkehrt.
6,5 von 10

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