Staffel 3
Staffel 3
Eine Win(den)-Win(den)-Situation
Nach dem unfassbaren Cliffhanger vom Ende der zweiten Staffel kommt „Dark“ nun mit Staffel 3 schon/leider zum Ende - oder zum Anfang, ihr kennt es ja. Zur Geschichte kann und will ich eigentlich kaum noch etwas sagen - mittlerweile zwei Parallelwelten, etliche Zeitebeben, Charakterverflechtungen und mehr Mysterien, perplexe Paradoxons und Fragen im guten, alten Winden denn je - wohin führt es Jonas, Martha und die fiktive deutsche Kleinstadt zwischen Zeit, Raum und den wohl verzwicktesten Stammbäumen seitdem es Serien gibt?!
Viel habe ich schon geschrieben, gereimt und völlig zurecht in den Serienolymp gelobt/gehypt - die Frage war eigentlich nur, ob das faszinierend ausgeklügelte, nahezu perfekte Niveau gehalten und zu einem runden, befriedigenden Abschluss gebracht werden kann oder ob nicht doch noch ein oder zwei Jahre mehr der komplexen Story gut getan hätten - und zum Glück kann ich Entwarnung geben. „Dark“ steht die Landung - und zwar legendär spektakulär würde ich mal sagen! Ich hatte Zweifel, ob das Level gehalten werden kann, ob am Ende nicht doch zu viele Fragen offen bleiben, ob man zu der Menge an Figuren genug Beziehung aufgebaut hat, ob manche Momente nicht mehr Zeit zum Atmen und Wirken gebraucht hätten - nur um am Ende doch deutlich sprachlos und dankbar dazustehen, klar und stolz anerkennen zu dürfen, hier etwas ganz, ganz, ganz Großes vor sich gehabt zu haben, zu dem man/ich sicher auch gerne nochmal zurückkehren werde. Wenn etwas Zeit ins Land gezogen ist. Denn, was ist schon Zeit...
„Dark“ Staffel 3 ist die Kulmination und für die vielen, langjährigen, rätselnden und strengen Fans, mit all ihren Theorien und offenen Fragen, eine unfassbar schöne, etwas traurige und durchgehend tolle Belohnung, eine Achterbahnfahrt der Gehirnwindungen und Gefühle, der Überraschungen und WTF?!-Momente, der Erleuchtung und Erleichterung. Es ist geschafft, es war von Anfang an geplant und ausgereift, man darf allen gratulieren (allen voran dem sympathischen Paar am Drehbuch und auf dem Regiestuhl!), man kann nicht mehr und will doch noch mehr. Aber dann fängt man einfach nochmal von vorne an - der Wiederspielwert war selten so hoch, die Details und Easter Eggs kaum so lohnenswert und befriedigend, deutsches „Fernsehen“ nie besser. „Dark“ ist ein Ereignis, komplex und intim zugleich, Theorie und Menschlichkeit, Gehirn und Gefühl, Liebe und Schmerz, Epos und Emotion, Zeit und Raum, Mythos und Mathe, Deutschland und Universum. Das will und darf man nicht missen. Von AKWs und urdeutschen Ängste über Nena und Wälder bis hin zu Märchen, Mädchen und „Musterfamilien“, von Theater und Labyrinthen, von Freundschaft, Schicksal und Bestimmung, von Traum und Wirklichkeit. Mein Beileid an alle, die hier schon früh überfordert aufgegeben und abgeschaltet haben. Ihr habt etwas Einzigartiges verpasst. Durchhalten. Reinfuchsen. Sich damit beschäftigen. Es lohnt sich. Maximal. Winden, Winden, wie könnt ihr nur verschwinden...
Fazit: Wow! „Dark“ ist die neue Benchmark in Sachen Sci-Fi-Mindfuck-Serien, an der sich noch sehr lange Kommendes messen und die Zähne ausbeißen muss/wird. Von Anfang bis Ende riesengroß. Ein einmaliges deutsches Vorzeigeprojekt, auf das man sehr stolz sein kann. „Dark“ ist ein einmalig durchdachtes und jetzt schon legendäres Epos, wie es es wahrscheinlich noch nie gab. Über „Dark“ werden Bücher, Analysen, Mythen und Videos geschrieben/gedreht werden. Ein Schwergewicht, ein Geniestreich. History in the Making - und nun vollendet! Eine komplizierte, fordernde, lohnenswerte und im Endeffekt unglaublich runde Sache - und deswegen vielleicht das größte Serienwunder von allen! (10/10)